Airbus und Dassault bauen getrennte Kampfjets
Deutschland und Frankreich beenden gemeinsamen FCAS-Kampfjet
Deutschland und Frankreich beenden offenbar die gemeinsame Entwicklung eines neuen europäischen Kampfflugzeugs unter Führung von Airbus und Dassault. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron konnten den jahrelangen Industrie- und Führungsstreit nicht mehr lösen.
Damit scheitert der zentrale Bestandteil des Future Combat Air System, kurz FCAS. Das gesamte Programm ist jedoch nicht zwangsläufig beendet: Deutschland, Frankreich und Spanien könnten bei Begleitdrohnen, Sensoren und der sogenannten Combat Cloud weiter zusammenarbeiten.
Airbus und Dassault finden keine gemeinsame Linie
Nach übereinstimmenden Medienberichten räumten Merz und Macron ein, dass eine Verständigung zwischen den beteiligten Unternehmen nicht mehr erreichbar sei. Der Kanzler soll Macron mitgeteilt haben, dass die Zusammenarbeit von Airbus und Dassault beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht fortgesetzt werde.
Offizielle Erklärungen der Bundesregierung und des französischen Präsidialamts lagen zunächst nicht vor. Damit beruhen zentrale Einzelheiten der Entscheidung bislang auf Informationen aus Regierungs- und Industriekreisen.
Kern des Konflikts war die Verteilung von Verantwortung, Entwicklungsarbeit und geistigem Eigentum. Der französische Hersteller Dassault Aviation beanspruchte die Führung bei der Entwicklung des sogenannten Next Generation Fighter. Airbus vertrat dagegen die Interessen der deutschen und spanischen Industrie und wollte eine gleichwertige Beteiligung sicherstellen.
Eine von Merz und Macron im März vereinbarte Vermittlung zwischen den Unternehmen brachte keinen Durchbruch. Noch Ende April hatte Macron erklärt, das Projekt sei nicht gescheitert. Die Verteidigungsministerien sollten damals weitere Lösungsmöglichkeiten prüfen.
Gemeinsamer Jet endet andere FCAS-Teile bleiben
FCAS ist mehr als ein einzelnes Flugzeug. Das ursprünglich 2017 von Deutschland und Frankreich gestartete Vorhaben umfasst ein vernetztes Luftkampfsystem aus einem bemannten Kampfjet, unbemannten Begleitflugzeugen, Sensoren, Satellitenverbindungen und einer digitalen Führungsplattform.
Der neue Jet sollte langfristig den Eurofighter in Deutschland und die Rafale in Frankreich ergänzen oder ersetzen. Als Einsatzzeitraum war bislang die Zeit ab etwa 2040 vorgesehen.
Nach dem nun bekannt gewordenen Kurswechsel soll vor allem die gemeinsame Entwicklung des Kampfflugzeugs enden. Deutschland hat demnach vorgeschlagen, die Zusammenarbeit bei Drohnen und der Combat Cloud fortzuführen. Diese digitale Plattform soll Daten verschiedener Flugzeuge, Sensoren und unbemannter Systeme in Echtzeit zusammenführen.
Ob Frankreich und Spanien diesem verkleinerten Modell zustimmen, war zunächst offen. Auch die genaue Finanzierung und die künftige industrielle Aufgabenverteilung müssen neu verhandelt werden.
Deutschland und Frankreich könnten eigene Jets bauen
Für den bemannten Teil des Programms zeichnet sich eine Trennung ab. Frankreich könnte Dassault mit der Entwicklung eines eigenen Nachfolgers für die Rafale beauftragen. Deutschland könnte zusammen mit Spanien eine von Airbus geführte Lösung verfolgen.
Als möglicher Partner wird dabei auch der schwedische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Saab genannt. Eine Vereinbarung über eine solche Kooperation ist bislang jedoch nicht bekannt. Airbus prüfte zuletzt zudem Kontakte zu Unternehmen, die am britisch-italienisch-japanischen Kampfjetprojekt GCAP beteiligt sind.
Damit entstehen in Europa möglicherweise mehrere konkurrierende Kampfflugzeugprogramme. Neben einer deutschen und einer französischen Entwicklung arbeitet das GCAP-Bündnis bereits an einem eigenen Kampfflugzeug der nächsten Generation.
Für Europas Verteidigungsindustrie wäre diese Aufteilung kostspielig. Zugleich könnten getrennte Projekte nationale militärische Anforderungen besser berücksichtigen. Frankreich benötigt unter anderem ein Flugzeug, das perspektivisch auch Aufgaben der nuklearen Abschreckung übernehmen kann. Deutschland verfolgt andere Einsatzanforderungen.
Entscheidung überschattet Europas Rüstungskooperation
Das Ende des gemeinsamen Jets trifft eines der sichtbarsten deutsch-französischen Industrieprojekte. FCAS sollte zeigen, dass Europa große und technologisch anspruchsvolle Rüstungsprogramme gemeinsam entwickeln kann.
Die Auseinandersetzung macht jedoch deutlich, wie schwer sich nationale Interessen, militärische Anforderungen und industrielle Führungsansprüche miteinander verbinden lassen. Bereits das europäische Eurofighter-Programm war von komplizierten Entscheidungsstrukturen geprägt. Frankreich hatte sich damals für die eigenständige Entwicklung der Rafale entschieden.
Die neue Weichenstellung fällt unmittelbar vor der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin. Dort dürften Bundesregierung, Industrie und Bundeswehr näher erläutern, welchen Weg Deutschland bei der nächsten Generation militärischer Flugzeuge einschlagen will.
Offen bleibt vor allem, welche Unternehmen beteiligt werden, welche Rolle Spanien übernimmt und wie viel der bisherigen FCAS-Arbeit weiter genutzt werden kann. Ebenso ungeklärt ist, welche zusätzlichen Kosten durch getrennte Kampfjetentwicklungen entstehen.
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FAQ
Ist das gesamte FCAS-Projekt beendet?
Nein. Nach den bisherigen Berichten endet zunächst die gemeinsame Entwicklung des bemannten Kampfflugzeugs durch Airbus und Dassault. Drohnen, Sensorik und die digitale Combat Cloud könnten weiterhin gemeinsam entwickelt werden.
Warum ist der deutsch-französische Kampfjet gescheitert?
Airbus und Dassault konnten sich vor allem bei der Führungsrolle, der Aufgabenverteilung und dem Umgang mit Technologien und geistigem Eigentum nicht einigen. Auch eine politische Vermittlung zwischen Deutschland und Frankreich brachte keinen Durchbruch.
Was soll den Eurofighter künftig ersetzen?
Eine endgültige deutsche Entscheidung ist noch nicht bekannt. Möglich ist eine von Airbus geführte Entwicklung mit Spanien und weiteren Partnern. Auch eine Annäherung an andere europäische Kampfjetprogramme wird diskutiert.
Welche Rolle könnte Saab übernehmen?
Der schwedische Hersteller Saab gilt als möglicher Partner für eine neue deutsche oder deutsch-spanische Lösung. Eine verbindliche Vereinbarung wurde bislang jedoch nicht öffentlich bestätigt.
Wie teuer ist FCAS?
In Medienberichten wird für das gesamte FCAS-Vorhaben häufig eine Größenordnung von rund 100 Milliarden Euro genannt. Dabei handelt es sich nicht um bereits vollständig ausgegebenes Geld, sondern um eine Schätzung für Entwicklung und Beschaffung über mehrere Jahrzehnte.
Quellen
- Reuters, 8. Juni 2026: Berichte über das Scheitern der gemeinsamen Kampfjetentwicklung sowie eine mögliche Fortsetzung von Drohnen und Combat Cloud: Sekundärquelle mit Informationen aus Regierungskreisen
- Financial Times, 8. Juni 2026: Deutschlands Rückzug aus der gemeinsamen Entwicklung des zentralen FCAS-Kampfjets: Sekundärquelle
- Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 22. April 2026: Stand der von Merz und Macron vereinbarten industriellen Vermittlung: Primärquelle
- Bundesregierung, Pressekonferenz nach dem informellen Europäischen Rat vom 24. April 2026: Weitere Beratungen der Verteidigungsministerien: Primärquelle
- Airbus, FCAS-Projektbeschreibung: Aufbau des vernetzten Luftkampfsystems und angestrebter Zeithorizont: Unternehmensquelle
- Dassault Aviation, Unternehmensunterlagen 2026: Fortbestehende Unsicherheit über die Zukunft des FCAS-Programms: Unternehmensquelle