Ölpreis steigt nach Trumps Iran-Absage

Ölpreis steigt nach Trumps Iran-Absage
Systembild: Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Transportwegen des globalen Ölhandels. Politische Spannungen in der Region wirken sich deshalb unmittelbar auf die Risikobewertung der Energiemärkte aus. © Presse.Online

Ölpreis steigt nach Trumps Iran-Absage: Hormus im Fokus

Der Ölmarkt reagiert sofort auf neue Unsicherheit im Nahen Osten. Nachdem US-Präsident Donald Trump einen iranischen Friedensvorschlag zurückgewiesen hat, legten die Rohölpreise am Montag deutlich zu. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Politik selbst als eine der empfindlichsten Stellen der Weltwirtschaft: die Straße von Hormus.

Die Nordseesorte Brent stieg im frühen Handel am Montag um 1,27 Prozent auf 105,64 US-Dollar je Barrel. US-Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich um 0,76 Prozent auf 93,11 Dollar. Auslöser war nach Einschätzung von Marktbeobachtern die wieder gestiegene geopolitische Unsicherheit, nachdem Trump einen iranischen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt hatte.

Iran hatte den Vorschlag nach Angaben von Reuters in der vergangenen Woche während der UN-Generalversammlung über katarische Vermittler an die USA übermitteln lassen. Trump wies ihn am Wochenende zurück, stellte jedoch weitere Gespräche für diese Woche in Aussicht.

Damit bleibt für den Ölmarkt eine Frage offen: Wie sicher sind die Lieferwege aus dem Persischen Golf?

Warum wenige Kilometer Meer den Ölpreis bewegen

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Engpässen des weltweiten Energiesystems. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit mit den internationalen Seewegen.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden 2025 täglich knapp 20 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge transportiert. Das entsprach rund einem Viertel des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls. Alternative Pipelines könnten nur einen Teil dieser Mengen ersetzen.

Genau deshalb reagieren Händler bereits auf politische Veränderungen, bevor tatsächlich ein Tanker ausfällt.

Steigt die Wahrscheinlichkeit einer Unterbrechung, wird dieses Risiko am Markt eingepreist. Der Ölpreis enthält dann neben Angebot und Nachfrage zunehmend einen geopolitischen Risikoaufschlag.

Das Interessante: Es kommt wieder mehr Öl aus der Region

Die aktuelle Lage wirkt zunächst widersprüchlich.

Während die politische Unsicherheit den Preis nach oben treibt, haben sich die tatsächlichen Öllieferungen zuletzt verbessert.

Vorläufigen Daten des Analyseunternehmens Kpler zufolge stiegen die Rohölexporte wichtiger Produzenten des Nahen Ostens im September auf 12,8 Millionen Barrel pro Tag. Das ist laut Reuters der höchste Wert seit Beginn des Krieges im Februar.

Auch die Transporte durch die Straße von Hormus sollen sich wieder erholt haben und im September rund 7,4 Millionen Barrel täglich erreichen.

Das bedeutet: Der aktuelle Preisanstieg ist nicht in erster Linie das Ergebnis eines plötzlich geringeren tatsächlichen Ölangebots.

Er zeigt vielmehr, wie empfindlich der Markt auf die Möglichkeit neuer Lieferprobleme reagiert.

Hormus bleibt die Schwachstelle

Eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus hätte erheblich größere Folgen als die derzeitige Kursbewegung.

Die US-Energiebehörde EIA bezifferte den Öltransport durch die Meerenge für das erste Halbjahr 2025 auf durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel täglich – etwa 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen zwar über Pipelines, die die Meerenge umgehen können. Ihre zusätzliche verfügbare Kapazität reicht nach Angaben von EIA und IEA jedoch nur für einen Teil der normalerweise durch Hormus transportierten Mengen.

Für den Ölmarkt bedeutet das: Schon die Gefahr längerer Störungen kann erhebliche Preisbewegungen auslösen.

Was bedeutet ein steigender Ölpreis für Deutschland?

Für Verbraucher führt ein höherer Rohölpreis nicht automatisch und nicht im gleichen Umfang zu höheren Preisen an der Tankstelle.

Rohöl ist nur ein Teil des Endpreises von Benzin und Diesel. Hinzu kommen Raffineriekosten, Transport, Margen, Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer.

Auch der Wechselkurs spielt eine Rolle, weil Rohöl international überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer Euro kann steigende Ölpreise deshalb zusätzlich verstärken.

Der ADAC hatte bereits Anfang September darauf hingewiesen, dass ein höherer Ölpreis zu gestiegenen Kraftstoffpreisen beitrug, das damalige Preisniveau an deutschen Tankstellen aus seiner Sicht jedoch nicht vollständig durch Ölpreis und Wechselkurs erklärt werden konnte.

Für Autofahrer ist deshalb nicht der einzelne Tagesanstieg bei Brent entscheidend. Relevant wird die Entwicklung, wenn sich Rohöl über mehrere Tage oder Wochen auf hohem Niveau hält oder weiter verteuert.

Der Ölpreis wird wieder zum politischen Fiebermesser

Der Montag zeigt, wie stark sich die Funktion des Ölpreises verändert hat.

An normalen Handelstagen bestimmen Konjunkturaussichten, Fördermengen, Lagerbestände und Nachfrage den Markt. In einer angespannten geopolitischen Lage kommt eine weitere Größe hinzu: die Wahrscheinlichkeit, dass Öl überhaupt sicher transportiert werden kann.

Solange die Straße von Hormus nicht wieder dauerhaft und verlässlich als Transportweg zur Verfügung steht, dürfte deshalb jede Nachricht aus Washington, Teheran oder den Golfstaaten auch als Nachricht für den Energiemarkt gelesen werden.

Dass die Exporte gleichzeitig steigen, begrenzt derzeit einen Teil des Preisdrucks. Die jüngste Kursreaktion zeigt jedoch: Der Markt bezahlt weiterhin einen Preis für Unsicherheit.

Häufige Fragen

Warum steigt der Ölpreis nach Trumps Entscheidung?

Der Markt bewertet das Risiko einer länger anhaltenden Auseinandersetzung und möglicher Störungen wichtiger Lieferwege wieder höher. Besonders relevant ist die Straße von Hormus.

Wird Benzin in Deutschland jetzt sofort teurer?

Nicht zwingend. Rohöl beeinflusst die Kraftstoffpreise, ist aber nur einer von mehreren Faktoren. Wechselkurs, Raffineriepreise, Steuern, Abgaben und Handelsmargen spielen ebenfalls eine Rolle.

Warum ist die Straße von Hormus so bedeutend?

Durch die Meerenge wurden 2025 knapp 20 Millionen Barrel Öl täglich transportiert. Alternative Pipelines können nur einen Teil dieser Menge aufnehmen.

Quellen und Faktenprüfung

Primärquelle für die aktuelle Marktentwicklung: Reuters, 28. September 2026. Reuters meldet den Anstieg von Brent auf 105,64 US-Dollar und WTI auf 93,11 US-Dollar sowie die Ablehnung des iranischen Vorschlags durch Donald Trump.

Ausgangsmaterial: t-online, 28. September 2026; der dort veröffentlichte Beitrag basiert ebenfalls auf Reuters.

Bedeutung der Straße von Hormus: International Energy Agency und U.S. Energy Information Administration.

Deutschland / Kraftstoffpreise: ADAC zu Einflussfaktoren und Preisbildung bei Benzin und Diesel.

Transparenzhinweis: Die Ölnotierungen verändern sich fortlaufend. Die genannten Brent- und WTI-Werte beziehen sich auf den frühen Handel am 28. September 2026. Eine direkte kurzfristige Übertragung der Kursbewegung auf deutsche Tankstellenpreise lässt sich daraus nicht ableiten.

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