Praxisschließungen treffen Patienten am Mittwoch

Praxisschließungen treffen Patienten am Mittwoch
Systembild: Ärzte rufen zu Praxisschließungen auf: Was Patienten wissen müssen © Presse.Online

Ärzte rufen zu Praxisschließungen auf: Was Patienten wissen müssen

Patientinnen und Patienten müssen sich am Mittwoch, 10. Juni 2026, bundesweit auf geschlossene Arzt- und Psychotherapiepraxen einstellen. Mehrere Berufsverbände haben ihre Mitglieder aus Protest gegen das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu ganztägigen Praxisschließungen und internen Fortbildungen aufgerufen.

Wie viele Praxen sich tatsächlich an der Aktion beteiligen, ist bislang nicht bekannt. Die beteiligten Verbände berichten jedoch von großer Resonanz. Patienten sollten deshalb vor einem geplanten Besuch prüfen, ob ihre Praxis geöffnet ist.

Protest zwei Tage vor der Bundestagsberatung

Zu der Aktion aufgerufen haben unter anderem Medi Geno Deutschland, Medi Baden-Württemberg und die Freie Ärzteschaft. Der Protest findet zwei Tage vor der für Freitag, 12. Juni, vorgesehenen ersten Beratung des Gesetzes im Bundestag statt.

Unter dem Motto „Praxen bedroht Patienten in Not“ wollen die Verbände auf die aus ihrer Sicht drohenden Folgen der Reform aufmerksam machen. Parallel zur Protestaktion tagt am 10. und 11. Juni die Gesundheitsministerkonferenz in Hannover.

Die Verbände kritisieren vor allem geplante Eingriffe in die Vergütung niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten. Dazu zählen die vorgesehene Begrenzung von Honorarsteigerungen sowie die Rücknahme einzelner finanzieller Anreize.

Nach den Plänen der Bundesregierung sollen unter anderem Zuschläge für die schnelle Vermittlung bestimmter Facharzttermine entfallen. Auch die gesonderte Vergütung für die Erstbefüllung und Aktualisierung der elektronischen Patientenakte soll abgeschafft werden.

Ärzte warnen vor weniger Terminen und längeren Wartezeiten

Aus Sicht der Ärzteverbände könnten die Einsparungen dazu führen, dass Praxen ihre Sprechstunden und Terminangebote reduzieren. Die Verbände warnen vor längeren Wartezeiten, weniger Zeit für Gespräche und zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Arztpraxis.

Siegfried Jedamzik, stellvertretender Vorsitzender von Medi Geno Deutschland, sieht vor allem die Patientenversorgung gefährdet. Nach Darstellung des Verbandes könnten weitere Budgetierungen dazu führen, dass erbrachte Leistungen nicht vollständig vergütet werden.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte vor dem Reformvorhaben gewarnt. Nach Angaben der KBV werden bereits heute zahlreiche fachärztliche Behandlungen wegen bestehender Budgets nicht vollständig bezahlt. Die Organisation befürchtet, dass Praxen deshalb künftig weniger zusätzliche Termine anbieten könnten.

Die genaue Wirkung der geplanten Regelungen hängt allerdings vom weiteren parlamentarischen Verfahren ab. Der vorliegende Entwurf ist noch nicht beschlossen und kann im Bundestag verändert werden.

Bundesregierung will Krankenkassenbeiträge stabilisieren

Die Bundesregierung begründet das Gesetz mit der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach Berechnungen der Finanzkommission Gesundheit könnte der GKV im Jahr 2027 ohne Gegenmaßnahmen eine Finanzierungslücke von rund 15 Milliarden Euro entstehen. Bis 2030 könnte die Lücke demnach auf etwa 40 Milliarden Euro anwachsen.

Das Reformpaket sieht Sparbeiträge in nahezu allen Bereichen des Gesundheitssystems vor. Betroffen wären neben Arztpraxen auch Krankenhäuser, Apotheken, Pharmaunternehmen, Krankenkassen, Arbeitgeber und Versicherte.

Ein zentraler Bestandteil ist die Begrenzung künftiger Vergütungssteigerungen. Von 2027 bis 2029 soll für zahlreiche Leistungsbereiche zusätzlich ein Abschlag von einem Prozentpunkt gelten. Das Gesundheitsministerium erwartet, dass die Maßnahmen die Zusatzbeiträge stabilisieren und die Finanzierung der Krankenversicherung sichern.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bezeichnet das Paket als ausgewogen. Die Ärzteschaft widerspricht dieser Einschätzung und sieht die ambulante Versorgung überproportional belastet.

Was Patienten am Mittwoch beachten sollten

Nicht jede Arztpraxis wird am 10. Juni geschlossen bleiben. Da es keine zentrale Teilnehmerliste gibt, sollten Patienten direkt bei ihrer Praxis nachfragen oder die Internetseite beziehungsweise den Anrufbeantworter prüfen.

Bereits vereinbarte Termine sollten nicht ohne Rücksprache als abgesagt betrachtet werden. In dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Fällen ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 erreichbar. Bei akuten lebensbedrohlichen Beschwerden gilt weiterhin der Notruf 112.

Die Praxisschließungen sollen nach Darstellung der Initiatoren zugleich zeigen, welche Folgen weitere Einsparungen langfristig haben könnten. Ob der Protest zu Änderungen am Gesetzentwurf führt, dürfte sich erst während der parlamentarischen Beratungen zeigen.

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FAQ

Warum bleiben am Mittwoch Arztpraxen geschlossen?

Mehrere Ärzteverbände haben für den 10. Juni 2026 zu einer bundesweiten Protestaktion aufgerufen. Sie wenden sich gegen geplante Einsparungen und Vergütungsbegrenzungen im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.

Sind am Mittwoch alle Arztpraxen geschlossen?

Nein. Die Teilnahme ist freiwillig, und eine vollständige Übersicht der beteiligten Praxen liegt nicht vor. Patienten sollten deshalb direkt bei ihrer Praxis prüfen, ob vereinbarte Termine stattfinden.

Was mache ich, wenn ich am Mittwoch dringend einen Arzt brauche?

Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden können Patienten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 kontaktieren. In lebensbedrohlichen Situationen muss der Notruf 112 gewählt werden.

Was kritisieren die Ärzte an der GKV-Reform?

Kritisiert werden insbesondere geplante Vergütungsbegrenzungen, der Wegfall bestimmter Terminvermittlungszuschläge und die Abschaffung gesonderter Zahlungen für Arbeiten an der elektronischen Patientenakte. Die Verbände befürchten weniger Termine und längere Wartezeiten.

Wann entscheidet der Bundestag über das Gesetz?

Die erste Beratung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ist für den 12. Juni 2026 vorgesehen. Das Gesetz ist damit noch nicht beschlossen und kann im parlamentarischen Verfahren geändert werden.

Quellen

  • Bundesministerium für Gesundheit: GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Verfahrensstand vom 1. Juni 2026: Primärquelle
  • Bundesministerium für Gesundheit: Kabinettsbeschluss und wesentliche Regelungen des Gesetzentwurfs vom 29. April 2026: Primärquelle
  • Deutscher Bundestag: „Warken erläutert Sparpaket im Gesundheitsausschuss“, 15. April 2026: Primärquelle
  • Deutsches Ärzteblatt: Aufruf von Medi Geno Deutschland und Medi Baden-Württemberg zu Praxisschließungen, 27. Mai 2026: Sekundärquelle
  • Stellungnahmen der Freien Ärzteschaft und von Medi Geno Deutschland zur Protestaktion: Verbandsquellen

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