Fabian-Prozess: Google-Suchen im Fokus

Fabian-Prozess: Google-Suchen im Fokus
Mutter von Fabian (8) aus Güstrow: Zeigt mein Kind offen

Fabian-Prozess: Angeklagte suchte nach Wildschweinen und Leichen

Rostock. Im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian hat sich das Landgericht Rostock am zehnten Verhandlungstag erneut mit dem Mobiltelefon der Angeklagten Gina H. befasst. Ein Kriminalbeamter schilderte, welche Suchanfragen, Sprachmitteilungen und Chatnachrichten die Ermittler auf dem Gerät fanden.

Nach den im Gericht präsentierten Daten suchte die heute 30-Jährige am Morgen des 11. Oktober 2025 bei Google unter anderem danach, ob Wildschweine Menschen beziehungsweise tote Menschen fressen. Fabian war am Vortag verschwunden und nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bereits getötet worden.

Gina H. ist wegen Mordes angeklagt. Sie hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Ermittler schließen fremden Zugriff auf das Handy aus

Der als Zeuge gehörte Kriminalbeamte erklärte nach übereinstimmenden Prozessberichten, die Suchanfragen seien gegen 8 Uhr morgens erfolgt. Zuvor oder im zeitlichen Umfeld soll die Angeklagte auch nach Begriffen wie „Polizei“ und „Polizei News“ gesucht haben.

Nach Angaben des Ermittlers ergab die technische Untersuchung keine Hinweise darauf, dass eine andere Person das Smartphone ferngesteuert oder die Suchanfragen aus der Distanz ausgelöst haben könnte. Die Verteidigung hat jedoch weiterhin die Möglichkeit, die Auswertung, ihre zeitliche Einordnung und ihre Bedeutung im Gesamtverfahren infrage zu stellen.

Die Suchanfragen waren bereits an früheren Verhandlungstagen thematisiert worden. Am Dienstag wurden sie im Zuge der umfassenden Auswertung der digitalen Kommunikation erneut im Gerichtssaal dargestellt.

Auffällig war aus Sicht des Ermittlers zudem eine Veränderung im Kommunikationsverhalten der Angeklagten. Nachdem Fabians Vater ihr am Vormittag des 11. Oktober geschrieben hatte, dass möglicherweise die Polizei zu ihr kommen werde, soll sie mehrfach versucht haben, ihn und weitere Bekannte telefonisch zu erreichen. Zuvor hatte sie überwiegend Sprachnachrichten genutzt.

Chats geben Einblick in angespannte Beziehung

Ein weiterer Schwerpunkt der Beweisaufnahme war die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Eifersucht und der Wunsch nach einer erneuten festen Beziehung eine Rolle bei der mutmaßlichen Tat gespielt haben könnten. Ein abschließender Nachweis für dieses von der Anklage angenommene Motiv steht jedoch aus.

Im Gericht wurden zahlreiche Sprachnachrichten vorgespielt, in denen das Paar über Geld, gegenseitige Erwartungen und den Alltag stritt. Gina H. beklagte demnach ihre finanzielle Abhängigkeit von Matthias R. Gleichzeitig warf sie ihm vor, ihr zu wenig über seinen Tagesablauf zu berichten.

Bereits aus früheren Verhandlungstagen ist bekannt, dass Gina H. und Matthias R. nach ihrer Trennung weiterhin engen Kontakt hielten. Der Vater des Jungen hat vor Gericht erklärt, er halte die Angeklagte für unschuldig. Inzwischen sind beide wieder ein Paar.

Die Nachrichten können Hinweise auf die Beziehung und mögliche Konflikte liefern. Ob sie zugleich Rückschlüsse auf ein Tatmotiv zulassen, gehört zu den zentralen Fragen, die das Gericht im weiteren Verfahren bewerten muss.

Ungeklärte Angaben zu Fabians Bauchschmerzen

Der Vorsitzende Richter ging zudem auf eine Sprachnachricht vom Abend des 10. Oktober ein. Darin erkundigte sich Gina H. bei Fabians Vater, ob zu Hause etwas vorgefallen sei. Später teilte sie einem Bekannten mit, Fabian sei wegen Bauchschmerzen zu Hause geblieben.

Der Richter wollte von dem Ermittler wissen, ob sich diese Information zuvor in der ausgewerteten Kommunikation finde. Der Zeuge verneinte dies. Damit bleibt offen, woher die Angeklagte die Angabe über angebliche Bauchschmerzen hatte oder ob sie diese selbst formulierte.

Auch eine Trauerrede für Fabian war erneut Thema. Nach den Ermittlungsergebnissen ließ Gina H. den Text mithilfe von ChatGPT erstellen und leitete ihn anschließend an Fabians Vater weiter. In einer begleitenden Nachricht soll sie auf ihr vermeintliches Schreibtalent verwiesen haben.

Die Nutzung einer künstlichen Intelligenz zur Formulierung der Rede ist für sich genommen kein Beweis für eine Tatbeteiligung. Im Prozess wird der Vorgang jedoch gemeinsam mit weiteren Nachrichten und dem Verhalten der Angeklagten nach Fabians Verschwinden betrachtet.

Gericht muss Indizien in ihrer Gesamtheit bewerten

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, bei Klein Upahl getötet und seinen Körper anschließend angezündet zu haben. Der Leichnam des Jungen wurde vier Tage später an einem Tümpel entdeckt.

Das Verfahren ist ein Indizienprozess. Eine mutmaßliche Tatwaffe wurde bislang nicht zweifelsfrei festgestellt. Das Gericht muss deshalb digitale Daten, Zeugenaussagen, Bewegungsprofile sowie biologische und kriminaltechnische Spuren in ihrer Gesamtheit prüfen.

Einzelne Google-Suchen oder auffällige Nachrichten reichen allein nicht für eine Verurteilung aus. Entscheidend wird sein, ob die Kammer am Ende eine geschlossene Beweiskette erkennt, die vernünftige Zweifel an der Täterschaft ausschließt.

Der zehnte Verhandlungstag wurde am Dienstag beendet. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.

🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf
X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.

FAQ zum Fabian-Prozess

Was suchte Gina H. nach Fabians Verschwinden bei Google?

Nach den im Prozess präsentierten Handydaten suchte sie am Morgen des 11. Oktober 2025 unter anderem danach, ob Wildschweine Menschen und tote Menschen fressen. Außerdem wurden Suchanfragen mit Bezug zur Polizei thematisiert.

Beweisen die Google-Suchen eine Tatbeteiligung?

Nein. Suchanfragen können ein Indiz darstellen, beweisen allein aber weder eine Tat noch eine Täterschaft. Das Gericht muss sie gemeinsam mit sämtlichen weiteren Beweismitteln bewerten.

Was wird Gina H. von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen?

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet und den Leichnam anschließend angezündet zu haben. Gina H. hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Warum wurde die Trauerrede für Fabian im Prozess erwähnt?

Nach der Handyauswertung wurde die Rede mithilfe von ChatGPT erstellt. Das Gericht befasst sich mit dem Vorgang, weil die Rede und die dazugehörigen Nachrichten Aufschluss über das Verhalten und die Kommunikation der Angeklagten nach Fabians Tod geben könnten.

Wann wird der Prozess fortgesetzt?

Nach dem Ende des zehnten Verhandlungstages soll die Beweisaufnahme am Freitag fortgesetzt werden. Ein Urteil ist bislang nicht gefallen.

Quellen

  • Landgericht Rostock: Öffentliche Beweisaufnahme im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian, zehnter Verhandlungstag vom 9. Juni 2026: Primärgeschehen.
  • Deutsche Presse-Agentur: Bericht zur Auswertung des Smartphones und weiterer digitaler Spuren im Fabian-Prozess, 9. Juni 2026: Sekundärquelle.
  • NDR Mecklenburg-Vorpommern: Laufende Berichterstattung über Anklage, Beweisaufnahme und Aussagen von Fabians Vater: Sekundärquelle.
  • stern: Live-Bericht vom zehnten Verhandlungstag mit den im Gericht präsentierten Suchanfragen und Angaben des Ermittlers, 9. Juni 2026:  Sekundärquelle.
  • BILD: Live-Ticker zum zehnten Verhandlungstag mit Sprachnachrichten und weiteren Einzelheiten aus der Beweisaufnahme, 9. Juni 2026: ergänzende Sekundärquelle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert