Airbus fliegt 24 Stunden nonstop

Airbus fliegt 24 Stunden nonstop
Ein speziell ausgerüsteter Airbus A350-1000ULR absolvierte einen mehr als 24-stündigen Entwicklungsflug von Melbourne nach Toulouse. © Presse.Online

Airbus A350 fliegt in 24 Stunden von Melbourne nach Toulouse

Ein speziell entwickelter Airbus A350-1000ULR hat auf dem Weg von Melbourne nach Toulouse einen neuen Distanzrekord für Verkehrsflugzeuge aufgestellt. Die Maschine blieb 24 Stunden und 24 Minuten ohne Zwischenlandung in der Luft und legte nach Angaben von Flightradar24 rund 23.076 Kilometer zurück.

Der Flug war ein technischer Entwicklungstest für Qantas’ „Project Sunrise“. Er war weder ein regulärer Passagierflug noch ein Vorgriff auf die tatsächliche Reisezeit der geplanten Verbindung zwischen Sydney und London.

Was passiert ist

Das Testflugzeug mit der Airbus-Seriennummer MSN707 startete am 27. Juli um 07:28 Uhr koordinierter Weltzeit in Melbourne. Am folgenden Tag erreichte es um 07:52 Uhr Toulouse-Blagnac, den Stammsitz des europäischen Flugzeugherstellers.

Die Route führte von Australien über den Pazifik in Richtung Los Angeles, anschließend über die Vereinigten Staaten und Kanada. Danach überquerte die Maschine den Nordatlantik südlich von Grönland, flog über Großbritannien und weiter nach Südfrankreich.

Nach Angaben von Flightradar24 wurden 12.460 nautische Meilen oder 23.075,92 Kilometer zurückgelegt. Die direkte Großkreisentfernung zwischen Melbourne und Toulouse beträgt nur etwa 16.888 Kilometer. Die längere Streckenführung war Teil des Tests und wurde unter anderem an die flugbetrieblichen Bedingungen über dem Nordatlantik angepasst.

Airbus bezeichnet die Reise als Entwicklungsflug. Er sollte nachweisen, dass der A350-1000ULR eine Blockzeit von 23 Stunden bewältigen kann. Die Blockzeit umfasst neben dem eigentlichen Flug auch die Bewegungen zwischen Abstellposition und Start- beziehungsweise Landebahn.

Zuvor war die Maschine am 23. Juli von Toulouse nach Melbourne geflogen. Dieser erste Abschnitt dauerte rund 20 Stunden. Der 24-stündige Rückflug stellte anschließend die größere Belastungsprobe dar.

Warum der Airbus-Rekord relevant ist

Der Test ist ein zentraler Schritt für das „Project Sunrise“ der australischen Fluggesellschaft Qantas. Ab Oktober 2027 soll der A350-1000ULR täglich nonstop zwischen Sydney und London eingesetzt werden. Die Strecke soll abhängig von Route und Windverhältnissen etwa 19 bis 21 Stunden dauern.

Qantas verspricht sich davon eine Zeitersparnis von bis zu vier Stunden gegenüber heutigen Verbindungen mit Zwischenstopp. Auch eine direkte Verbindung zwischen Sydney und New York ist vorgesehen. Ihr Starttermin steht noch nicht fest.

Technisch wird die große Reichweite vor allem durch einen zusätzlichen Treibstofftank ermöglicht. Airbus gibt dessen Fassungsvermögen mit 20.900 Litern an. Qantas spricht in seinen Veröffentlichungen gerundet von 20.000 zusätzlichen Litern.

Das Flugzeug ist zudem deutlich weniger dicht bestuhlt als viele andere A350-1000. Qantas plant 238 Plätze: sechs First-Class-Suiten, 52 Business-Class-Sitze, 40 Plätze in der Premium Economy und 140 Economy-Sitze. Hinzu kommt eine Bewegungs- und Erholungszone zwischen Premium Economy und Economy.

Der Testflug zeigt jedoch zunächst nur, dass die vorgesehene Reichweite unter kontrollierten Bedingungen technisch erreichbar ist. Er beantwortet noch nicht abschließend, wie Passagiere und Besatzungen regelmäßige Flüge von bis zu 22 Stunden körperlich erleben werden.

Was aus dem Testflug folgt

Airbus untersuchte während der Reise vor allem das Kraftstoffmanagement und die Klimatisierung. Im Mittelpunkt standen der zusätzliche hintere Mitteltank sowie die Luftversorgung in Kabine und Ruhebereichen.

Auch die Arbeits- und Ruhezeiten im Cockpit wurden erprobt. Nach Angaben von Airbus-Testpilot Xavier Pepin waren für jeden Piloten vierstündige Schichten vorgesehen. Die Besatzung wechselte jedoch alle zwei Stunden. Dadurch überschnitten sich die Dienstzeiten jeweils für zwei Stunden, um eine ausführliche Übergabe zu ermöglichen.

Auf dem Rückflug befanden sich fünf Piloten an Bord: drei Airbus-Testpiloten und zwei bereits für den A350 qualifizierte Qantas-Piloten. Sobald ein Qantas-Pilot auf einem der beiden Pilotensitze saß, blieb nach Airbus-Angaben mindestens ein Testpilot des Herstellers auf dem zweiten Sitz.

Der Flug war zugleich ein öffentlicher Aufmerksamkeitserfolg. Flightradar24 registrierte 3.652.947 Aufrufe beziehungsweise „Follows“. Damit war die Reise nach Angaben der Plattform der zweitmeistverfolgte Flug ihrer Geschichte. Häufiger verfolgt wurde nur der Flug, der im September 2022 den Sarg von Königin Elizabeth II. von Edinburgh nach London brachte.

Was noch offen ist

Ob der Flug von einer unabhängigen Rekordorganisation formell anerkannt wird, geht aus den bisher vorliegenden offiziellen Mitteilungen nicht hervor. Flightradar24 führt ihn als neuen Distanzrekord für ein kommerzielles Verkehrsflugzeug. Airbus selbst beschreibt ihn vor allem als längsten Entwicklungsflug des A350-1000ULR.

Auch die Bezeichnung „längster kommerzieller Flug“ wäre missverständlich. Die Maschine ist zwar ein Verkehrsflugzeug, der Rekordflug war aber kein buchbarer Linienflug und beförderte keine regulären Passagiere.

Vor dem geplanten Einsatz müssen die Tests und Zulassungsverfahren abgeschlossen werden. Qantas nennt April 2027 als vorgesehenen Termin für die Auslieferung des ersten Flugzeugs. Der Verkauf der Tickets für Sydney–London soll im Februar 2027 beginnen. Beide Termine stehen laut Qantas unter dem Vorbehalt der Flugzeugzertifizierung und der behördlichen Genehmigungen.

Für Sydney–New York hat Qantas noch keinen konkreten Starttermin genannt. Offen bleibt ebenfalls, welche Flugzeiten, Ticketpreise und konkreten Einsatzpläne für weitere australische Städte gelten werden.

Fazit und Ausblick

Der 24-stündige Flug von Melbourne nach Toulouse ist vor allem ein technischer Belastungstest. Er belegt, dass der speziell ausgerüstete A350-1000ULR Reichweiten erreicht, die deutlich über den geplanten Qantas-Linienflügen liegen.

Für Reisende wird der Rekord erst dann praktisch relevant, wenn die Maschine zugelassen ist und Qantas den Nonstop-Betrieb zwischen Sydney und London tatsächlich aufnimmt. Ab Oktober 2027 könnte damit eine der letzten großen Umsteigeverbindungen im internationalen Luftverkehr entfallen.

Faktenüberblick

Thema: Rekordflug des Airbus A350-1000ULR
Ereignis / Entscheidung: Entwicklungsflug ohne Zwischenlandung
Datum / Zeitraum: 27. bis 28. Juli 2026
Ort / Region: Melbourne, Pazifik, Nordamerika, Nordatlantik und Toulouse
Zentrale Akteure: Airbus, Qantas und Flightradar24
Betroffene: Künftige Passagiere und Besatzungen auf Qantas-Ultralangstrecken
Wichtigste Folge: Technischer Nachweis für geplante Nonstop-Verbindungen von Australiens Ostküste nach Europa und Nordamerika
Stand der Informationen: Entwicklungsflug abgeschlossen; Zertifizierung und behördliche Genehmigungen stehen noch aus

Konkrete Folgen auf einen Blick

  • Reisende zwischen Sydney und London sollen ab Oktober 2027 ohne Zwischenstopp fliegen können.
  • Qantas rechnet gegenüber heutigen Umsteigeverbindungen mit einer Zeitersparnis von bis zu vier Stunden.
  • Die geplanten Linienflüge werden kürzer sein als der 24-stündige Testflug.
  • Die geringe Bestuhlung mit 238 Plätzen schafft mehr Raum, dürfte aber auch die Preisgestaltung beeinflussen. Konkrete Tarife sind noch nicht veröffentlicht.
  • Tickets für die erste Verbindung sollen nach derzeitiger Planung ab Februar 2027 verkauft werden.

Offene Punkte im Überblick

  • Noch offen ist, ob eine unabhängige Organisation den Distanzrekord formell bestätigt.
  • Unklar bleibt, zu welchen Preisen Qantas die Nonstop-Verbindung Sydney–London anbietet.
  • Der Starttermin für die geplante Strecke Sydney–New York wurde noch nicht genannt.
  • Nicht abgeschlossen sind die Zertifizierung des Flugzeugs und die erforderlichen behördlichen Genehmigungen.
  • Weitere Erkenntnisse zur Belastung von Passagieren und Besatzungen im regulären Betrieb liegen bislang nicht vor.

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FAQ

Was genau hat der Airbus A350-1000ULR geschafft?

Das Testflugzeug flog ohne Zwischenlandung von Melbourne nach Toulouse. Nach Angaben von Airbus dauerte der Flug 24 Stunden und 24 Minuten. Flightradar24 ermittelte eine zurückgelegte Strecke von 23.075,92 Kilometern.

War das ein regulärer Passagierflug?

Nein. Es handelte sich um einen Entwicklungsflug von Airbus mit Testpersonal und zwei Qantas-Piloten. Reguläre Passagiere waren nicht an Bord.

Warum war die Strecke länger als die direkte Entfernung?

Die Flugroute führte über den Pazifik, Nordamerika und den Nordatlantik. Der gewählte Kurs diente den Testzielen und berücksichtigte flugbetriebliche Anforderungen, darunter die Streckenführung über dem Nordatlantik.

Wann startet Qantas nonstop von Sydney nach London?

Qantas plant den täglichen Nonstop-Verkehr ab Oktober 2027. Der Ticketverkauf soll im Februar 2027 beginnen. Der Zeitplan steht unter dem Vorbehalt der Zertifizierung und behördlicher Genehmigungen.

Wie viele Passagiere passen in den A350-1000ULR?

Die für Qantas vorgesehene Kabine umfasst 238 Plätze: sechs in der First Class, 52 in der Business Class, 40 in der Premium Economy und 140 in der Economy Class.

Ist dies der längste Passagierflug aller Zeiten?

Flightradar24 bezeichnet die Strecke als neuen Distanzrekord für ein kommerzielles Verkehrsflugzeug. Der Flug selbst war jedoch kein kommerzieller Passagierdienst. Historische Qantas-Flüge mit Catalina-Flugbooten blieben während des Zweiten Weltkriegs teilweise mehr als 30 Stunden in der Luft.

Quellen

Die direkten Aussagen von Airbus-Testpilot Xavier Pepin stammen aus der offiziellen Airbus-Veröffentlichung. Die Rekordbezeichnung beruht auf Angaben von Flightradar24; eine gesonderte Bestätigung durch eine unabhängige Rekordorganisation liegt nach aktuellem Stand nicht vor.

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