Wer blockiert die Abschaffung der Zeitumstellung?

Wer blockiert die Abschaffung der Zeitumstellung?
In der Nacht zum 25. Oktober werden die Uhren in Deutschland von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Die EU hat die Abschaffung des halbjährlichen Wechsels bislang nicht beschlossen. © Presse.Online

Heute Nacht werden die Uhren umgestellt: Warum die EU weiter feststeckt

In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Die EU wollte den Wechsel längst beenden. Doch die Regierungen haben sich nicht geeinigt. Welche Länder Bedenken haben und warum Deutschland weiter umstellen muss.

Stand: 24. Oktober 2026

In der kommenden Nacht gibt es die Stunde zurück, die im Frühjahr verloren ging: Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren in Deutschland um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Dann gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit, umgangssprachlich Winterzeit genannt. Die Abschaffung der halbjährlichen Umstellung lässt weiter auf sich warten. Politisch fest hängt das Vorhaben bei den Mitgliedstaaten im Rat der Europäischen Union.

Dabei gibt es seit acht Jahren einen Vorschlag der EU-Kommission. Das Europäische Parlament unterstützte 2019 ein Ende der Zeitumstellung und wollte den Wechsel bis 2021 abschaffen. Daraus wurde kein geltendes Gesetz. Der damalige Parlamentsbeschluss allein reichte dafür nicht aus.

Wer blockiert die Abschaffung der Zeitumstellung?

Die Verantwortung für den Stillstand liegt bei den nationalen Regierungen, die im Rat der EU einen gemeinsamen Standpunkt finden müssen. Der Rat hat seine Position bislang nicht festgelegt. Anschließend müssten sich Rat und Europäisches Parlament über die endgültige Regelung verständigen.

Ein einzelnes Land als alleinigen Blockierer zu nennen, wäre deshalb irreführend. Für den erforderlichen Standpunkt im Rat ist eine qualifizierte Mehrheit nötig. Einstimmigkeit ist nicht vorgeschrieben; eine einzelne Regierung besitzt hier kein Vetorecht.

Der Streit betrifft vor allem die Frage, welche Uhrzeit nach einer Abschaffung dauerhaft gelten soll. Der Kommissionsvorschlag überlässt diese Entscheidung den Mitgliedstaaten. Damit entsteht ein Abstimmungsproblem: Wählen Nachbarländer unterschiedliche Lösungen, könnten neue Zeitunterschiede an ihren Grenzen entstehen.

Für grenzüberschreitende Fahrpläne, Unternehmen und Pendler hätte das praktische Folgen. Die Kommission will deshalb verhindern, dass aus der Abschaffung ein Flickenteppich nationaler Zeitregelungen wird.

Welches Land ist gegen die Zeitumstellung?

Finnland gehört zu den Befürwortern einer Abschaffung. Das finnische Verkehrs- und Kommunikationsministerium bekräftigte diese Position am 21. Oktober 2026 ausdrücklich. Zugleich erklärte es, dass noch nicht alle EU-Staaten Stellung bezogen hätten.

Wer dagegen nach einem Land fragt, das sich gegen die Abschaffung ausgesprochen hat, findet ein dokumentiertes Beispiel in Irland. Die irische Regierung kündigte 2019 an, den damaligen EU-Vorschlag abzulehnen. Ihr zentraler Einwand: Auf der Insel könnten zeitweise unterschiedliche Uhrzeiten gelten, wenn die Republik Irland den Wechsel beendet und das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland daran festhält.

Diese Erklärung belegt die damalige irische Position. Sie beweist weder, dass Irland heute allein die Entscheidung verhindert, noch liefert sie eine vollständige Übersicht der aktuellen Positionen aller Regierungen.

Warum wird in Deutschland immer noch die Uhr umgestellt?

Weil die bestehende europäische Sommerzeitregelung weiterhin gilt. Sie legt den Wechsel zur Sommerzeit am letzten Sonntag im März und die Rückkehr zur Normalzeit am letzten Sonntag im Oktober fest.

Deutschland kann die Umstellung unter dieser Richtlinie nicht einfach durch einen nationalen Beschluss aussetzen. Darauf weist auch das finnische Verkehrsministerium für sämtliche Mitgliedstaaten hin: Solange die Richtlinie in Kraft ist, bleiben die Staaten an die gemeinsame Regelung gebunden.

Die politische Zustimmung zur Abschaffung ersetzt also nicht die notwendige Gesetzesänderung.

Warum wird die Zeitumstellung nicht endlich abgeschafft?

Die Regierungen haben sich weder auf einen gemeinsamen Weg noch auf die Abstimmung der künftigen Zeitregelungen verständigt. Auch ein neuer verbindlicher Abschaffungstermin fehlt.

Dabei gab es zuletzt einen weiteren Anlauf. Nach einem Dokument des Ratssekretariats schlug die polnische Ratspräsidentschaft 2025 einen zweijährigen EU-weiten Versuch mit dauerhafter Sommerzeit vor. Delegationen der Mitgliedstaaten verlangten zusätzliche Untersuchungen.

Im Februar 2026 startete deshalb im Auftrag der Europäischen Kommission eine Folgenstudie. Sie soll unter anderem Auswirkungen auf den Binnenmarkt, Verkehr, Energieverbrauch und die öffentliche Gesundheit untersuchen. Auch mögliche neue Zeitgrenzen zwischen Nachbarstaaten werden betrachtet. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.

Ein Abschaffungsbeschluss ist diese Untersuchung nicht. Sie soll die Grundlage für weitere politische Beratungen liefern.

Was wurde aus der EU-Befragung?

Bei der öffentlichen Online-Konsultation der EU-Kommission 2018 gingen rund 4,6 Millionen Antworten ein. 84 Prozent der Teilnehmenden befürworteten ein Ende der halbjährlichen Zeitumstellung.

Das war keine bindende Volksabstimmung und keine repräsentative Befragung der EU-Bevölkerung. Der Europäische Rechnungshof kritisierte später, dass die Zusammensetzung der Teilnehmenden bei der Interpretation stärker hätte berücksichtigt werden müssen.

Für die kommende Nacht bleibt es bei der bisherigen Regelung: Die Uhr springt von 3 auf 2 Uhr zurück. Mit der Normalzeit liegt Deutschland wieder eine Stunde vor der koordinierten Weltzeit UTC.

Quellen und Transparenz

  • Physikalisch-Technische Bundesanstalt: „Wann beginnt und endet die Sommerzeit in Deutschland?“ Amtliche Fachinformation zu Termin und Ablauf der Umstellung. Zur Quelle. ptb.de
  • Rat der Europäischen Union: „Jahreszeitlich bedingte Zeitumstellung in der EU“, archivierter Informationsstand vom 20. August 2026. Primärquelle zum Gesetzgebungsverfahren und zur erforderlichen Mehrheit. Zur Quelle. Consilium
  • Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland: „Zeitumstellung“, abgerufen am 24. Oktober 2026. Institutionelle Information zum Vorschlag und zum nächsten Umstellungstermin. Zur Quelle. Europäische Kommission
  • Finnisches Verkehrs- und Kommunikationsministerium: „Clocks go back on Sunday 25 October“, 21. Oktober 2026, englische Fassung vom 22. Oktober. Aktuelle Regierungsmitteilung zur finnischen Position, geltenden Rechtslage und Studie. Zur Quelle. Finnish Government
  • Irisches Justizministerium: „Ireland to oppose ending of seasonal clock changes“, 17. Juli 2019, zuletzt aktualisiert am 4. August 2021. Historische Regierungsposition; kein Beleg für eine alleinige aktuelle Blockade Irlands. Zur Quelle. gov.ie
  • Generalsekretariat des Rates: Dokument 10045/26, „Ongoing study on discontinuing seasonal time changes“, 3. Juni 2026. Amtlicher Vermerk zum polnischen Vorstoß und zur laufenden Folgenstudie. Zum Dokument. data.consilium.europa.eu
  • Europäische Kommission: Ergebnisse der Sommerzeit-Konsultation, 31. August 2018. Zur Quelle. Europäischer Rechnungshof: Sonderbericht 14/2019 zur Bürgerbeteiligung, Einordnung der fehlenden Repräsentativität. Zum Bericht.

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