Nextmove will sich aus der Insolvenz retten

Nextmove will sich aus der Insolvenz retten
Systembild: Die E-Auto-Nachfrage wächst. Ein bekannter Spezialvermieter gerät trotzdem in die Insolvenz. © Presse.Online

E-Auto-Vermieter Nextmove ist insolvent, Betrieb läuft weiter

Der Elektroauto-Vermieter Nextmove ist insolvent. Das Amtsgericht Erfurt eröffnete am 1. Juni 2026 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Geschäftsbetrieb soll während der geplanten Sanierung fortgeführt werden.

Das Unternehmen mit Sitz im thüringischen Arnstadt gehört nach eigenen Angaben mit rund 400 Fahrzeugen zu den größten spezialisierten Elektroauto-Vermietern Deutschlands. Nextmove bietet Kurz- und Langzeitmieten sowie Fahrzeugabonnements für elektrische Pkw und Transporter an.

Geschäftsführung soll Nextmove selbst sanieren

Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensleitung grundsätzlich im Amt und übernimmt die Restrukturierung weitgehend selbst. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren geht die Kontrolle des Unternehmens damit nicht vollständig auf einen Insolvenzverwalter über.

Das Gericht hat Rechtsanwalt Marlon Foit zum Sachwalter bestellt. Seine Aufgabe ist es, die wirtschaftliche Lage sowie die Maßnahmen der Geschäftsführung zu kontrollieren und die Interessen der Gläubiger zu überwachen.

Nach Angaben des Branchenportals electrive war Nextmove bereits seit dem 7. April 2026 als insolventes Unternehmen aktenkundig. Die Zahlungsschwierigkeiten sollen im ersten Quartal 2026 sichtbar geworden sein. Mit der Verfahrenseröffnung Anfang Juni beginnt nun die eigentliche Sanierungsphase.

Die Geschäftsführung liegt seit Anfang 2026 bei Silvia Berger. Die bisherigen Geschäftsführer Frank Bollenbach und Stefan Moeller waren im Februar aus der Leitung ausgeschieden.

Elektro-Transporter belasteten das Vermietgeschäft

Als wesentlichen Grund für die wirtschaftliche Schieflage nennt der Verfahrensbevollmächtigte Folker Hochmuth eine zu starke Ausrichtung des Vermietgeschäfts auf elektrische Transporter. Nextmove hatte sein Angebot in diesem Segment in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.

Die Nachfrage und die wirtschaftliche Auslastung der Transporter entwickelten sich offenbar nicht wie erwartet. Nähere Angaben zur Höhe der Verluste, zu den Verbindlichkeiten oder zur Zahl der Gläubiger wurden bislang nicht veröffentlicht.

Im Zuge der Sanierung soll die Fahrzeugflotte neu ausgerichtet werden. Nextmove will sich künftig wieder stärker auf die Vermietung elektrischer Pkw konzentrieren. Darüber hinaus prüft das Unternehmen Veränderungen im Standortnetz und sucht nach neuen Kooperationspartnern.

Ob Fahrzeuge verkauft, Niederlassungen geschlossen oder Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, ist derzeit noch offen.

Mietbetrieb läuft zunächst weiter

Für Kundinnen und Kunden ergeben sich nach bisherigem Stand keine unmittelbaren Veränderungen. Nextmove erklärt, der Vermietbetrieb werde während des Eigenverwaltungsverfahrens fortgeführt.

Das Unternehmen führt aktuell Standorte beziehungsweise Partnerstationen in Arnstadt, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München, Nürnberg, Sinsheim, Solingen und Stuttgart auf. Einzelne Standorte könnten im Rahmen der Neuaufstellung allerdings überprüft oder verändert werden.

Auch der bekannte Nextmove-YouTube-Kanal soll erhalten bleiben. Der Kanal berichtet regelmäßig über Elektroautos, Ladeinfrastruktur und Entwicklungen auf dem Fahrzeugmarkt und hat dem Unternehmen über die Vermietung hinaus eine hohe Bekanntheit in der Elektromobilitätsbranche verschafft.

THG-Auszahlungen sollen nicht betroffen sein

Nach Angaben von Nextmove sind auch laufende Auszahlungen aus der Treibhausgasminderungsquote, kurz THG-Quote, nicht unmittelbar von der Insolvenz betroffen. Die Abwicklung erfolgt über den Kooperationspartner Carbonify und damit nicht direkt durch die insolvente Nextmove GmbH.

Halter reiner Elektrofahrzeuge können ihre rechnerisch eingesparten CO₂-Emissionen im Rahmen der THG-Quote vermarkten lassen. Anbieter bündeln die entsprechenden Nachweise und verkaufen sie an quotenpflichtige Unternehmen.

Für Kunden bleibt dennoch entscheidend, ob Nextmove die angekündigte Fortführung dauerhaft finanzieren kann. Die Verfahrenseröffnung allein garantiert noch keine erfolgreiche Sanierung. In den kommenden Wochen dürfte sich zeigen, welche Standorte, Fahrzeuge und Geschäftsbereiche Teil des künftigen Unternehmens bleiben.

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FAQ zur Nextmove-Insolvenz

Ist Nextmove insolvent?

Ja. Das Amtsgericht Erfurt hat am 1. Juni 2026 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Nextmove GmbH eröffnet. Das Verfahren läuft in Eigenverwaltung und soll eine Sanierung des Unternehmens ermöglichen.

Kann man bei Nextmove weiterhin ein Elektroauto mieten?

Nach Angaben des Unternehmens wird der Vermietbetrieb zunächst fortgeführt. Kundinnen und Kunden können damit grundsätzlich weiterhin Fahrzeuge buchen. Veränderungen an einzelnen Standorten oder im Fahrzeugangebot sind während der Sanierung jedoch möglich.

Warum ist Nextmove in finanzielle Schwierigkeiten geraten?

Als wesentliche Ursache nennt der Verfahrensbevollmächtigte eine zu starke Konzentration auf die Vermietung elektrischer Transporter. Nextmove will die Flotte deshalb neu ausrichten und künftig wieder stärker auf elektrische Pkw setzen.

Sind Auszahlungen der THG-Quote betroffen?

Laut Nextmove sollen die THG-Auszahlungen weiterlaufen. Sie werden über den Kooperationspartner Carbonify abgewickelt und nicht unmittelbar von Nextmove selbst ausgezahlt.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?

Bei einer Eigenverwaltung führt die bisherige Geschäftsleitung das Unternehmen grundsätzlich weiter und erarbeitet die Sanierung. Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter überwacht den Prozess und kontrolliert, ob die Interessen der Gläubiger gewahrt werden.

Quellen

  • Amtsgericht Erfurt / öffentliche Insolvenzbekanntmachung: Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zum 1. Juni 2026 und Bestellung von Rechtsanwalt Marlon Foit zum Sachwalter: Primärquelle.
  • Nextmove: „Nextnews: Nextmove insolvent“, veröffentlicht im Juni 2026 Angaben zur Fortführung des Unternehmens, zur Sanierung und zu den THG-Auszahlungen: Primärquelle.
  • Electrive: „Nextmove tritt Insolvenz in Eigenverwaltung an“, veröffentlicht am 3. Juni 2026 – Angaben zum Verfahrensbeginn, zur Geschäftsführung und zu den Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage: Sekundärquelle.
  • Unternehmenswebsite von Nextmove: Angaben zu Fahrzeugflotte, Vermietangebot und Standorten: Primärquelle.

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