Stromausfall trifft 30.000 Menschen
Stromausfall in Reutlingen: Ermittler prüfen möglichen Anschlag
Ein Brand im Umspannwerk Reutlingen-West hat in der Nacht zum Montag weite Teile Reutlingens und mehrere Nachbargemeinden von der Stromversorgung abgeschnitten. Am Vormittag waren noch etwa 7.600 Haushalte mit rund 30.000 Menschen betroffen.
Die Polizei und Spezialisten des Landeskriminalamts Baden-Württemberg untersuchen den Brandort. Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW wurden drei voneinander getrennte Brandstellen sowie Beschädigungen am Zaun und auf dem Gelände entdeckt. Die Ermittler prüfen deshalb neben einem technischen Defekt auch eine vorsätzliche Brandlegung.
Feuer bricht mitten in der Nacht aus
Der Stromausfall begann gegen 1.43 Uhr. Wenige Minuten später wurde der Brand im Umspannwerk an der Markwiesenstraße im Reutlinger Stadtteil Betzingen gemeldet. Zwei Transformatoren standen nach Angaben der Einsatzkräfte in Flammen. Gegen 5 Uhr war das Feuer gelöscht.
Zunächst waren rund 20.000 Kunden der FairNetz GmbH ohne Strom. Betroffen waren unter anderem die Reutlinger Kernstadt, die Oststadt, Betzingen, Ohmenhausen und das Industriegebiet Mark West sowie die Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt.
Die Kernstadt konnte bereits am frühen Morgen schrittweise wieder versorgt werden. Am Montagnachmittag meldete die Stadt, dass auch Betzingen und Ohmenhausen wieder Strom hätten. Wannweil und Kirchentellinsfurt sollten nach der damaligen Planung gegen 19 oder 20 Uhr wieder ans Netz gehen. Eine belastbare Prognose für sämtliche Anschlüsse lag zunächst nicht vor.
Ermittler untersuchen mögliche Parallelen zu Berlin
Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Vorgehensweise könne auf einen politisch motivierten Anschlag hindeuten. Geprüft würden dabei auch Ähnlichkeiten mit Angriffen auf die Stromversorgung in Berlin. Eine offizielle Bestätigung für einen linksextremistischen Hintergrund gab es zunächst jedoch nicht.
Die Polizei betonte, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Auch ein technischer Defekt oder eine andere Form der Brandverursachung seien Gegenstand der Untersuchungen. Ein Bekennerschreiben lag am Montagnachmittag nicht vor.
Am 3. Januar 2026 hatten Unbekannte mehrere Hoch- und Mittelspannungskabel auf einer Kabelbrücke am Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde in Brand gesetzt. Zeitweise waren dort 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom. Zu der Tat erschien ein Bekennerschreiben im Namen einer sogenannten Vulkangruppe. Die Generalbundesanwaltschaft übernahm später die Ermittlungen.
Ob zwischen den Taten in Berlin und dem Brand in Reutlingen ein organisatorischer oder personeller Zusammenhang besteht, ist bislang offen. Ähnlichkeiten beim Vorgehen allein sind kein Beleg für dieselben Täter.
Klinikum arbeitet zeitweise mit Notstrom
Der Ausfall traf auch kritische Infrastruktur. Das Reutlinger Kreisklinikum wechselte auf seine Notstromversorgung und musste nach Angaben aus dem Krisenstab zehn geplante Operationen verschieben. Eine Gefahr für Patienten habe nicht bestanden. Senioren- und Pflegeeinrichtungen bereiteten sich ebenfalls auf eine längere Unterbrechung vor.
Teilweise fielen Ampelanlagen aus. Polizei und Einsatzkräfte regelten an betroffenen Kreuzungen den Verkehr. Auch Mobilfunk, Telefon und Internet funktionierten zeitweise nur eingeschränkt.
Mehr als 50 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser-Hilfsdienstes wurden mobilisiert. Die Behörden bereiteten zudem Notfalltreffpunkte vor, an denen Betroffene unter anderem Mobiltelefone laden oder Babynahrung erwärmen konnten.
Supermärkte müssen Kühlwaren entsorgen
Für Geschäfte hatte der lang anhaltende Stromausfall unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Ein Supermarkt in Wannweil bereitete die Entsorgung von Milch, Käse, Joghurt und anderen kühlpflichtigen Waren vor. Auch bei Tiefkühlprodukten drohten Verluste, sofern die Kühlkette nicht aufrechterhalten werden konnte.
Der Mitarbeiter eines betroffenen Marktes bezifferte den erwarteten Schaden allein für seinen Betrieb auf mehrere Tausend Euro. Lieferungen für den folgenden Tag seien abgesagt worden. Auch private Haushalte mussten damit rechnen, Lebensmittel aus nicht ausreichend gekühlten Kühlschränken und Gefriergeräten zu verlieren.
Aquarienbesitzer berichteten ebenfalls über Probleme, weil Umwälzpumpen, Filter und Heizungen ohne eine Notstromversorgung nicht arbeiteten.
Der unmittelbare Schaden an der Strominfrastruktur wird nach ersten Informationen auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Wie lange Reparaturen am Umspannwerk dauern und welche Teile der Anlage ersetzt werden müssen, war zunächst unklar.
Entscheidend für die weiteren Ermittlungen ist nun die kriminaltechnische Auswertung des Brandorts. Erst sie kann zeigen, wie die einzelnen Feuer entstanden, ob Brandbeschleuniger verwendet wurden und ob sich Spuren möglichen Tätern zuordnen lassen.
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FAQ
Was hat den Stromausfall in Reutlingen verursacht?
Auslöser war ein Brand im Umspannwerk Reutlingen-West. Der Netzbetreiber meldete drei Brandstellen sowie Schäden am Zaun und auf dem Gelände. Ob es sich tatsächlich um Brandstiftung handelte, müssen die Ermittlungen klären.
Wie viele Menschen waren ohne Strom?
Am Vormittag des 8. Juni 2026 waren nach Angaben der Stadt noch rund 7.600 Haushalte mit etwa 30.000 Menschen betroffen. Insgesamt waren zu Beginn ungefähr 20.000 Kundenanschlüsse ausgefallen.
Gibt es eine Verbindung zum Anschlag in Berlin?
Ermittler und Sicherheitsbehörden prüfen mögliche Parallelen zu Angriffen auf das Berliner Stromnetz. Ein konkreter organisatorischer oder personeller Zusammenhang ist bislang jedoch nicht nachgewiesen.
Welche Orte waren vom Stromausfall betroffen?
Betroffen waren Teile der Reutlinger Kernstadt, die Oststadt, Betzingen, Ohmenhausen und das Industriegebiet Mark West. Auch in Wannweil und Kirchentellinsfurt fiel der Strom aus.
Wann haben alle Haushalte wieder Strom?
Am Montagnachmittag waren mehrere Reutlinger Stadtteile bereits wieder versorgt. Für Wannweil und Kirchentellinsfurt wurde die Wiederherstellung am Abend erwartet. Der Zeitplan konnte sich wegen der technischen Schäden und der laufenden Ermittlungen jedoch ändern.
Quellen
- Stadt Reutlingen: Aktuelle Mitteilungen zum Stromausfall und zur schrittweisen Wiederherstellung der Versorgung, 8. Juni 2026: Primärquelle
- Polizei beziehungsweise Landeskriminalamt Baden-Württemberg: Angaben zu den laufenden Ermittlungen und zur Untersuchung des Brandorts: Primärquelle
- Netze BW und FairNetz: Angaben zu drei Brandstellen, Schäden an der Anlage und betroffenen Anschlüssen: Primärquellen
- SWR/Tagesschau: „Stromausfall in Reutlingen: Verdacht auf Anschlag“, aktualisiert am 8. Juni 2026: Sekundärquelle
- Deutsche Presse-Agentur: Berichte über Einsatzfolgen, Lebensmittelverluste und die vorläufige Schadenshöhe, 8. Juni 2026: Sekundärquelle
- Senatsverwaltung Berlin und Stromnetz Berlin: Angaben zum Brandanschlag in Lichterfelde vom 3. Januar 2026: Primärquellen