Brescia Calcio wird abgewickelt
Brescia Calcio: Gericht besiegelt das Ende
Das Gericht in Brescia hat die gerichtliche Liquidation von Brescia Calcio eröffnet. Damit wird die Gesellschaft hinter dem 1911 gegründeten Traditionsverein abgewickelt, der bereits seit 2025 nicht mehr am italienischen Profifußball teilnimmt.
Was passiert ist
Die für Insolvenzverfahren zuständige Kammer des Gerichts in Brescia eröffnete am 28. Juli 2026 die sogenannte „liquidazione giudiziale“. Das italienische Verfahren entspricht im Kern einer gerichtlich angeordneten Abwicklung wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.
Zum zuständigen Richter wurde Alessandro Pernigotto bestimmt. Als Insolvenzverwalter setzte das Gericht Luigi Meleleo ein. Dieser ist nun dafür verantwortlich, das noch vorhandene Vermögen zu sichern, Forderungen zu prüfen und die Verwertung der Werte vorzubereiten.
Zugleich wies das Gericht nach übereinstimmenden italienischen Medienberichten den Antrag auf ein vorläufiges Vergleichsverfahren zurück. Brescia Calcio hatte damit versucht, Zeit für einen Sanierungs- oder Vergleichsplan zu gewinnen.
Die Angaben zur Schuldenhöhe unterscheiden sich geringfügig. Die Nachrichtenagentur ANSA berichtet von Verbindlichkeiten nahe 20 Millionen Euro. Der „Corriere della Sera“ nennt auf Grundlage des Gerichtsverfahrens ein finanzielles Defizit von etwa 23 Millionen Euro. Eine vollständig veröffentlichte Gläubigerliste liegt nach aktuellem Stand nicht vor.
Die Krise hatte sich bereits in der Saison 2024/25 zugespitzt. Das Sportgericht des italienischen Fußballverbandes FIGC verhängte gegen Brescia Calcio einen Abzug von insgesamt acht Punkten. Vier Punkte wurden noch in der laufenden Saison abgezogen, vier weitere sollten in der nächsten möglichen Spielzeit angerechnet werden.
Grund waren von der Finanzaufsicht Co.Vi.So.C. gemeldete administrative Verstöße. Im Mittelpunkt standen Verpflichtungen bei Steuern, Sozialabgaben und Zahlungen an Beschäftigte. Der Punktabzug veränderte die Abschlusstabelle der Serie B und führte zum Abstieg von Brescia.
Vereinsbesitzer Massimo Cellino erfüllte anschließend die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Anmeldung zur Serie C nicht. Die FIGC verweigerte dem Verein am 3. Juli 2025 die nationale Lizenz. Brescia Calcio schied damit nach 114 Jahren aus dem professionellen Spielbetrieb aus.
Warum das relevant ist
Brescia Calcio gehört zu den traditionsreichen Namen des italienischen Fußballs. Für den Klub spielten unter anderem Roberto Baggio, Pep Guardiola, Andrea Pirlo und Luca Toni. Zuletzt war Brescia in der Saison 2019/20 in der Serie A vertreten.
Die gerichtliche Liquidation betrifft nicht allein den Spielbetrieb. Sie entscheidet auch darüber, wie mit dem verbliebenen Vereinsvermögen, den Forderungen der Beschäftigten und anderen Ansprüchen der Gläubiger umgegangen wird.
Der Fall zeigt zugleich, wie eng die sportliche Zulassung eines Profivereins mit finanzieller Leistungsfähigkeit verbunden ist. Tabellenplätze allein sichern keinen Verbleib in einer Liga. Werden Gehälter, Steuern oder Sozialabgaben nicht fristgerecht gezahlt, können Punktabzüge und der Verlust der Lizenz folgen.
Für die Stadt Brescia bedeutet die Insolvenz dennoch nicht das Ende des Profifußballs. Mit Union Brescia ist bereits eine Mannschaft in der Serie C aktiv. Sie will in die Serie B aufsteigen.
Union Brescia ist allerdings nicht einfach die umbenannte insolvente Gesellschaft. Der Verein entstand 2025 aus der bisherigen Feralpisalò, die ihren Sitz nach Brescia verlegte und ihren Namen änderte. Sportlich knüpft Union Brescia an die Fußballtradition der Stadt an, rechtlich handelt es sich jedoch um eine andere Gesellschaft.
Was daraus folgt
Der Insolvenzverwalter übernimmt die Kontrolle über die verwertbaren Werte von Brescia Calcio. Dazu können Markenrechte, Trophäen, Forderungen, Ausstattungsgegenstände und weitere Vermögenspositionen gehören.
Gläubiger müssen ihre Ansprüche innerhalb der gerichtlich bestimmten Fristen anmelden. Nach Angaben des „Corriere della Sera“ endet die Anmeldefrist am 20. November 2026. Die Prüfung des Forderungsbestands ist demnach für den 22. Dezember vorgesehen.
Unmittelbare Auswirkungen hat die Entscheidung auch auf die historische Identität des Vereins. Welche Rechte Union Brescia erwerben oder künftig verwenden kann, hängt von der rechtlichen Zuordnung und möglichen Verwertung einzelner Vermögenswerte ab.
Die traditionsreiche Verbandsregistrierung von Brescia Calcio ist von der neuen Profimannschaft zu unterscheiden. Eine automatische Übertragung der gesamten Vereinsgeschichte oder der rechtlichen Identität auf Union Brescia erfolgt durch das Insolvenzverfahren nicht.
Was noch offen ist
Massimo Cellino hat nach Medienberichten angekündigt, die Entscheidung prüfen und möglicherweise anfechten zu lassen. Der „Corriere della Sera“ nennt eine Frist von 30 Tagen für einen Rechtsbehelf. Ob dieser tatsächlich eingelegt wird und welche Erfolgsaussichten bestehen, ist noch offen.
Unklar bleibt auch, welchen Erlös die vorhandenen Vermögenswerte erzielen können. Erst die Bestandsaufnahme durch den Insolvenzverwalter wird zeigen, welche Werte verfügbar sind und in welchem Umfang Forderungen der Gläubiger bedient werden können.
Noch nicht abschließend geklärt ist zudem, was mit den verbliebenen Markenrechten, Trophäen und anderen historischen Gütern geschieht. Möglich sind Verkäufe im Rahmen des Verfahrens. Konkrete Entscheidungen lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Fazit und Ausblick
Die gerichtliche Liquidation beendet die wirtschaftliche Eigenständigkeit des bisherigen Brescia Calcio. Der sportliche Zusammenbruch hatte sich bereits 2025 mit Punktabzug, Abstieg und Lizenzverlust vollzogen.
Nun beginnt die geordnete Abwicklung der Gesellschaft. Für die Gläubiger stehen die Feststellung und Verwertung des Vermögens im Mittelpunkt. Für die Anhänger geht es zugleich um die Frage, wo Name, Symbole und Erinnerungsstücke des 114 Jahre alten Vereins künftig ihren Platz finden.
Faktenüberblick
Thema: Insolvenz von Brescia Calcio
Ereignis / Entscheidung: Eröffnung der gerichtlichen Liquidation
Datum / Zeitraum: 28. Juli 2026; vorausgegangen war der Ausschluss aus dem Profifußball 2025
Ort / Region: Brescia, Lombardei, Italien
Zentrale Akteure: Gericht in Brescia, Massimo Cellino, Insolvenzverwalter Luigi Meleleo, FIGC
Betroffene: Gläubiger, frühere Beschäftigte und Vertragspartner sowie die Anhänger des Vereins
Wichtigste Folge: Das Vermögen von Brescia Calcio wird unter gerichtlicher Aufsicht abgewickelt
Stand der Informationen: Gerichtliche Liquidation eröffnet; möglicher Rechtsbehelf und Verwertung einzelner Vermögenswerte noch offen
Konkrete Folgen auf einen Blick
- Gläubiger müssen ihre Forderungen fristgerecht im Insolvenzverfahren anmelden.
- Der bisherige Eigentümer kann nicht mehr frei über das Vereinsvermögen verfügen.
- Marken, Trophäen und andere Werte können im Rahmen der Abwicklung verwertet werden.
- Union Brescia bleibt als eigenständiger Verein vom Insolvenzverfahren grundsätzlich getrennt.
- Fans müssen zwischen der Geschichte von Brescia Calcio und der rechtlichen Identität von Union Brescia unterscheiden.
Offene Punkte im Überblick
- Noch offen ist, ob Massimo Cellino tatsächlich Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegt.
- Unklar bleibt bislang, wie hoch die anerkannten Gesamtforderungen der Gläubiger ausfallen.
- Weitere Angaben zum vollständigen Vermögen von Brescia Calcio liegen noch nicht vor.
- Nicht entschieden ist, wer historische Markenrechte, Trophäen und Erinnerungsstücke übernimmt.
- Offen bleibt, in welchem Umfang die Gläubiger aus der Verwertung Zahlungen erhalten.
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FAQ
Ist Brescia Calcio endgültig aufgelöst?
Das Gericht hat die gerichtliche Liquidation eröffnet. Die Gesellschaft wird nun unter Leitung eines Insolvenzverwalters abgewickelt. Ein möglicher Rechtsbehelf wurde angekündigt, ist nach aktuellem Stand aber noch nicht abschließend geklärt.
Warum wurde Brescia Calcio insolvent?
Der Verein konnte seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr ausreichend erfüllen. Die Verbindlichkeiten werden in italienischen Medien auf rund 20 bis 23 Millionen Euro beziffert.
Warum musste Brescia aus der Serie B absteigen?
Ein Sportgericht verhängte 2025 wegen administrativer und finanzieller Verstöße insgesamt acht Minuspunkte. Vier Punkte wirkten sich sofort auf die Tabelle aus und führten zum Absturz auf einen Abstiegsplatz.
Spielt Brescia weiterhin im Profifußball?
In der Stadt spielt Union Brescia in der Serie C. Dieser Verein ist rechtlich nicht mit der insolventen Gesellschaft Brescia Calcio identisch.
Was passiert mit dem Namen und den Trophäen?
Das hängt davon ab, wem die einzelnen Rechte und Gegenstände rechtlich gehören und wie der Insolvenzverwalter sie verwertet. Abschließende Entscheidungen liegen noch nicht vor.
Können Gläubiger noch Geld erhalten?
Gläubiger können ihre Forderungen anmelden. Ob und in welcher Höhe Zahlungen möglich sind, richtet sich nach dem vorhandenen Vermögen und der Rangfolge der anerkannten Ansprüche.
Quellen
- ANSA: Gericht eröffnet die Liquidation von Brescia Calcio
- FIGC: Acht Punkte Abzug wegen administrativer Verstöße
- Corriere della Sera: Entscheidung, Forderungsfristen und möglicher Einspruch
- La Gazzetta dello Sport: Verfahren und finanzielle Lage
- Union Brescia: Offizielle Vereinsseite und Serie-C-Spielbetrieb
Die gerichtliche Entscheidung war zum Prüfzeitpunkt nicht über eine frei zugängliche Dokumentendatenbank des Gerichts abrufbar. Einzelheiten zum Beschluss beruhen deshalb auf übereinstimmenden Berichten italienischer Nachrichtenmedien.
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