Wer übernimmt die Hellweg-Filialen?

Wer übernimmt die Hellweg-Filialen?
Systembild: Die Zukunft der einzelnen Hellweg- und BayWa-Bau- und Gartenmärkte hängt vom laufenden Investorenprozess ab. © Presse.Online

Hellweg wird aufgeteilt: Investoren bieten für Filialen

Die insolventen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten werden voraussichtlich nicht als einheitliche Unternehmen fortgeführt. Nach Angaben der Sanierungsgeschäftsführung liegen für wesentliche Teile des Filialnetzes Angebote verschiedener Investoren vor. Die Märkte sollen deshalb auf mehrere Betreiber verteilt und künftig unter unterschiedlichen Marken geführt werden.

Welche Filialen übernommen werden und wer die jeweiligen Investoren sind, wurde noch nicht mitgeteilt. Zunächst müssen die zuständigen Gläubigerausschüsse den geplanten Transaktionen zustimmen. Nach der Unternehmensmitteilung vom 14. August 2026 soll über konkrete Ergebnisse voraussichtlich innerhalb von zwei Wochen informiert werden.

Investoren bieten auf unterschiedliche Filialgruppen

Zum Filialnetz gehören derzeit 68 Hellweg Profi-Bau- und Gartenmärkte sowie 46 BayWa Bau- und Gartenmärkte. Hellweg beschäftigt rund 2.900 Menschen, bei BayWa Bau & Garten arbeiten etwa 1.300 Beschäftigte. Damit sind insgesamt rund 4.200 Arbeitsplätze von den laufenden Sanierungsverfahren betroffen.

Die potenziellen Investoren haben nach Angaben der Sanierungsgeschäftsführung teilweise auf dieselben Filialgruppen geboten. Die Angebote unterscheiden sich sowohl bei der Zahl der Standorte als auch bei den Konzepten für deren Fortführung.

Die Sanierungsgeschäftsführer erwarten, dass ein wesentlicher Teil der Märkte einschließlich der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf neue Betreiber übertragen werden kann. Eine konkrete Zahl der gesicherten Standorte oder Arbeitsplätze nennt das Unternehmen bislang nicht.

Auch die künftigen Marken der übernommenen Märkte stehen noch nicht fest. Damit ist offen, an welchen Standorten der Name Hellweg erhalten bleibt oder vollständig durch andere Handelsmarken ersetzt wird.

Zentralen in Dortmund und Garching werden geschlossen

Die Verteilung der Filialen auf mehrere Betreiber hat unmittelbare Folgen für die bisherige Konzernstruktur. Die Unternehmenszentralen von Hellweg in Dortmund und von BayWa Bau & Garten in Garching bei München sollen geschlossen werden. Eine gemeinsame Unternehmensleitung werde nach der Übertragung der Märkte nicht mehr benötigt, heißt es in der Mitteilung.

Von den Schließungen sind insgesamt rund 340 Beschäftigte betroffen. Welche arbeitsrechtlichen Lösungen für sie vorgesehen sind und zu welchen Zeitpunkten einzelne Arbeitsverhältnisse enden könnten, wurde bislang nicht näher erläutert.

Die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs ist nach Unternehmensangaben für die kommenden Monate gesichert. Die Gehälter sollen auch nach dem Auslaufen des Insolvenzgeldzeitraums bis einschließlich November 2026 gezahlt werden können. Dies gelte ebenfalls für Beschäftigte der Zentralen und für Mitarbeiter an Standorten, für die keine Übernahmelösung gefunden wird.

Die Gehaltszahlung bis November bedeutet allerdings keine langfristige Arbeitsplatzgarantie. Für Beschäftigte in den Filialen hängt die weitere Perspektive davon ab, ob ihr Standort tatsächlich übertragen wird und zu welchen Bedingungen der jeweilige Investor den Markt fortführt.

Nicht für alle Märkte liegt bereits ein Angebot vor

Der Investorenprozess ist noch nicht abgeschlossen. Für Filialen ohne konkretes Übernahmeangebot soll bis Ende August weiter nach einer Lösung gesucht werden. Welche Standorte davon betroffen sind, hat die Sanierungsgeschäftsführung nicht veröffentlicht.

Auch bereits vorliegende Angebote sind noch nicht endgültig umgesetzt. Vertragliche Einzelheiten müssen geklärt werden, zudem ist die Zustimmung der zuständigen Gläubigerausschüsse erforderlich. Erst danach lässt sich verlässlich feststellen, wie viele der 114 Märkte und der rund 4.200 Arbeitsplätze tatsächlich erhalten bleiben.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Gerrit Hölzle von der Wirtschaftskanzlei GÖRG, der die Verfahren gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Karl-Friedrich Curtze als Restrukturierungsgeschäftsführer steuert, erklärte, eine Fortführung von Hellweg und BayWa Bau & Garten „in ihrer bisherigen Struktur als jeweils Ganzes“ lasse sich nicht darstellen.

Insolvenzverfahren sollen Ende August eröffnet werden

Hellweg und BayWa Bau & Garten hatten Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht ordnete für beide Gesellschaften die vorläufige Eigenverwaltung an.

Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung dabei grundsätzlich handlungsbefugt. Sie führt die Unternehmen gemeinsam mit den eingesetzten Sanierungsexperten weiter. Der vorläufige Sachwalter Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL überwacht die Interessen der Gläubiger.

Als Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen Lieferkettenprobleme, geopolitische Unsicherheiten, eine schwache Konsumnachfrage, steigende Mieten und inflationsbedingte Kostensteigerungen. Diese Darstellung stammt von den betroffenen Gesellschaften; eine unabhängig geprüfte Aufschlüsselung der Ursachen wurde nicht veröffentlicht.

Die derzeit noch vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren sollen voraussichtlich Ende August 2026 durch das Amtsgericht Essen eröffnet werden. Etwa zur selben Zeit werden konkrete Angaben dazu erwartet, welche Filialen an welche Betreiber gehen. Bis dahin bleibt insbesondere für die Märkte ohne Übernahmeangebot offen, ob und wie der Betrieb nach November fortgeführt werden kann.

Offene Fragen

  • Welche der 114 Filialen werden tatsächlich übernommen?
  • Welche Investoren erhalten den Zuschlag?
  • Unter welchen Marken werden die einzelnen Märkte weitergeführt?
  • Wie viele Arbeitsplätze bleiben nach Abschluss der Übertragungen erhalten?
  • Was geschieht mit Standorten, für die bis Ende August kein Angebot vorliegt?

Quellen und Transparenz

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