Erdbeben verwüsten Teile Venezuelas
Erdbeben in Venezuela: USGS warnt vor sehr vielen Toten
Zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 erschütterten Venezuela am 24. Juni 2026 und verursachten Gebäudeeinstürze sowie massive Verkehrsausfälle. Eine landesweite Opferzahl ist noch nicht bestätigt; das USGS-PAGER-System warnt jedoch vor einem außergewöhnlich hohen Risiko.
Zwei schwere Erdbeben haben am Mittwochabend Teile Venezuelas erschüttert und erhebliche Zerstörungen angerichtet. Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte die Stärke zunächst auf 7,2 und 7,5. Zwischen beiden Erdstößen lag weniger als eine Minute. In der Hauptstadt Caracas stürzten Gebäude ein, Menschen wurden unter Trümmern eingeschlossen.
Eine bestätigte landesweite Zahl der Toten und Verletzten lag am frühen Donnerstagmorgen noch nicht vor. Lokale Behörden meldeten jedoch Todesfälle und mindestens 16 Verletzte im östlichen Hauptstadtbezirk Chacao. Rettungskräfte suchten während der Nacht nach Verschütteten.
Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief den Notstand aus. Der internationale Flughafen Maiquetía bei Caracas wurde wegen Schäden geschlossen. Auch der Schulunterricht sowie der Metro- und Zugverkehr wurden ausgesetzt.
USGS sieht hohes Risiko für massive Opferzahlen
Besondere Aufmerksamkeit gilt einer frühen Modellrechnung des USGS. Das automatische PAGER-System bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Opferzahl zwischen 10.000 und 100.000 zunächst auf 44 Prozent. Die Behörde warnte vor wahrscheinlich hohen Opferzahlen und großflächigen Schäden.
Diese Angabe ist jedoch keine bestätigte Todesbilanz. PAGER errechnet unmittelbar nach einem Beben mögliche Folgen anhand der Stärke, Tiefe, Bevölkerungsdichte und Verletzlichkeit der Gebäude. Die Prognose kann sich mit neuen Mess- und Schadensdaten erheblich verändern.
Eine Überschrift wie „Zehntausende Tote nach Erdbeben“ wäre zum jetzigen Zeitpunkt daher irreführend. Belastbar ist lediglich, dass das USGS ein außergewöhnlich hohes Katastrophenrisiko sieht und örtliche Behörden bereits Todesfälle bestätigt haben, ohne eine Zahl zu nennen.
Zweites Beben ereignete sich in geringer Tiefe
Das erste Erdbeben ereignete sich kurz nach 18 Uhr Ortszeit etwa 160 Kilometer westlich von Caracas. Nach Angaben von AP lag sein Epizentrum westlich der Küstenstadt Morón, die Tiefe betrug rund 22 Kilometer.
Weniger als eine Minute später folgte ein Beben der Stärke 7,5. Sein Epizentrum lag rund 16 Kilometer südwestlich von Morón und nur etwa zehn Kilometer unter der Erdoberfläche. Flache Erdbeben können an der Oberfläche besonders schwere Schäden verursachen. Die Erschütterungen waren bis in Teile Kolumbiens und des brasilianischen Amazonasgebiets zu spüren.
In Caracas wurden Fassaden abgerissen, Strommasten stürzten um und Trümmer blockierten Straßen. Teile der Hauptstadt waren zeitweise ohne Strom oder Mobilfunkverbindung. In einem Krankenhaus fielen Deckenverkleidungen herab.
Behörden warnen vor weiteren Nachbeben
Innenminister Diosdado Cabello rief die Bevölkerung dazu auf, beschädigte Gebäude zu verlassen und Zufahrtswege für Rettungsfahrzeuge freizuhalten. Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz seien mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz.
Die Behörden ordneten nach Medienberichten außerdem an, in gefährdeten Gebäuden die Gasversorgung zu unterbrechen. Dadurch sollen Brände und Explosionen verhindert werden. Weitere Nachbeben könnten bereits geschwächte Bauwerke zum Einsturz bringen.
Eine zunächst ausgegebene Tsunamiwarnung für mehrere Gebiete in der Karibik wurde nach rund einer Stunde wieder aufgehoben. Für die kolumbianische Karibikküste bestand nach Angaben der dortigen Schifffahrtsbehörde keine Tsunamigefahr.
Venezuela liegt an der Grenze zwischen der Karibischen und der Südamerikanischen Platte. Das Land wird seltener von schweren Erdbeben getroffen als die Pazifikküste Lateinamerikas, besitzt jedoch mehrere aktive Störungszonen. Noch ist offen, welche Regionen am stärksten betroffen sind und wie viele Menschen unter den Trümmern vermisst werden.
Stand: 25. Juni 2026, frühe Morgenstunden. Die Lage kann sich kurzfristig verändern.
Das Wichtigste in Kürze
- Ereignis: Venezuela wurde am 24. Juni 2026 von zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 getroffen.
- Zeitabstand: Die beiden Erdstöße ereigneten sich innerhalb von weniger als einer Minute.
- Schäden: In Caracas und weiteren Regionen stürzten Gebäude ein; Menschen wurden verschüttet.
- Opfer: Örtlich wurden Todesfälle gemeldet, eine bestätigte landesweite Zahl liegt noch nicht vor.
- USGS-Prognose: Das PAGER-Modell sah zunächst eine Wahrscheinlichkeit von 44 Prozent für 10.000 bis 100.000 Todesopfer. Das ist eine Modellrechnung, keine Opferbilanz.
- Maßnahmen: Notstand, Schulschließungen sowie die Einstellung des Flughafen-, Metro- und Zugbetriebs wurden angeordnet.
- Gefahr: Behörden warnen vor Nachbeben und weiteren Gebäudeeinstürzen.
- Quellen: USGS-Angaben sowie aktuelle Berichte von Reuters und Associated Press.
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FAQ
Wie viele Menschen kamen bei den Erdbeben ums Leben?
Eine bestätigte nationale Opferzahl gibt es bislang nicht. Lokale Behörden meldeten Todesfälle, nannten aber zunächst keine konkrete Zahl.
Rechnet das USGS tatsächlich mit bis zu 100.000 Toten?
Das automatische PAGER-System ordnete 10.000 bis 100.000 Tote zunächst als wahrscheinlichsten Bereich ein und bezifferte dessen Wahrscheinlichkeit auf 44 Prozent. Diese frühe Modellrechnung kann sich deutlich verändern.
Besteht eine Tsunamigefahr?
Eine zunächst ausgegebene Warnung für Teile der Karibik wurde wieder aufgehoben. Die Bevölkerung sollte dennoch ausschließlich aktuelle Hinweise der zuständigen Behörden beachten.
Was sollen Menschen in den betroffenen Gebieten tun?
Beschädigte Gebäude sollten nicht betreten werden. Behörden empfehlen, Gasleitungen zu schließen, Abstand zu Fassaden zu halten und Rettungswege freizulassen.
Sind weitere Erdbeben möglich?
Nachbeben sind nach starken Erdbeben üblich. Sie können zusätzliche Schäden verursachen und bereits instabile Gebäude zum Einsturz bringen.
Quellen
- US Geological Survey: Messdaten und PAGER-Risikoprognose zu den Erdbeben vom 24. Juni 2026, Primärquelle.
- Reuters: „Rescue work underway after quakes rock Venezuela“, aktualisiert am 24. Juni 2026; Schäden, Rettungseinsätze und USGS-Prognose.
- Associated Press: „Airport closed, classes canceled after Venezuela earthquakes“, 24./25. Juni 2026; Epizentren, Tiefe und Regierungsmaßnahmen.