Polizeischuss in München trifft 14-Jährigen
Polizeischuss in München: 14-Jähriger schwer verletzt
Ein Zivilpolizist hat am Dienstagabend in München-Schwabing einen 14-Jährigen durch einen Schuss in den Oberkörper schwer verletzt. Nach Darstellung der Polizei hatte der Jugendliche eine täuschend echt wirkende Softair-Pistole in der Hand und sich damit zu den Beamten umgedreht.
Der Schüler wurde in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Sein Zustand sei stabil, erklärte Polizeisprecher Thomas Schelshorn am Mittwoch. Ob der Schusswaffengebrauch rechtmäßig war, wird nun vom Bayerischen Landeskriminalamt unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft München I geprüft.
Notruf meldete vermeintlich bewaffneten Mann
Der Einsatz begann nach Polizeiangaben am 18. August gegen 17.15 Uhr. Ein Passant meldete über den Notruf einen vermeintlich etwa 20 Jahre alten Mann, der im Bereich des U-Bahnhofs Hohenzollernplatz offen mit einer schwarzen Pistole hantiere. Die Person sei anschließend in einen Linienbus in Richtung Kurfürstenplatz gestiegen.
Die Polizei leitete daraufhin eine größere Fahndung mit zivilen und uniformierten Kräften ein. Gegen 17.30 Uhr entdeckten zwei Zivilbeamte den Gesuchten nach Behördenangaben an der Kreuzung Herzogstraße und Belgradstraße. Der Jugendliche war in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Mädchens und bewegte sich in Richtung einer Straßenbahnhaltestelle.
Der 14-Jährige sei von Zeugen und Einsatzkräften deutlich älter eingeschätzt worden. Weil er keinen Ausweis bei sich hatte, konnte seine Identität erst später festgestellt werden.
Polizei schildert Bewegung wie beim Durchladen einer Waffe
Nach der bislang ausschließlich behördlich geschilderten Rekonstruktion zog der Jugendliche einen waffenähnlichen Gegenstand aus seiner Hose. Dabei habe er Bewegungen ausgeführt, die auf die Beamten wie das Durchladen einer Pistole gewirkt hätten.
Die Zivilpolizisten hätten ihn lautstark aufgefordert, den Gegenstand fallen zu lassen. Stattdessen habe sich der 14-Jährige mit der vermeintlichen Pistole in der Hand zu ihnen umgedreht. Einer der Beamten gab daraufhin einen Schuss ab und traf den Schüler am Oberkörper.
Die Einsatzkräfte leisteten nach Angaben der Polizei sofort Erste Hilfe und alarmierten den Rettungsdienst. Der Jugendliche wurde in eine Klinik gebracht und operiert.
Die bisher veröffentlichte Darstellung stammt im Wesentlichen von der Polizei. Eine abgeschlossene unabhängige Bewertung des Ablaufs liegt noch nicht vor.
Softair-Pistole ähnelte einer echten Beretta 92
Bei dem sichergestellten Gegenstand handelte es sich nicht um eine scharfe Schusswaffe, sondern um eine Softair-Pistole. Diese sah nach Angaben der Polizei einer Beretta 92 im Kaliber 9 Millimeter täuschend ähnlich.
Gerade diese äußerliche Ähnlichkeit ist für die Bewertung der konkreten Einsatzsituation von Bedeutung. Offen ist jedoch, welche Entfernung zwischen dem Jugendlichen und den Beamten bestand, wie viel Zeit zwischen der Aufforderung und dem Schuss verging und ob weitere Handlungsoptionen bestanden. Diese Fragen gehören zur laufenden Prüfung des Einsatzes.
Gegen den 14-Jährigen ermittelt das zuständige Kommissariat 24 der Münchner Kriminalpolizei wegen des Verdachts der Bedrohung. Dass ein Ermittlungsverfahren geführt wird, bedeutet keine Feststellung strafrechtlicher Schuld.
LKA und Staatsanwaltschaft prüfen den Polizeischuss
Das Sachgebiet 131 des Bayerischen Landeskriminalamtes untersucht den Schusswaffengebrauch unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft München I. Die Staatsanwaltschaft hat nach übereinstimmenden Medienberichten ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet.
Der Beamte, der geschossen hatte, werde gegenwärtig nicht als Beschuldigter geführt, erklärte Polizeisprecher Schelshorn. Er und die anderen unmittelbar beteiligten Polizisten hätten Zeugenstatus. Diese Einordnung kann sich grundsätzlich ändern, wenn sich im Zuge der Prüfung ein Anfangsverdacht ergibt.
Die Polizei teilte auch mit, dass der Jugendliche türkischer Staatsangehöriger sei, 2023 mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen sei und einen Asylantrag gestellt habe. Dieser sei abgelehnt und eine Abschiebung angedroht worden. Ein sachlicher Zusammenhang zwischen dem aufenthaltsrechtlichen Status des Minderjährigen und dem Polizeieinsatz ist bislang nicht erkennbar. Für die Prüfung des Schusswaffengebrauchs ist maßgeblich, wie sich die konkrete Situation aus Sicht der Beteiligten darstellte.
Offene Fragen
- Welche Videoaufnahmen und unabhängigen Zeugenaussagen liegen den Ermittlern vor?
- Welchen Abstand hielten der Jugendliche und der schießende Beamte voneinander?
- Wie genau hielt oder bewegte der 14-Jährige die Softair-Pistole?
- Wie viel Zeit verging zwischen der polizeilichen Aufforderung und dem Schuss?
- Zu welchem Ergebnis kommen das Bayerische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft München I bei der rechtlichen Prüfung?
Die Polizei sucht weitere Zeugen. Wer am 18. August zwischen etwa 17.15 und 17.40 Uhr im Bereich Herzogstraße, Belgradstraße oder an der Haltestelle Clemensstraße Beobachtungen gemacht hat, kann sich unter 089 2910-0 an das Polizeipräsidium München oder an jede andere Polizeidienststelle wenden.
Quellen und Transparenz
- Polizeipräsidium München: Angaben des Polizeisprechers Thomas Schelshorn bei einer Pressekonferenz am 19. August 2026; eine unmittelbar verlinkbare schriftliche Mitteilung mit sämtlichen Details war zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht auffindbar.
- Staatsanwaltschaft München I: laut Medienberichten Sachleitung und Einleitung eines Vorermittlungsverfahrens; auf der Pressemitteilungsseite der Staatsanwaltschaft war dazu zum Veröffentlichungszeitpunkt keine eigene Mitteilung verfügbar.
- Süddeutsche Zeitung: „Polizei schießt auf 14-jährigen Schüler wie es dazu kam“, 19. August 2026, ergänzender Medienbericht.
- Abendzeitung München: „Polizeischuss in Schwabing: 14-jähriger Jugendlicher niedergeschossen“, aktualisierter Medienbericht und Zeugenaufruf.
- t-online: „Jungen drohte Abschiebung: Polizei schießt 14-Jährigen in München nieder“, 19. August 2026, ergänzender Medienbericht.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite. Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.