Strenge Regeln beim Landgang in Pattaya

Strenge Regeln beim Landgang in Pattaya
Systembild: US-Flugzeugträger an einem hellen Hafenpier mit Seeleuten auf dem Kai. © KI-generierte Illustration

Strenge Regeln für 5000 US-Militärangehörige in Pattaya

Nach einem außergewöhnlich langen Einsatz hat der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ am Mittwoch, dem 2. September 2026, im thailändischen Hafen Laem Chabang angelegt. Rund 5000 Seeleute und Marineinfanteristen erhalten einen fünftägigen Landgang allerdings unter besonderen Beschränkungen.

Für die Besatzung sind unter anderem Cannabisgeschäfte, Apotheken, bestimmte Straßen in Pattaya sowie die meisten Wassersportangebote gesperrt. Parallel gelten die thailändischen Gesetze uneingeschränkt: Verstöße können auch für US-Militärangehörige strafrechtliche Folgen haben.

Cannabis, Wassersport und Teile des Nachtlebens sind tabu

Vertreter der Stadt Pattaya, der örtlichen Polizei und der US-Marine hatten den Ablauf des Besuchs vor der Ankunft abgestimmt. Nach Berichten thailändischer Medien dürfen die Militärangehörigen weder Cannabisgeschäfte noch Apotheken betreten. Parasailing und weitere Wassersportaktivitäten stehen ebenfalls auf der Verbotsliste.

Einzelne Straßen und Ausgehbereiche sind für die Besatzung gesperrt. Dazu gehört nach übereinstimmenden Medienberichten die für ihr Nachtleben bekannte Soi 6. Die Walking Street im Süden Pattayas darf dagegen besucht werden, muss von den Militärangehörigen jedoch bis 2 Uhr verlassen werden.

Der Landgang erfolgt gestaffelt. Damit sollen nicht alle rund 5000 Besatzungsmitglieder gleichzeitig in Pattaya unterwegs sein. Die örtliche Polizei hat zusätzliche Kräfte und verstärkte Kontrollen angekündigt.

Die Einschränkungen sind von den allgemein geltenden thailändischen Strafvorschriften zu unterscheiden: Bei den gesperrten Orten und Aktivitäten handelt es sich überwiegend um besondere Verhaltensregeln für den Landgang. Unabhängig davon unterliegen die Militärangehörigen während ihres Aufenthalts dem thailändischen Recht.

Warum E-Zigaretten in Thailand strafrechtlich riskant sind

E-Zigaretten und dazugehörige Flüssigkeiten dürfen in Thailand nicht legal eingeführt werden. Die thailändische Botschaft in London warnt ausdrücklich davor, entsprechende Geräte mitzubringen oder im Land zu benutzen. Betroffene müssen mit Beschlagnahme, Geldstrafe, Festnahme oder einem Strafverfahren rechnen.

Die häufig verbreitete Aussage, der bloße Besitz jeder E-Zigarette führe automatisch zu fünf Jahren Haft, greift rechtlich zu kurz. Die konkrete Strafandrohung hängt davon ab, welcher Tatbestand angewendet wird etwa unerlaubte Einfuhr, Handel oder Besitz von Waren, die illegal ins Land gelangt sind.

Bei einer Verfolgung als Besitz beziehungsweise Übernahme geschmuggelter Waren kann nach Darstellungen zum thailändischen Zollrecht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sowie eine vom Warenwert abhängige Geldstrafe drohen. Für unerlaubte Einfuhr können andere und teilweise höhere Strafrahmen gelten. Eine Verurteilung zu fünf Jahren ist daher möglich, aber keineswegs die automatische Folge jeder mitgeführten E-Zigarette.

Für die Besatzung der „USS Abraham Lincoln“ besteht neben dem staatlichen Verbot ein praktisches Risiko: Wer entgegen den militärischen Anweisungen eine E-Zigarette an Land mitführt oder erwirbt, kann sowohl mit thailändischen Ermittlungen als auch mit dienstrechtlichen Konsequenzen konfrontiert werden.

Cannabis nur unter medizinischen Voraussetzungen

Thailand hatte Cannabis 2022 weitgehend aus der Liste der Betäubungsmittel gestrichen. Seit Juni 2025 gelten jedoch wieder deutlich strengere Regeln. Cannabisblüten dürfen grundsätzlich nur für medizinische Zwecke und gegen Verschreibung abgegeben werden.

Geschäfte, die Cannabis ohne die erforderlichen Unterlagen verkaufen, können mit bis zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht belegt werden. Öffentliches Rauchen kann zudem als Belästigung nach dem Gesundheitsrecht verfolgt werden.

Die Strafen für illegale Verkäufe lassen sich nicht ohne Weiteres auf Käufer übertragen. Deshalb wäre die pauschale Behauptung, jeder Cannabiskauf ohne Rezept werde automatisch mit einem Jahr Haft bestraft, irreführend. Für die US-Besatzung stellt sich diese Abgrenzung ohnehin nicht: Nach den vereinbarten Landgangsregeln dürfen die Militärangehörigen Cannabisgeschäfte gar nicht erst betreten.

Bis zu 15 Jahre Haft für Majestätsbeleidigung

Besonders weitreichend ist Paragraf 112 des thailändischen Strafgesetzbuchs. Wer den König, die Königin, den Thronfolger oder den Regenten verleumdet, beleidigt oder bedroht, muss mit drei bis 15 Jahren Haft pro Tat rechnen.

Das Gesetz kann auch auf Veröffentlichungen im Internet angewendet werden. Ein Social-Media-Beitrag ist jedoch nicht allein deshalb strafbar, weil er unbedacht oder kritisch formuliert wurde. Maßgeblich ist, ob die Behörden und Gerichte darin einen der Tatbestände des Paragrafen 112 sehen. Die Vorschrift wird wegen ihrer Reichweite und der hohen Mindeststrafe international kritisiert.

Pattayas Polizeichef Anek Srathongyoo stellte nach Medienberichten klar, dass US-Militärangehörige bei Gesetzesverstößen grundsätzlich wie andere Personen strafrechtlich verfolgt werden können. Der militärische Status schützt die Besatzung somit nicht pauschal vor thailändischer Strafverfolgung.

Erholung nach monatelangem Einsatz im Nahen Osten

Die „USS Abraham Lincoln“ war am 21. November 2025 aus San Diego ausgelaufen und später in den Nahen Osten verlegt worden. Dort beteiligte sich der Verband an US-Militäroperationen im Konflikt mit dem Iran.

Reuters beziffert die bis zur Ankunft in Thailand auf See verbrachte Einsatzzeit auf 286 Tage. Die Formulierung bedeutet allerdings nicht, dass das Schiff seit November ohne jede Hafenberührung blieb: Am 7. Juli gab es Berichten zufolge einen kurzen Hafenaufenthalt im Oman. Die häufig verwendete Darstellung von 286 ununterbrochenen Tagen ohne Landgang ist deshalb nicht ausreichend belegt.

Während des langen Einsatzes wurden Berichte über Versorgungsprobleme, belastetes Wasser, Suizidversuche und eine sinkende Moral an Bord bekannt. Demokratische Mitglieder des US-Kongresses forderten eine Untersuchung. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wies die Darstellung der Zustände als verzerrt zurück. Die US Navy erklärte, sie nehme das Wohlergehen jedes Besatzungsmitglieds ernst.

Vor etwa zwei Wochen löste die „USS George Washington“ den Träger im Nahen Osten ab. Begleitet wird die „USS Abraham Lincoln“ in Thailand von dem Zerstörer „USS Frank E. Petersen Jr.“ und dem Lenkwaffenkreuzer „USS Robert Smalls“, die weitere Häfen in der Region anliefen.

Pattaya erhofft sich von dem fünftägigen Aufenthalt zusätzliche Einnahmen in einer touristisch schwachen Phase. Gleichzeitig warnte Tourismusforscher Pipatpong Fakfare von der Bangkok University gegenüber Reuters vor einem erhöhten Risiko sexueller Ausbeutung und sexuell übertragbarer Krankheiten. Prostitution ist in Thailand verboten, in Teilen Pattayas jedoch weiterhin offen sichtbar.

Wie viele Besatzungsmitglieder tatsächlich in Pattaya übernachten und wie hoch der wirtschaftliche Effekt ausfällt, ist bislang nicht bekannt. Der Hafenaufenthalt soll nach derzeitigem Stand fünf Tage dauern.

Quellen und Transparenz

Primär- und amtliche Quellen

Ergänzende Medienberichte

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