Pandion: Zukunft vieler Projekte offen
Pandion beantragt Insolvenz · Projekte vor ungewisser Zukunft
Der Kölner Immobilienentwickler Pandion AG hat Insolvenz beantragt. Am 10. August 2026 stellte das Unternehmen beim zuständigen Insolvenzgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens und beantragte zugleich die Eigenverwaltung. Entsprechende Anträge betreffen fünf weitere Gesellschaften der Gruppe.
Für Käufer, Geschäftspartner, Finanzierer und die Beschäftigten richtet sich der Blick nun vor allem auf die zahlreichen laufenden Immobilienprojekte. Pandion erklärt, die einzelnen Projektgesellschaften seien von den Insolvenzanträgen nicht betroffen. Das Unternehmen will die Vorhaben weiterführen eine Garantie dafür, dass jedes Projekt unverändert umgesetzt werden kann, ergibt sich daraus allerdings nicht.
Sechs Pandion-Gesellschaften von Insolvenzanträgen betroffen
Neben der Pandion AG wurden nach der am 10. August veröffentlichten Unternehmensmitteilung entsprechende Anträge für die Pandion Real Estate GmbH, Pandion Vertriebsgesellschaft mbH, Pandion Design GmbH, Pandion Projektmanagement GmbH und Pandion Engineering GmbH gestellt.
Pandion begründet den Schritt mit einer angespannten Liquiditätssituation. Trotz Restrukturierungs- und Finanzierungsbemühungen sei es nicht gelungen, die finanzielle Lage nachhaltig zu stabilisieren. Mit der beantragten Eigenverwaltung soll der Geschäftsbetrieb fortgesetzt und die Restrukturierung der Gruppe in einem geordneten rechtlichen Verfahren weitergeführt werden.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Insolvenzantrag und eröffnetem Insolvenzverfahren: Pandion hat die Eröffnung des Verfahrens und die Eigenverwaltung beantragt. Ein öffentlich verifizierbarer Beschluss des Insolvenzgerichts über die endgültige Eröffnung des Verfahrens lag Presse.Online zum Stand dieses Beitrags nicht vor.
Ausfallende Zinszahlung war erstes öffentliches Warnsignal
Die finanzielle Zuspitzung war bereits eine Woche vor dem Insolvenzantrag öffentlich sichtbar geworden. Am 3. August teilte Pandion in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, dass die am 5. August 2026 fällige Zinszahlung für die Unternehmensanleihe 2021/2028 nicht fristgerecht geleistet werden könne.
Als Ursache nannte das Unternehmen eine unerwartet entstandene Liquiditätslücke. Ein Finanzierungspartner habe einen vorgesehenen Finanzierungsbaustein entgegen den bisherigen Erwartungen zurückgezogen. Pandion erklärte zunächst, verschiedene Maßnahmen zur Schließung dieser Lücke zu prüfen. Eine Woche später folgte der Insolvenzantrag.
Dass sich der Konzern bereits vorher in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld befand, zeigen die im Juli veröffentlichten vorläufigen Zahlen für 2025. Pandion meldete zwar Umsatzerlöse von 846,1 Millionen Euro, zugleich aber ein vorläufiges Ergebnis vor Steuern von minus 69 Millionen Euro. Das Unternehmen führte dies unter anderem auf Wertberichtigungen, Rückstellungen und hohe projektbezogene Finanzierungskosten zurück.
Rund 3.800 Wohnungen und 200.000 Quadratmeter Bürofläche
Die Dimension des Verfahrens reicht über die Kölner Unternehmenszentrale hinaus. Pandion entwickelt Immobilien unter anderem in Köln, Düsseldorf, München, Berlin und Stuttgart. Nach eigenen Angaben plant oder baut das Unternehmen bundesweit derzeit rund 3.800 Wohnungen und entwickelt unter seiner Büroimmobilienmarke OFFICEHOME rund 200.000 Quadratmeter Bürofläche. Das angegebene Verkaufsvolumen der Projekte liegt bei mehr als 4,8 Milliarden Euro.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche genannten Projekte unmittelbar von der Insolvenz betroffen sind. Pandion erklärt ausdrücklich, dass die einzelnen Projektgesellschaften nicht zu den Gesellschaften gehören, für die die Insolvenzanträge gestellt wurden. Ziel sei es, die laufenden Projekte „bestmöglich“ weiterzuführen und dazu gemeinsam mit Projekt- und Finanzierungspartnern tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Gerade diese Formulierung zeigt zugleich die zentrale Unsicherheit: Über den konkreten Fortgang einzelner Baustellen, Finanzierungen, Übergabetermine oder noch nicht abgeschlossener Projektphasen macht die Unternehmensmitteilung keine verbindlichen Aussagen.
Auch Berlin hat laufende Pandion-Projekte
Pandion ist auch in Berlin mit größeren Wohn- und Gewerbeprojekten vertreten. Dazu gehört etwa das Wohnprojekt Pandion Midtown in Berlin-Friedrichshain. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Gesamtprojekt rund 430 Eigentumswohnungen; für den vierten Bauabschnitt nennt die Projektseite August 2026 als Fertigstellungstermin.
Beim ebenfalls in Berlin gelegenen Wohnprojekt Pandion LVL UP am Halleschen Ufer in Kreuzberg werden weiterhin Wohnungen angeboten. Eine Berliner Fachpublikation berichtete nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags, dass die Bauarbeiten dort nach aktuellem Eindruck zunächst weiterliefen. Eine verbindliche Aussage über den weiteren Projektverlauf lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Für bereits weit fortgeschrittene, verkaufte oder übergebene Projekte können sich die Risiken erheblich von Projekten unterscheiden, die noch stärker von künftiger Finanzierung, Baufortschritt oder Vermarktung abhängen. Eine belastbare Bewertung ist deshalb nur auf Ebene der jeweiligen Projektgesellschaft und der bestehenden Verträge möglich.
Gehälter bis Oktober über Insolvenzgeld abgesichert
Für die Beschäftigten besteht zunächst eine begrenzte finanzielle Absicherung. Pandion erklärte, die Löhne und Gehälter seien über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung für August, September und Oktober 2026 abgesichert.
Das Unternehmen kündigte an, über weitere Schritte des Verfahrens zu informieren. Für Käufer, Projektpartner und Anleihegläubiger werden deshalb vor allem die Entscheidungen des Insolvenzgerichts, die weitere Finanzierung der einzelnen Bauvorhaben und die konkrete Ausgestaltung der Restrukturierung maßgeblich sein.
Offene Fragen
- Wird das Insolvenzgericht die beantragte Eigenverwaltung anordnen?
- Welche laufenden Projekte können mit bestehenden Finanzierungen planmäßig weitergeführt werden?
- Müssen Bau-, Fertigstellungs- oder Übergabetermine einzelner Projekte angepasst werden?
- Welche Auswirkungen hat das Verfahren auf Käufer bereits veräußerter, aber noch nicht vollständig fertiggestellter Immobilien?
- Welche Lösung wird für die Unternehmensanleihe und die ausgebliebene Zinszahlung gefunden?
Konkrete Antworten auf diese Fragen hat Pandion bislang nicht veröffentlicht. Das Unternehmen hat angekündigt, über die weiteren wesentlichen Schritte des Verfahrens zu informieren.
Quellen und Transparenz
Primärquellen
- Pandion AG / EQS: „PANDION AG stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung“, Ad-hoc-Mitteilung vom 10. August 2026.
- Pandion AG / EQS: „PANDION beantragt Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung“, Unternehmens-/Pressemitteilung vom 10. August 2026.
- Pandion AG / EQS: „PANDION AG wird Zinszahlung auf Unternehmensanleihe vorerst nicht leisten“, Ad-hoc-Mitteilung vom 3. August 2026.
- Pandion AG / EQS: Vorläufige Geschäftszahlen 2025 vom 1. Juli 2026.
- Pandion AG: Projektseiten zu Pandion Midtown und Pandion LVL UP in Berlin.
Ergänzende Berichterstattung
- t-online, 13. August 2026: Bericht zu Pandion und den offenen Folgen für laufende Projekte.
- Entwicklungsstadt Berlin, 11. August 2026: Bericht zum aktuellen Eindruck auf der Baustelle Pandion LVL UP in Berlin-Kreuzberg.
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