Varta stellt vier Insolvenzanträge

Varta stellt vier Insolvenzanträge
Varta reicht vier Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart ein © Presse.Online

Varta insolvent: Batteriehersteller stellt vier Anträge

Der Batteriehersteller Varta hat vier Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart gestellt. Das Unternehmen will sich in Eigenverwaltung neu ordnen, doch für Tausende Beschäftigte und mehrere Konzernbereiche beginnt damit eine Phase großer Unsicherheit.

Das Gericht bestätigte am Freitag den Eingang der Anträge. Sie werden nun geprüft. Welche Gesellschaften des Konzerns im Einzelnen betroffen sind und wann das Gericht über die Verfahren entscheidet, war zunächst nicht öffentlich bekannt.

Was passiert ist

Varta ist erneut in eine schwere Finanzierungskrise geraten. Nach Angaben der beteiligten Gläubiger benötigt das Unternehmen kurzfristig zusätzliches Kapital im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Hinzu komme weiterer Finanzierungsbedarf, um den Geschäftsbetrieb dauerhaft zu stabilisieren.

Trotz intensiver Gespräche habe sich kein Investor oder bestehender Anteilseigner bereit erklärt, die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Die Gläubigergruppe sieht deshalb nach eigenen Angaben keine finanzierbare Lösung mehr, mit der der Varta-Konzern in seiner bisherigen Struktur erhalten werden könnte.

Zu der Gruppe gehören die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox. Ihr Plan sieht vor, den Geschäftsbereich Consumer Batteries mit den bekannten Haushaltsbatterien aus dem übrigen Konzern herauszulösen und wirtschaftlich zu stabilisieren.

Varta erklärte, dieser Geschäftsbereich sei von den aktuellen Insolvenzanträgen nicht betroffen. Für die weiteren Unternehmensteile soll das Eigenverwaltungsverfahren eine Fortführung oder geordnete Neuaufstellung ermöglichen.

Varta-Geschäftsführer Michael Ostermann bezeichnete den Schritt als unvermeidbar. Das Unternehmen arbeite daran, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und eine nachhaltige Fortführung zu ermöglichen.

Warum die Varta-Insolvenz relevant ist

Varta gehört zu den traditionsreichen Namen der deutschen Batterieindustrie. Der Konzern produziert neben Haushaltsbatterien unter anderem Mikrobatterien für Hörgeräte, Lithium-Ionen-Zellen und stationäre Energiespeicher.

Die Krise betrifft daher nicht nur einen einzelnen Hersteller. Sie berührt auch die Frage, ob industrielle Batteriekompetenz und spezialisierte Produktion dauerhaft an deutschen Standorten gehalten werden können.

Besonders betroffen ist Baden-Württemberg. Am Stammsitz in Ellwangen arbeiten zahlreiche Beschäftigte in Produktion, Entwicklung und Verwaltung. Die Landesregierung erklärte, sie wolle sich für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze, industrieller Wertschöpfung und technologischen Know-hows einsetzen. Die konkreten Entscheidungen liegen jedoch bei Unternehmen, Investoren, Gläubigern und dem Insolvenzgericht.

Varta beschäftigte zuletzt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro und verzeichnete einen Verlust von 64,5 Millionen Euro.

Was daraus folgt

Mit der Antragstellung beginnt zunächst noch kein eröffnetes Insolvenzverfahren. Das Amtsgericht Stuttgart muss prüfen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und ob eine Eigenverwaltung angeordnet werden kann.

Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensleitung grundsätzlich im Amt. Sie wird üblicherweise durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter kontrolliert. Ziel ist nicht automatisch die Stilllegung, sondern eine Sanierung unter dem Schutz des Insolvenzrechts.

Für die Beschäftigten bedeutet der Antrag deshalb nicht unmittelbar den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Dennoch sind Stellenabbau, Standortveränderungen oder Verkäufe einzelner Bereiche möglich, wenn sie Bestandteil eines späteren Sanierungskonzepts werden.

Eine Aufteilung des Konzerns zeichnet sich bereits ab. Das Geschäft mit Haushaltsbatterien soll nach den Plänen der Gläubiger eigenständig fortgeführt werden. Für Mikrobatterien, Energiespeicher und weitere Aktivitäten müssen dagegen neue Eigentümer, Investoren oder tragfähige Finanzierungslösungen gefunden werden.

Zusätzlichen Druck erzeugt die geplante Schließung des Werks in Nördlingen. Dort sollen rund 350 Stellen wegfallen, nachdem Varta seinen wichtigsten Kunden für die am Standort produzierten Knopfzellen verloren hatte. Die Produktion soll nach bisherigen Angaben noch bis November 2026 laufen.

Was noch offen ist

Nicht geklärt ist, welche vier Gesellschaften die Insolvenzanträge gestellt haben. Auch die genaue Struktur der geplanten Eigenverwaltung wurde zunächst nicht veröffentlicht.

Offen bleibt ferner, wie viele Arbeitsplätze in Ellwangen und an den weiteren Standorten erhalten werden können. Die Erklärung des Managements formuliert dieses Ziel, enthält aber keine konkrete Beschäftigungsgarantie.

Unklar ist ebenfalls, wer die einzelnen Geschäftsbereiche künftig kontrollieren wird. Die Herauslösung von Consumer Batteries steht nach Angaben der Gläubiger noch unter dem Vorbehalt behördlicher und weiterer Genehmigungen.

Für die übrigen Varta-Sparten wurden bislang keine abgeschlossenen Investorenvereinbarungen bekannt gegeben.

Fazit und Ausblick

Die vier Insolvenzanträge markieren den vorläufigen Tiefpunkt einer Sanierung, die Varta eigentlich dauerhaft stabilisieren sollte. Bereits 2024 hatte der Konzern ein Verfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz durchlaufen. Altaktionäre verloren dabei ihre Beteiligungen, Gläubiger verzichteten auf Forderungen und Porsche sowie der damalige Mehrheitsgesellschafter Michael Tojner stellten neues Kapital bereit.

Im April 2025 erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen. Gut ein Jahr später reicht die Finanzierung erneut nicht aus.

Ob aus der Eigenverwaltung eine tragfähige Neuaufstellung entsteht, hängt nun vor allem von der Finanzierung, möglichen Verkäufen und den Entscheidungen des Insolvenzgerichts ab. Sicher ist bislang nur: Varta wird in seiner bisherigen Struktur voraussichtlich nicht fortbestehen.

Faktenüberblick

Thema: Insolvenz und mögliche Aufteilung des Varta-Konzerns
Ereignis / Entscheidung: Einreichung von vier Insolvenzanträgen
Datum / Zeitraum: 24. Juli 2026
Ort / Region: Amtsgericht Stuttgart; Stammsitz Ellwangen, Baden-Württemberg
Zentrale Akteure: Varta, Amtsgericht Stuttgart, Deutsche Bank, RBC BlueBay, Blantyre, Whitebox
Betroffene: Rund 3.260 Beschäftigte, Lieferanten, Gläubiger und Geschäftspartner
Wichtigste Folge: Neuordnung des Konzerns; mögliche Ausgliederung und Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche
Stand der Informationen: Die Anträge werden geprüft; Verfahren und Sanierungsstruktur sind noch nicht abschließend bestätigt.

Konkrete Folgen auf einen Blick

  • Beschäftigte: Arbeitsverhältnisse enden nicht automatisch durch die Antragstellung. Die weitere Personalplanung ist jedoch offen.
  • Standorte: Über den Fortbestand einzelner Werke ist noch nicht abschließend entschieden; die Schließung in Nördlingen war bereits zuvor angekündigt.
  • Kunden: Das Geschäft mit klassischen Haushaltsbatterien soll nach aktuellem Stand außerhalb der beantragten Verfahren weitergeführt werden.
  • Geschäftspartner: Lieferanten und andere Gläubiger müssen mit veränderten Zahlungs- und Vertragsbedingungen rechnen.
  • Industrie: Möglich ist eine Aufteilung des Konzerns mit unterschiedlichen Eigentümern für einzelne Technologiesparten.

Offene Punkte im Überblick

  • Noch offen ist, welche vier Varta-Gesellschaften die Insolvenzanträge gestellt haben.
  • Unklar bleibt bislang, wann das Amtsgericht Stuttgart über die Eigenverwaltung entscheidet.
  • Nicht bestätigt ist, wie viele der rund 3.260 Arbeitsplätze dauerhaft erhalten werden können.
  • Weitere Angaben zu möglichen Investoren für Mikrobatterien und Energiespeicher liegen bislang nicht vor.
  • Eine abschließende behördliche Zustimmung zur Herauslösung von Consumer Batteries steht noch aus.

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FAQ

Ist Varta bereits endgültig insolvent?

Varta hat vier Insolvenzanträge eingereicht. Das Amtsgericht Stuttgart prüft diese zunächst. Die förmliche Eröffnung der Insolvenzverfahren ist damit noch nicht erfolgt.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?

Bei einer Eigenverwaltung führt die bisherige Unternehmensleitung den Geschäftsbetrieb grundsätzlich weiter. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren und die Interessen der Gläubiger.

Sind die Haushaltsbatterien von Varta betroffen?

Der Geschäftsbereich Consumer Batteries soll nach Angaben des Unternehmens nicht Teil der Insolvenzanträge sein. Die Gläubiger planen, diese Sparte aus dem Konzern herauszulösen und eigenständig zu stabilisieren.

Verlieren die Beschäftigten jetzt ihre Arbeitsplätze?

Nicht automatisch. Arbeitsverträge bestehen zunächst fort. Wie viele Stellen langfristig erhalten werden können, hängt vom Sanierungskonzept, möglichen Verkäufen und der Finanzierung ab.

Warum ist die Sanierung von 2024 gescheitert?

Nach Angaben der Gläubiger benötigt Varta erneut kurzfristig einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag sowie weiteres Kapital. Für diese Finanzierung fand sich bislang kein Investor.

Wird Varta zerschlagen?

Eine Aufteilung wird zunehmend wahrscheinlich. Für Consumer Batteries ist eine Herauslösung vorgesehen. Wie die übrigen Geschäftsbereiche organisiert oder verkauft werden, ist noch offen.

Quellen

  • Amtsgericht Stuttgart: Bestätigung des Eingangs von vier Insolvenzanträgen, wiedergegeben durch Reuters und weitere Wirtschaftsmedien.
  • Varta-Unternehmensmitteilung: Stellungnahme von Geschäftsführer Michael Ostermann und Angaben zur Eigenverwaltung.
  • Mitteilung der Ad-hoc-Gläubigergruppe um Deutsche Bank, RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox zur Finanzlage und geplanten Herauslösung von Consumer Batteries.
  • Reuters: Stellenabbau und Produktionsende am Standort Nördlingen.
  • Varta-Geschäftsbericht 2024: Unternehmens- und Finanzangaben.
  • Amtsgericht Stuttgart: Beschluss zum Restrukturierungsplan vom 11. Dezember 2024.

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