Drohen jetzt leere Zapfsäulen am Rhein?
Niedrigwasser erhöht Risiko regionaler Kraftstoffengpässe
Das anhaltende Niedrigwasser am Rhein erhöht das Risiko regionaler Kraftstoffengpässe. Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie en2x können mehrere Tanklager nicht mehr oder nur noch mit geringen Mengen über Binnenschiffe versorgt werden. Ein flächendeckender Mangel an Benzin oder Diesel besteht nach aktuellem Stand jedoch nicht.
Betroffen ist vor allem die Transportkette im Westen Deutschlands. Tankschiffe können wegen der geringen Wassertiefe deutlich weniger Ladung aufnehmen oder einzelne Strecken nicht mehr befahren. Lieferungen werden deshalb, soweit möglich, auf Güterzüge und Tanklastwagen verlagert. Deren Kapazitäten sind jedoch begrenzt.
Tanklager erhalten teilweise nur geringe Mengen
Der Rhein gehört zu den zentralen Transportwegen für Mineralölprodukte in Deutschland. Über die Wasserstraße werden unter anderem Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin und Rohstoffe für die chemische Industrie befördert.
Nach Angaben von en2x sind die Pegelstände zuletzt weiter gesunken. Verschiedene Tanklager könnten deshalb nicht mehr oder nur noch eingeschränkt mit Binnenschiffen beliefert werden. Die Lage sei „aktuell sehr angespannt“, erklärte en2x-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen am 14. August.
Der Verband berichtet noch nicht von einem bundesweiten Versorgungsengpass. Er warnt vielmehr vor einem erhöhten Risiko zeitweiser und regional begrenzter Ausfälle. Diese könnten insbesondere dann auftreten, wenn zusätzliche Probleme hinzukommen etwa Verspätungen im Schienengüterverkehr, technische Störungen oder weitere Einschränkungen in der Logistik.
Für Autofahrer bedeutet das: Einzelne Tankstellen könnten bestimmte Kraftstoffsorten vorübergehend nicht anbieten, ohne dass Benzin oder Diesel deutschlandweit knapp werden.
Niedrigwasser verteuert Transporte und Kraftstoffe
Die geringere Beladung der Schiffe verändert die Kostenrechnung. Muss dieselbe Menge Kraftstoff auf mehr Schiffe, Tanklastwagen oder Güterzüge verteilt werden, steigen die Transportkosten pro Tonne. Hinzu kommen begrenzte Fahrzeug- und Schienenkapazitäten sowie Baustellen auf wichtigen Verkehrsachsen.
Der ADAC sieht im Niedrigwasser einen wesentlichen Grund für regionale Preisunterschiede. Es verteuere derzeit insbesondere in westlichen Teilen Deutschlands die Beschaffung und den Transport von Kraftstoffen.
Im bundesweiten Durchschnitt blieben die Preise in der Woche bis zum 12. August nahezu unverändert. Nach einer ADAC-Auswertung kostete ein Liter Super E10 im Mittel 2,125 Euro und damit 0,3 Cent weniger als eine Woche zuvor. Diesel verbilligte sich um 0,4 Cent auf durchschnittlich 2,200 Euro je Liter.
Die Durchschnittswerte bilden regionale Belastungen allerdings nur eingeschränkt ab. Zugleich beeinflussen weitere Faktoren den Preis an den Zapfsäulen darunter der Rohölpreis, Raffineriekosten, Steuern, Wechselkurse und der Wettbewerb vor Ort. Der ADAC meldete für die betrachtete Woche einen Anstieg des Brent-Rohölpreises von etwa 79 auf rund 89 US-Dollar je Barrel.
Aus regionalen Preisunterschieden allein lässt sich deshalb nicht ableiten, welcher Anteil unmittelbar auf das Niedrigwasser entfällt.
Bund und Länder erleichtern Ausweichtransporte
Bund und Länder haben am 12. August weitere Schritte zur Sicherung der Lieferketten vereinbart. Mehrere Bundesländer lassen bereits Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen sowie von der Ferienreiseverordnung zu. Weitere Länder sollen entsprechende Transporte und Leerfahrten ermöglichen.
DB InfraGO stellt nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums zusätzliche Trassen für Güterzüge auf der Hauptachse entlang des Rheins bereit. DB Cargo arbeitet mit anderen Unternehmen an zusätzlichen Fahrzeugkapazitäten. Die Autobahn GmbH soll zugleich prüfen, welche vermeidbaren Einschränkungen durch Baustellen reduziert werden können.
Bis zum 30. September 2026 gelten zudem flexiblere Vorgaben für bestimmte, vom Bund geförderte Umschlaganlagen. Dort dürfen während der Niedrigwasserphase auch zusätzliche Güter umgeladen werden, die normalerweise nicht unter die entsprechenden Förderbedingungen fallen.
Als alternative Wasserroute zwischen den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen und dem Ruhrgebiet nennt das Ministerium den Dortmund-Ems-Kanal sowie das westdeutsche Kanalnetz. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt hat dafür einen Krisenstab eingerichtet.
Keine Hamsterkäufe, Preise vergleichen
Ein vorsorgliches Befüllen zusätzlicher Kanister ist nach der derzeitigen Lage nicht angezeigt. Eine sprunghaft steigende Nachfrage könnte die örtliche Versorgung zusätzlich belasten. Kraftstoff darf zudem nur in dafür zugelassenen Behältern transportiert und gelagert werden.
Verbraucher können dagegen die erheblichen Preisunterschiede zwischen Tankstellen nutzen. Der ADAC empfiehlt derzeit, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken. Hintergrund ist die seit 2026 geltende Beschränkung der Preiserhöhungen: Um 12 Uhr steigen die Preise häufig deutlich und sinken anschließend schrittweise.
Ob es tatsächlich zu leeren Zapfsäulen kommt, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Rheinpegel und der Stabilität der Ausweichtransporte ab. Das Bundesverkehrsministerium will die Lage gemeinsam mit den Rheinanliegerländern fortlaufend beobachten. En2x kündigte ebenfalls an, seine Informationen abhängig von der Versorgungslage zu aktualisieren.
Konkrete Folgen für Autofahrer
- Regional können Benzin oder Diesel an einzelnen Tankstellen zeitweise fehlen.
- Im Westen Deutschlands können höhere Transportkosten stärker auf die Kraftstoffpreise durchschlagen.
- Bundesweite Durchschnittspreise zeigen lokale Preissprünge nur eingeschränkt.
- Preisvergleiche zwischen nahe gelegenen Tankstellen können sich besonders lohnen.
- Hamsterkäufe sind angesichts der bislang gesicherten Gesamtversorgung nicht begründet.
FAQ
Droht Deutschland ein flächendeckender Kraftstoffmangel?
Dafür gibt es bislang keine Hinweise. En2x warnt vor vorübergehenden und regional begrenzten Engpässen, nicht vor einem bundesweiten Ausfall der Versorgung.
Warum beeinträchtigt Niedrigwasser die Kraftstoffversorgung?
Binnenschiffe dürfen bei geringer Wassertiefe weniger Ladung aufnehmen oder können einzelne Strecken nicht mehr befahren. Dadurch sinkt die Transportkapazität, während die Kosten pro beförderter Tonne steigen.
Welche Regionen sind besonders betroffen?
Das Niedrigwasser wirkt sich vor allem auf Lieferketten entlang des Rheins und damit auf Teile Westdeutschlands aus. Ob eine einzelne Tankstelle betroffen ist, hängt jedoch von ihrem Lieferweg und den örtlichen Lagerbeständen ab.
Werden Benzin und Diesel jetzt teurer?
Höhere Transportkosten können regional zu Preisaufschlägen führen. Die Kraftstoffpreise werden jedoch zusätzlich vom Rohölpreis, von Steuern, Raffineriekosten, Wechselkursen und dem lokalen Wettbewerb beeinflusst.
Quellen und Transparenz
- Bundesministerium für Verkehr: „Niedrigwasser: Bund und Länder verstärken Maßnahmen für sichere Lieferketten“, 12. August 2026, Pressemitteilung.
- Wirtschaftsverband Fuels und Energie en2x: „Rhein: Niedrigwasser erschwert Transport von Mineralölprodukten“, 14. August 2026, Verbandsmitteilung.
- ADAC: „Spritpreise im Wochenvergleich kaum verändert“, 12. August 2026, Auswertung bundesweiter Kraftstoffpreise.
- Bundeskartellamt: Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, Hintergrund zur Erfassung aktueller Tankstellenpreise.
Die Warnung vor möglichen Engpässen beruht auf Angaben des Branchenverbands en2x. Ein tatsächlicher flächendeckender Kraftstoffmangel ist durch die ausgewerteten Quellen nicht belegt.
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