Mauritius weist Trumps Inselplan zurück
USA erwägen Kauf der Chagos-Inseln, Mauritius widerspricht
Die US-Regierung erwägt offenbar, die strategisch bedeutenden Chagos-Inseln im Indischen Ozean von Mauritius zu kaufen. Nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Telegraph“ gehört ein direkter Erwerb des Archipels zu mehreren Optionen, die derzeit im Weißen Haus geprüft werden.
Ein beschlossenes Vorhaben oder ein offizielles Kaufangebot gibt es bislang jedoch nicht. Die Regierung von Mauritius erklärte am Montag, sie sei von der Trump-Regierung weder direkt noch indirekt wegen eines gesonderten Abkommens über Diego Garcia oder die Chagos-Inseln angesprochen worden.
Mauritius stellte zugleich klar, dass die beanspruchte Souveränität über den Archipel nicht zur Verhandlung stehe. Damit trifft der mögliche amerikanische Vorstoß bereits vor offiziellen Gesprächen auf erheblichen Widerstand.
Militärbasis Diego Garcia steht im Zentrum der Pläne
Im Mittelpunkt des Konflikts steht Diego Garcia, die größte und militärisch wichtigste Insel des Archipels. Großbritannien und die USA betreiben dort seit Jahrzehnten eine gemeinsame Militärbasis mit Flugplatz, Hafenanlagen sowie Kommunikations- und Aufklärungseinrichtungen.
Die abgelegene Lage im zentralen Indischen Ozean macht Diego Garcia zu einem bedeutenden Stützpunkt für Einsätze und militärische Operationen im Nahen Osten, in Ostafrika und in Teilen Asiens. Für Washington gilt die Basis deshalb als wichtiger regionaler Sicherheitsanker.
Laut „Telegraph“ prüfen amerikanische Regierungsvertreter einen Plan, bei dem Washington Großbritannien umgehen und unmittelbar mit Mauritius verhandeln könnte. Voraussetzung für einen solchen Schritt wäre allerdings, dass Mauritius zunächst tatsächlich die staatliche Hoheit über den Archipel erhält.
Derzeit stehen die Inseln weiterhin unter britischer Verwaltung. Ein möglicher amerikanischer Kauf wäre daher nicht nur politisch umstritten, sondern auch von mehreren völkerrechtlichen und parlamentarischen Entscheidungen abhängig.
Großbritanniens Übergabevertrag liegt auf Eis
Großbritannien und Mauritius hatten am 22. Mai 2025 einen Vertrag über die Zukunft des Chagos-Archipels unterzeichnet. Danach soll Mauritius die Souveränität über sämtliche Inseln einschließlich Diego Garcia erhalten.
Gleichzeitig soll Großbritannien auf Diego Garcia für zunächst 99 Jahre weitreichende Rechte behalten, damit die britisch-amerikanische Militärbasis ohne Unterbrechung weiterbetrieben werden kann. Die Vereinbarung sieht zudem die Möglichkeit einer Verlängerung vor.
London bezifferte die durchschnittlichen jährlichen Zahlungen an Mauritius zu Preisen des Haushaltsjahres 2025/2026 auf rund 101 Millionen Pfund. Der finanzielle Gegenwartswert des Gesamtpakets wurde von der britischen Regierung mit etwa 3,4 Milliarden Pfund angegeben. Diese Summe ist nicht mit einer einfachen Addition aller jährlichen Zahlungen gleichzusetzen.
Die Vereinbarung ist noch nicht vollständig umgesetzt. Großbritannien legte die dafür erforderliche Gesetzgebung im April 2026 vorerst auf Eis, nachdem die USA ihre Unterstützung zurückgezogen hatten. Die britische Regierung erklärte, sie wolle den Vertrag erst weiterverfolgen, wenn Washington formell zustimme.
Trump änderte seine Haltung zum Chagos-Abkommen
Die US-Regierung hatte das Abkommen zwischen London und Mauritius im Mai 2025 zunächst öffentlich begrüßt. Auch Trump hatte den britischen Plänen vorübergehend zugestimmt.
Später änderte der US-Präsident seine Haltung. Im Januar und Februar 2026 kritisierte er die geplante Übergabe und bezeichnete sie als großen Fehler. Nach Darstellung eines amerikanischen Regierungsvertreters vertritt Trump die Position, dass Großbritannien das strategisch wichtige Gebiet nicht aufgeben dürfe.
Der nun bekannt gewordene Kaufgedanke wäre damit eine weitere Wendung: Statt die Übergabe an Mauritius vollständig zu verhindern, könnten die USA nach dem Bericht versuchen, nach einer Souveränitätsübertragung selbst ein Abkommen mit dem Inselstaat zu schließen.
Ob dieser Ansatz tatsächlich zu offiziellen Verhandlungen führt, ist offen. Weder das Weiße Haus noch Mauritius haben einen konkreten Kaufpreis, einen Zeitplan oder einen ausgearbeiteten Vertragsentwurf bestätigt.
Kolonialgeschichte und Vertreibung belasten den Konflikt
Die Auseinandersetzung um die Inseln ist nicht nur eine strategische Machtfrage. Der Chagos-Archipel wurde bis 1965 als Teil der damaligen britischen Kolonie Mauritius verwaltet. Drei Jahre vor der Unabhängigkeit von Mauritius trennte London die Inselgruppe jedoch ab und schuf das sogenannte Britische Territorium im Indischen Ozean.
Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wurden bis zu 2.000 Chagossianer von den Inseln vertrieben. Damit sollte unter anderem der Aufbau des Militärstützpunkts auf Diego Garcia ermöglicht werden. Viele Betroffene und ihre Nachkommen leben heute in Mauritius, auf den Seychellen oder in Großbritannien.
Der Internationale Gerichtshof kam 2019 in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Entkolonialisierung von Mauritius wegen der Abtrennung des Archipels nicht rechtmäßig abgeschlossen worden sei. Die UN-Generalversammlung forderte Großbritannien anschließend auf, seine Verwaltung der Inseln zu beenden.
Die Rechte der vertriebenen Chagossianer bleiben dennoch ein zentraler Streitpunkt. Vertreter der Gemeinschaft kritisieren, dass ihre Interessen bei den Verhandlungen zwischen Großbritannien und Mauritius nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
Ein Kauf ist derzeit nur eine politische Option
Der Vergleich mit Trumps Forderungen nach einer amerikanischen Kontrolle Grönlands liegt nahe: In beiden Fällen begründet der US-Präsident sein Interesse mit strategischen und sicherheitspolitischen Erwägungen.
Die Ausgangslage ist jedoch unterschiedlich. Grönland ist ein weitgehend autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Bei den Chagos-Inseln besteht dagegen seit Jahrzehnten ein internationaler Konflikt über die Folgen der britischen Kolonialherrschaft und die Souveränitätsrechte von Mauritius.
Fest steht bislang lediglich, dass die amerikanische Regierung nach dem „Telegraph“-Bericht verschiedene Alternativen für Diego Garcia prüft. Ein förmliches Angebot liegt nicht vor. Mauritius lehnt eine Verhandlung über seine Souveränität ausdrücklich ab.
Damit bleibt Trumps möglicher Inselkauf vorerst ein politisches Planspiel mit erheblichem Konfliktpotenzial für die Beziehungen zwischen Washington, London und Port Louis.
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FAQ
Wollen die USA die Chagos-Inseln tatsächlich kaufen?
Nach einem Bericht des „Telegraph“ wird ein Kauf im Weißen Haus als eine von mehreren Möglichkeiten geprüft. Ein offizielles Kaufangebot oder ein beschlossenes Abkommen existiert bislang nicht.
Wem gehören die Chagos-Inseln derzeit?
Die Inseln werden weiterhin von Großbritannien als Britisches Territorium im Indischen Ozean verwaltet. Ein 2025 unterzeichneter Vertrag sieht die Übertragung der Souveränität an Mauritius vor, ist aber noch nicht vollständig umgesetzt.
Warum ist Diego Garcia für die USA so wichtig?
Auf Diego Garcia befindet sich eine gemeinsame Militärbasis der USA und Großbritanniens. Durch ihre Lage im Indischen Ozean ist sie für militärische Operationen, Aufklärung und Logistik im Nahen Osten, in Afrika und in Asien von großer Bedeutung.
Kann Mauritius die Chagos-Inseln an die USA verkaufen?
Ein Verkauf wäre erst denkbar, wenn Mauritius die Souveränität tatsächlich übernommen hätte und einem solchen Geschäft zustimmen würde. Die Regierung in Port Louis erklärte jedoch, ihre Souveränität über den Archipel sei nicht verhandelbar.
Was geschah mit den Bewohnern der Chagos-Inseln?
Bis zu 2.000 Chagossianer wurden Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre von den Inseln vertrieben. Die Umsiedlung stand im Zusammenhang mit dem Aufbau der Militärbasis auf Diego Garcia.
Quellen
- Reuters, 7. Juni 2026: Bericht über die angeblichen amerikanischen Überlegungen zum Kauf der Chagos-Inseln; Sekundärquelle auf Grundlage des „Telegraph“-Berichts.
- Reuters, 8. Juni 2026: Stellungnahme der Regierung von Mauritius, wonach kein offizielles amerikanisches Angebot vorliegt; Sekundärquelle mit offizieller Regierungserklärung.
- Britisches Außenministerium, 22. Mai 2025: Vertrag zwischen Großbritannien und Mauritius über den Chagos-Archipel einschließlich Diego Garcia; Primärquelle.
- Britische Regierung, 22. Mai 2025: Angaben zur 99-jährigen Nutzung der Militärbasis und zur finanziellen Ausgestaltung; Primärquelle.
- Internationaler Gerichtshof, 25. Februar 2019: Gutachten zu den rechtlichen Folgen der Abtrennung des Chagos-Archipels von Mauritius; Primärquelle.
- UN-Generalversammlung, Resolution 73/295 vom 22. Mai 2019: Aufforderung zur Beendigung der britischen Verwaltung; Primärquelle.