Frankreich nach der Gewalt: Gefahr für Deutschland?

Frankreich nach der Gewalt: Gefahr für Deutschland?
Für ein entsprechend bestätigtes Paris-Motiv: „Beschädigte Geschäfte nach den Ausschreitungen in Paris. In Frankreich kam es am Wochenende zu schweren Gewaltausbrüchen.“ © X

Frankreich nach der Gewalt: Wie konkret ist die Gefahr für Deutschland?

Ein ausgebranntes Rathaus, geplünderte Geschäfte und zahlreiche Verletzte: Frankreich erlebt schwere Ausschreitungen. Auch in Mailand kam es zu Gewalt. Warnungen vor ähnlichen Szenen in Deutschland stehen bislang keine in dieser Recherche belegten konkreten Behördenhinweise gegenüber.

Paris/Berlin. Nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich wächst die Sorge vor weiteren Gewaltausbrüchen. Nach Angaben des französischen Innenministeriums, über die AFP berichtet, wurden am Samstag knapp 2.400 Menschen festgenommen. Fast 1.000 Polizisten und Gendarmen seien verletzt worden, sieben davon schwer. Am Sonntag kam es in Paris erneut zu Zusammenstößen und Plünderungen.

Damit liegt die jüngste Bilanz deutlich über den zunächst gemeldeten Zahlen. Die Gewalt brach im Zusammenhang mit einem landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände an Schulen aus. Nach Behördenangaben beteiligten sich rund 550.000 Menschen, nach Angaben der Veranstalter etwa 800.000.

In Limoges brannte das historische Rathaus

Zu den schwersten Angriffen kam es am Samstag in Limoges. Vermummte drangen nach Angaben des zuständigen Präfekten Maurice Barate in das historische Rathaus ein und legten Feuer. Das Dach stürzte nach seiner Darstellung auf darunterliegende Stockwerke. Der Westflügel sei davon ausgenommen gewesen. Barate bezeichnete die Zerstörung als Katastrophe für das kulturelle Erbe.

Auch andere Städte waren betroffen. In Marseille drangen Randalierer zeitweise in den Eingangsbereich des Rathauses ein. In Lyon brannte eine Touristeninformation.

Präsident Emmanuel Macron kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen die Verantwortlichen an. Zugleich unterschied er zwischen Menschen mit berechtigten Protestanliegen und denjenigen, die zerstörten und plünderten. Präfekten sollen bestimmte Versammlungen bei Bedarf untersagen können. Einen landesweiten Ausnahmezustand oder eine allgemeine Ausgangssperre kündigte er zunächst nicht an.

Auch in Mailand eskalierte die Lage

In Mailand warfen Demonstranten am Sonntag Steine, beschädigten Schaufenster und plünderten Geschäfte. Nach Reuters-Angaben setzte die Polizei nahe dem Domplatz Tränengas und Wasserwerfer ein. Mehr als 60 Menschen wurden zur weiteren Überprüfung auf Polizeiwachen gebracht. Für die Ausschreitungen am Samstag in mehreren norditalienischen Städten nennt Reuters unter Berufung auf einen Polizeibericht insgesamt 28 Festnahmen.

Diese Angaben bestätigen die im Ausgangsmaterial genannten mindestens 160 Festnahmen allein in Mailand nicht. Die unterschiedlichen Zeiträume und die Unterscheidung zwischen einer Überprüfung auf der Wache und einer Festnahme erlauben keine einfache Addition.

Was die Warnung für Deutschland trägt

Der Psychologe und Extremismuskenner Ahmad Mansour warnt gegenüber BILD vor einem möglichen Übergreifen auf Deutschland. Seiner Darstellung nach versuchen linksradikale Gruppen, die Mobilisierung hierher zu übertragen. Auch die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter hält vergleichbare Gewaltausbrüche für möglich. Beide verbinden ihre Einschätzungen mit Kritik an der Migrationspolitik.

Das sind Bewertungen der Befragten. Konkrete Belege für unmittelbar bevorstehende, mit den französischen Ausschreitungen zusammenhängende Gewalttaten in Deutschland liefert der Bericht nicht. Eine entsprechende aktuelle Warnung deutscher Sicherheitsbehörden konnte für diesen Beitrag nicht verifiziert werden. Daraus folgt keine Entwarnung, wohl aber eine Grenze dessen, was sich derzeit behaupten lässt.

Auch die pauschale Beschreibung der französischen Täter als überwiegend migrantische Jugendliche ist durch die geprüften Angaben nicht gedeckt. AP berichtet ausdrücklich, dass französische Behörden und Polizei die Ausschreitungen nicht mit Einwanderern in Verbindung gebracht hätten. Macron machte nach seiner Darstellung radikale linke Gruppen und weitere Straftäter verantwortlich. Eine belastbare Aufschlüsselung der Tatverdächtigen nach Herkunft liegt diesem Beitrag nicht vor.

Auswärtiges Amt mahnt Deutsche in Frankreich zur Vorsicht

Eine konkrete deutsche Behördenempfehlung richtet sich derzeit an Menschen, die sich in Frankreich aufhalten. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass weitere Demonstrationen und Ausschreitungen in den kommenden Tagen möglich sind. Reisende sollen Demonstrationen möglichst meiden und den Anweisungen örtlicher Sicherheitskräfte folgen.

Die Hinweise betreffen die Lage im Nachbarland. Eine Aussage über bevorstehende Ausschreitungen in Deutschland enthalten sie nicht.

Quellen und Transparenz: Ausgewertet wurden Berichte von AFP, AP und Reuters, der vorgelegte BILD-Beitrag sowie die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Die französischen Gesamtzahlen werden nach Behördenangaben in Agenturberichten wiedergegeben; sie wurden nicht unabhängig erhoben. Einschätzungen zur Gefahr für Deutschland sind den jeweiligen Gesprächspartnern zugeordnet.

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