Schiffsverkehr in Hormus-Straße bricht ein
Hormus-Straße: USA und Iran wollen Schifffahrt absichern
Die USA und der Iran haben bei Gesprächen in der Schweiz einen Kommunikationskanal zur Sicherung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus vereinbart. Kpler registrierte nach einer neuen iranischen Sperrerklärung nur fünf Schiffspassagen am Sonntag, verglichen mit 26 am Vortag.
Die USA und der Iran haben sich bei ihren Gesprächen auf dem Bürgenstock in der Schweiz auf einen Kommunikationskanal für die Straße von Hormus verständigt. Damit sollen Zwischenfälle, Fehlinterpretationen und gefährliche Kommunikationspannen verhindert sowie sichere Passagen für Handelsschiffe ermöglicht werden.
Vermittelt wurden die Gespräche von Katar und Pakistan. Nach ihrer ersten hochrangigen Verhandlungsrunde vereinbarten beide Seiten außerdem einen Fahrplan, der innerhalb von 60 Tagen zu einer umfassenderen Vereinbarung führen soll. Technische Gespräche sollen im Laufe dieser Woche fortgesetzt werden.
Die unmittelbare Wirkung bleibt jedoch begrenzt: Nachdem der Iran erneut erklärt hatte, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu stoppen, ging die Zahl der registrierten Passagen deutlich zurück. Damit bleibt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt trotz der diplomatischen Annäherung ein erhebliches Risiko für Schifffahrt und Energieversorgung.
Nur fünf Schiffe passieren die Meerenge
Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler durchquerten am Sonntag lediglich fünf Schiffe die Straße von Hormus. Am Samstag waren noch 26 Passagen erfasst worden. Die Zahlen können allerdings unvollständig sein, weil Schiffe in der Golfregion teilweise ihre Ortungssender abschalten.
Unter den fünf Schiffen befanden sich laut den Daten drei besonders große Rohöltanker. Jeder von ihnen transportierte etwa zwei Millionen Barrel saudisches Rohöl oder Ölprodukte. Einer der Tanker war demnach auf dem Weg nach Japan.
Das US-Militär widerspricht der Darstellung einer vollständigen Sperrung und betont, dass weiterhin Handelsschiffe in dem Gebiet unterwegs seien. Dass einzelne Passagen möglich sind, bedeutet jedoch noch keine verlässliche Öffnung: Reedereien und Kapitäne müssen die Sicherheitslage, Versicherungsbedingungen und mögliche iranische Genehmigungsvorgaben weiterhin einzeln bewerten.
Iran verknüpft Hormus-Straße mit dem Libanon-Krieg
Teheran begründet seine erneute Sperrerklärung mit den anhaltenden Kämpfen zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon. Aus iranischer Sicht wurden damit Zusagen aus der vorangegangenen Vereinbarung mit den USA verletzt.
Die Vermittlerstaaten kündigten deshalb zusätzlich einen Konfliktlösungsmechanismus unter Beteiligung des Libanon an. Dieser soll helfen, militärische Zwischenfälle zu vermeiden und die Kämpfe zu beenden. Wie dieser Stab konkret arbeiten soll und ob Israel daran beteiligt wird, blieb zunächst offen.
US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran zuvor mit neuen Angriffen gedroht, falls Teheran seine Verbündeten im Libanon nicht zurückhalte. Die Gespräche wurden dennoch fortgesetzt, teilweise über die Vermittler aus Katar und Pakistan.
Syriens Präsident lehnt Militäreinsatz im Libanon ab
Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa erteilte einem von Trump öffentlich ins Spiel gebrachten Eingreifen Syriens gegen die Hisbollah eine Absage. Damaskus strebe wirtschaftliche Verbindungen zwischen Syrien und dem Libanon an, keine militärischen, sagte al-Scharaa in einem Interview mit dem Sender Al-Maschhad.
Syrien setze auf wirtschaftliche, politische und soziale Lösungen sowie auf die Wiederherstellung der Beziehungen zum Nachbarland. Sicherheitsmaßnahmen müssten zugleich die Interessen Syriens und des Libanon sowie israelische Bedenken berücksichtigen.
Trump hatte zuvor erklärt, Syrien könne gegen die Hisbollah vorgehen, falls Israel den Konflikt nicht ohne hohe Opferzahlen beenden könne. Neben al-Scharaa hatte auch die libanesische Regierung diese Vorstellung zurückgewiesen.
Hormus-Straße bleibt Schlüsselroute für Öl und Flüssiggas
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA wurden dort 2024 durchschnittlich rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag transportiert. Das entsprach etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte. Auch ungefähr 20 Prozent des global gehandelten Flüssiggases passierten die Meerenge.
Für einen großen Teil dieser Lieferungen gibt es keine ausreichend leistungsfähigen Ausweichrouten. Eine länger anhaltende Blockade kann deshalb Öl- und Gaspreise, Transportkosten und Versicherungsprämien erhöhen. Besonders stark betroffen sind asiatische Abnehmer wie China, Indien, Japan und Südkorea.
Der vereinbarte Kommunikationskanal ist damit ein erster operativer Schritt zur Risikobegrenzung. Ob daraus eine dauerhaft sichere Öffnung der Hormus-Straße entsteht, hängt jedoch von der Umsetzung, dem Verlauf der Kämpfe im Libanon und den weiteren US-iranischen Verhandlungen ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidung: USA und Iran richten einen Kommunikationskanal für die Straße von Hormus ein.
- Ziel: Zwischenfälle vermeiden und sichere Passagen für Handelsschiffe ermöglichen.
- Schiffsverkehr: Kpler registrierte am Sonntag fünf Passagen, nach 26 am Samstag.
- Status: Die Meerenge ist nicht vollständig verkehrsfrei, aber der reguläre Schiffsverkehr bleibt stark eingeschränkt.
- Verhandlungen: Innerhalb von 60 Tagen soll ein Fahrplan zu einer umfassenderen Vereinbarung führen.
- Libanon: Ein Konfliktlösungsmechanismus soll helfen, die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah einzudämmen.
- Syrien: Präsident Ahmed al-Scharaa lehnt einen syrischen Militäreinsatz gegen die Hisbollah ab.
- Bedeutung: Durch die Hormus-Straße liefen zuletzt rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs und LNG-Handels.
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FAQ
Ist die Straße von Hormus vollständig gesperrt?
Nein. Iran erklärte die Meerenge erneut für geschlossen, doch einzelne Schiffe passierten sie weiterhin. Das US-Militär spricht deshalb nicht von einer vollständigen Sperrung.
Was bringt der neue Kommunikationskanal?
Er soll einen direkten Austausch bei Zwischenfällen ermöglichen und Missverständnisse zwischen den USA und dem Iran verhindern. Details zu Zuständigkeiten und Arbeitsweise wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Warum ist die Hormus-Straße für Deutschland wichtig?
Deutschland bezieht sein Öl und Gas zwar aus unterschiedlichen Ländern. Störungen an der Meerenge können dennoch die Weltmarktpreise erhöhen und sich damit auf Energie-, Transport- und Produktionskosten in Europa auswirken.
Greift Syrien nun militärisch im Libanon ein?
Nach Aussage von Präsident Ahmed al-Scharaa ist ein solcher Einsatz nicht vorgesehen. Syrien setzt demnach auf wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit dem Libanon.
Wie geht es mit den Verhandlungen weiter?
Technische Gespräche sollen während der Woche fortgesetzt werden. Ziel ist ein umfassenderes Abkommen innerhalb einer 60-Tage-Frist; dessen Erfolg ist bislang offen.
Quellen
- Katar und Pakistan: Gemeinsame Erklärung zum Abschluss der ersten Gesprächsrunde, 22. Juni 2026, Primärquelle.
- Schweizer Außenministerium: Angaben zu den Gesprächen auf dem Bürgenstock, 18. bis 22. Juni 2026, Primärquelle.
- Reuters: US-iranische Gespräche, Hormus-Kommunikationskanal und Kpler-Schifffahrtsdaten, 22. Juni 2026, Sekundärquelle.
- US Energy Information Administration: Bedeutung der Straße von Hormus für den internationalen Öl- und LNG-Handel, Primärquelle.
- Al-Maschhad/AFP: Interview mit Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa, 21. Juni 2026.