Himolla insolvent: Möbelindustrie steht unter Druck
Himolla-Insolvenz zeigt, wie tief die Krise der Möbelindustrie reicht
Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla ist in wirtschaftliche Schieflage geraten und hat ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt. Das Unternehmen aus Taufkirchen will den Betrieb nach bisherigen Angaben fortführen und sich im Rahmen des Verfahrens neu aufstellen.
Der Fall zeigt, wie angespannt die Lage in der Möbelindustrie weiterhin ist. Nach Hülsta, König + Neurath und Interlübke gerät nun ein weiterer bekannter Name der Branche unter Druck. Besonders Hersteller von Polster- und Wohnmöbeln leiden unter schwacher Konsumlaune, zurückhaltenden Käufen, hohen Kosten und einem schwierigen Wettbewerbsumfeld.
Die deutsche Möbelindustrie erzielte 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 15,8 Milliarden Euro Umsatz. Das entsprach einem Rückgang von etwa 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und war bereits das dritte Minus in Folge. Vor allem der Inlandsmarkt entwickelte sich schwach.
Auch 2026 bleibt die Lage angespannt. Im Februar erwirtschaftete die deutsche Polstermöbelindustrie laut Branchenzahlen 72 Millionen Euro Umsatz, ein Rückgang von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für Januar und Februar zusammen lag der Umsatz bei knapp 183 Millionen Euro, minus 12,4 Prozent.
Ein Schutzschirmverfahren bedeutet nicht automatisch das Ende eines Unternehmens. Es ist ein Sanierungsinstrument in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung bleibt in der Regel im Amt, wird aber durch Sanierungsexperten unterstützt. Zusätzlich setzt das Gericht einen Sachwalter ein, der die Interessen der Gläubiger überwacht. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist.
Für die Beschäftigten von Himolla ist die weitere Entwicklung dennoch offen. Die Mitarbeitenden am Standort Taufkirchen sollen zunächst für Juni, Juli und August Insolvenzgeld erhalten. Der Geschäftsbetrieb soll nach bisherigen Angaben ohne Einschränkungen weiterlaufen. Ob es langfristig zu Stellenabbau, Standortveränderungen oder einem Einstieg eines Investors kommt, dürfte sich erst im Verlauf der Sanierung zeigen.
Für die Branche ist der Fall ein weiteres Warnsignal. Möbel sind langlebige Anschaffungen, die viele Haushalte in wirtschaftlich unsicheren Zeiten aufschieben. Gleichzeitig setzen günstigere Anbieter, Onlinehandel und Importe aus Niedriglohnländern traditionelle Hersteller unter Druck. Himolla steht damit nicht nur für eine einzelne Unternehmenskrise, sondern für ein strukturelles Problem einer Branche, die zwischen Qualität, Kosten und Kaufzurückhaltung neu austariert werden muss.
Das Wichtigste in Kürze:
- Unternehmen: Himolla Polstermöbel aus Taufkirchen
- Status: Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt
- Grund: schwierige Marktlage und nicht aufgefangene Umsatzeinbußen
- Branche: Möbelindustrie mit erneutem Umsatzrückgang
- Beschäftigte: langfristige Folgen noch offen
- Betrieb: soll zunächst weiterlaufen
- Einordnung: weiterer Krisenfall in einer bereits belasteten Möbelbranche
Fazit
Die Insolvenz von Himolla ist ein weiteres Signal für die angespannte Lage der Möbelindustrie. Das Schutzschirmverfahren bietet die Chance auf Sanierung, garantiert aber noch keine Rettung. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Kosten, Vertrieb und Nachfrage wieder in ein tragfähiges Verhältnis zu bringen.
Für Verbraucher ändert sich zunächst wenig, solange der Betrieb weiterläuft. Für Beschäftigte, Zulieferer und Handelspartner beginnt jedoch eine Phase, in der jede Sanierungsentscheidung zählt.
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FAQ
Ist Himolla endgültig pleite?
Nein. Ein Schutzschirmverfahren bedeutet nicht automatisch das Ende des Unternehmens. Es soll eine Sanierung unter gerichtlichem Schutz ermöglichen.
Läuft der Betrieb weiter?
Nach bisherigen Angaben soll der Geschäftsbetrieb zunächst ohne Einschränkungen fortgeführt werden.
Was passiert mit den Beschäftigten?
Die Mitarbeitenden am Standort Taufkirchen erhalten zunächst Insolvenzgeld. Langfristige Folgen sind derzeit noch offen.
Warum steckt die Möbelindustrie in der Krise?
Die Branche leidet unter schwacher Konsumlaune, weniger Bautätigkeit, Kostendruck und starkem Wettbewerb durch günstigere Anbieter.
Ist Himolla ein Einzelfall?
Nein. In den vergangenen Jahren gerieten mehrere bekannte Unternehmen der Möbelbranche in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Quellen:
- WirtschaftsWoche: Bericht zur Schutzschirm-Insolvenz von Himolla
- Himolla Polstermöbel GmbH: Unternehmensangaben zum Schutzschirmverfahren
- Verband der Deutschen Möbelindustrie: Branchendaten zur deutschen Möbelindustrie 2025/2026
- Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie: Umsatzdaten der Polstermöbelindustrie Januar/Februar 2026
- Statistisches Bundesamt: amtliche Daten zur Möbelindustrie
- IHK Region Stuttgart: Einordnung zum Schutzschirmverfahren und Insolvenzrecht