Kerosinversorgung Frankfurt: Lufthansa sorgt vor
Kerosinversorgung in Frankfurt: Lufthansa tankt vorsorglich mehr
Lufthansa trifft Vorkehrungen wegen einer angespannten Kerosinversorgung am Flughafen Frankfurt. Auf ausgewählten Verbindungen nehmen Flugzeuge bereits vor dem Abflug nach Frankfurt zusätzlichen Kraftstoff auf. Flugstreichungen seien deswegen derzeit nicht zu erwarten, erklärte das Unternehmen laut einem dpa-Bericht vom Mittwochabend.
Lufthansa verlagert einen Teil der Betankung
Mit dem sogenannten Tankering verringert die Fluggesellschaft den Treibstoffbedarf am Zielort: Maschinen bringen zusätzliches Kerosin mit, das sonst dort getankt werden müsste.
Nach dem dpa-Bericht soll dieses Vorgehen helfen, den Flugbetrieb trotz möglicher Einschränkungen bei der Versorgung verlässlich aufrechtzuerhalten. Lufthansa nennt als Hintergrund unter anderem eine verringerte Kapazität der Pipeline-Anbindung.
Fraport sieht durch Pipeline-Wartung keinen Engpass
Der Flughafenbetreiber bewertet die Situation anders. Nach Angaben des Deutschlandfunks bestätigt Fraport zwar Wartungsarbeiten an der Pipeline. Dadurch entstehe jedoch kein Versorgungsengpass.
Als weiterer möglicher Belastungsfaktor wird ein niedriger Rheinpegel genannt. Der Deutschlandfunk verweist dazu auf Informationen der „Bild“-Zeitung, wonach Tankschiffe weniger Ladung transportieren können. Welchen Anteil dies an der aktuellen Versorgungslage hat, geht aus der Meldung nicht hervor.
Damit stehen unterschiedliche Einschätzungen nebeneinander: Lufthansa sorgt gegen mögliche Einschränkungen vor, während Fraport einen durch die Wartung verursachten Engpass verneint. Eine vollständige Unterbrechung der Kerosinversorgung ist durch diese Angaben nicht belegt.
Hohe Standortkosten: Was die Zahlen tatsächlich zeigen
Die Versorgungsfrage trifft auf eine seit Jahren geführte Debatte über die Kosten des deutschen Luftverkehrs. Ein im März 2025 vorgestelltes Gutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt beziffert den Anstieg der Standortkosten in Deutschland zwischen 2019 und 2024 auf 38 Prozent. Im europäischen Durchschnitt waren es 26 Prozent. Erfasst werden unter anderem Steuern, Gebühren und Flughafenentgelte.
Diese Untersuchung beschreibt den deutschen Markt. Sie liefert allein keinen Beleg dafür, dass Frankfurt im Oktober 2026 pauschal „zu teuer“ ist. Das Verkehrsministerium weist zudem darauf hin, dass sich teurere Drehkreuze wie Amsterdam und London besser entwickelt hätten. Kosten erklären die schwache Erholung des deutschen Luftverkehrs demnach nur teilweise.
Für Reisende ist vorerst die Aussage der Lufthansa maßgeblich: Wegen der Kerosinversorgung rechnet die Airline derzeit nicht mit Flugausfällen. Wie lange die Vorsorgemaßnahmen erforderlich bleiben, ist in der vorliegenden Berichterstattung nicht abschließend geklärt.
Quellen und Transparenz
- DLR, Pressemitteilung vom 20. März 2025: Studie zu Standortkosten im Luftverkehr. Primärquelle zur Darstellung der Untersuchung.
- Bundesverkehrsministerium, Pressemitteilung vom 20. März 2025: BMDV legt Studie zu Standortkosten im Luftverkehr vor.
- Deutschlandfunk, 15. Oktober 2026: Kerosin-Mangel in Frankfurt Lufthansa reagiert. Berichtet über Angaben von Lufthansa und Fraport.
- RND/dpa, 14. Oktober 2026: Kerosin-Mangel am Frankfurter Flughafen Lufthansa-Anweisung an Piloten.
Die aktuellen Unternehmensangaben werden nach Medienberichten wiedergegeben. Eigene Stellungnahmen von Lufthansa oder Fraport liegen diesem Beitrag nicht zugrunde. Die Kostendaten betreffen den Zeitraum 2019 bis 2024.
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