Erotikbranche: Was VENUS und Sextoy-Zahlen zeigen
Erotikbranche: Was die Nachfrage nach Lustprodukten zeigt
Berlin. Die Erotikbranche erreicht ein großes Publikum. Dafür sprechen die Besucherangaben der VENUS Berlin ebenso wie aktuelle Befragungsergebnisse zum Besitz von Sexspielzeug. Nach Angaben des Messeveranstalters kommen jährlich mehr als 32.000 Menschen zur VENUS. Der Amorelie-Sexreport 2026 nennt für Frauen und Männer jeweils Besitzquoten von über 50 Prozent. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Ausschnitte eines Marktes, der weit über das Messegeschäft hinausreicht. Einen historischen Nachfragerekord belegen sie allerdings nicht.
Zehntausende Besucher treffen auf internationales Geschäft
Die VENUS präsentiert seit 1997 Erotik- und Lifestyleprodukte in Berlin. Auf ihrer Website nennt sie mehr als 270 Aussteller aus 40 Ländern. Zum Angebot gehören Mode und Lovetoys; Produktinformationen werden mit Bühnenunterhaltung verbunden. Diese Mischung erklärt, weshalb die Besucherzahl als Maß für das öffentliche Interesse taugt, aber nicht unmittelbar als Verkaufsstatistik: Wer eine Show besucht, muss noch kein Produkt kaufen.
Wirtschaftlich aufschlussreich ist der Fachbesucherbereich. Dort richtet sich die Messe an Hersteller und Händler, inzwischen ausdrücklich auch an Plattformbetreiber, Agenturen und Creator. Hinzu kommen Dienstleistungen rund um Zahlungsabwicklung und Altersverifikation. Die Erotikbranche umfasst damit neben Warenverkauf auch digitale Inhalte und die Infrastruktur, die deren Vermarktung ermöglicht.
Die VENUS macht diese Geschäftsfelder an einem Ort sichtbar. Ihre Ausstellerzahl beschreibt die internationale Beteiligung an der Messe. Wie viel Umsatz die beteiligten Unternehmen erzielen oder welche Bereiche besonders stark wachsen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Sexspielzeug findet Käufer bei Frauen und Männern
Einen Einblick in die Verbreitung der Produkte liefert der Amorelie-Sexreport 2026. Nach der veröffentlichten Darstellung besitzen 63 Prozent der befragten Frauen und 58 Prozent der Männer mindestens ein Sextoy. Zwei oder mehr Produkte nennen 45 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer. Damit beschreibt die Erhebung einen Kundenkreis, in dem auch der Besitz mehrerer Produkte verbreitet ist.
Die Ergebnisse stammen aus einer Händlerbefragung: Amorelie bezeichnet die gemeinsam mit Trend Research durchgeführte Onlineerhebung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 2.108 Befragten als repräsentativ. Der Auftraggeber verkauft selbst Erotikprodukte. Besitzquoten sagen zudem nichts darüber aus, wann die Artikel gekauft wurden oder wie viel die Befragten dafür ausgegeben haben. AMORELIE
Für die wirtschaftliche Einordnung bleibt dennoch ein konkreter Befund: Die ausgewiesenen Werte liegen bei beiden Geschlechtern über der Hälfte. Die Vorstellung, Sexspielzeug sei ausschließlich ein Produkt für eine kleine weibliche Käuferschicht, passt zu diesen Ergebnissen nicht.
Anbieter arbeiten über Ländergrenzen hinweg
Wie breit Unternehmen den Markt bearbeiten, zeigt die Selbstdarstellung der EQOM-Gruppe. Sie nennt Aktivitäten in mehr als zehn Ländern, über 35 Eigenmarken und ein Sortiment von mehr als 14.000 Produkten. Das Unternehmen bedient sowohl Endkunden als auch Geschäftskunden. Mission, Values & History
Diese Größenordnung zeigt, wie international Teile des Erotikhandels organisiert sind. Hinter einzelnen Produkten stehen Markenportfolios und Vertriebsstrukturen für mehrere Länder. Der Begriff „Sexual Wellness“, den EQOM verwendet, gehört dabei zur Positionierung des Unternehmens. Er ist für sich genommen kein Nachweis für Marktwachstum.
Großes Interesse ist noch kein belegter Rekord
Die vorliegenden Angaben ergeben ein nachvollziehbares Bild: Die VENUS zieht nach Veranstalterangaben Zehntausende Menschen an, Händlerbefragungen weisen verbreiteten Sextoy-Besitz aus, Unternehmen bedienen internationale Absatzmärkte. Für einen Bericht über die wirtschaftliche Bedeutung der Branche ist das eine belastbare Grundlage.
Die Aussage „gefragt wie noch nie“ würde mehr verlangen: vergleichbare Besucherzahlen über mehrere Jahre, aktuelle Verkaufsdaten und eine nachvollziehbare Abgrenzung des untersuchten Marktes. Denn Erotikprodukte, Messeunterhaltung und digitale Erwachsenenangebote lassen sich wirtschaftlich nicht einfach gleichsetzen. Offen bleibt deshalb, wie stark die Nachfrage derzeit wächst und bei welchen Anbietern sie tatsächlich zu höheren Umsätzen führt.
Quellen und Transparenz
- VENUS Berlin: Veranstalterangaben zu Geschichte, Ausstellern und jährlichen Besuchern. Keine abgeschlossene Besucherbilanz für 2026.
- VENUS-Fachbesucherinformationen: Veranstalterdarstellung der Geschäftsfelder und des Fachbereichs.
- Amorelie-Sexreport 2026: kommerziell beauftragte Onlinebefragung mit Trend Research; laut Herausgeber repräsentativ, 2.108 Befragte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Seite beschreibt außerdem eine größere internationale Gesamtbefragung. Der genaue Erhebungszeitraum wird dort nicht genannt.
- EQOM-Unternehmensprofil: Selbstauskunft zu Ländern, Eigenmarken und Sortiment.
Der Beitrag beruht auf veröffentlichten Quellen, nicht auf einem eigenen Messebesuch. Die Angaben belegen keinen Umsatzrekord der gesamten Erotikbranche.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite. Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert