Swingerparty im Rathaus Mannheim: Antrag fehlt

Swingerparty im Rathaus Mannheim: Antrag fehlt
Julien Ferrat will eine sogenannte politische Swingerparty im Mannheimer Rathaus veranstalten. Einen vollständigen Antrag hat der Stadtrat bislang nicht eingereicht. © Kisica Foksic

Swingerparty im Mannheimer Rathaus: Stadt stoppt Ferrats Pläne

Mannheim. Eine angekündigte Swingerparty im Mannheimer Rathaus wird nach aktuellem Stand nicht stattfinden. Stadtrat Julien Ferrat von der Wählervereinigung „Die Mannheimer“ hat bislang weder einen offiziellen Antrag gestellt noch die Angaben geliefert, die für eine Prüfung erforderlich wären.

Es fehlen nach Auskunft der Stadt Mannheim ein Termin, ein konkreter Veranstaltungsraum und eine nachvollziehbare Erklärung, welchen Bezug das Vorhaben zu Ferrats kommunalpolitischem Mandat haben soll. Damit ist die öffentlich verbreitete Ankündigung bislang kein genehmigungsfähiges Veranstaltungskonzept.

Viel Provokation, aber noch kein offizieller Antrag

Ferrat hatte angekündigt, eine „politische Swingerparty“ möglichst im Rathaus abhalten zu wollen. Die Veranstaltung soll unter dem Motto „Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“ stehen. Sollte das Rathaus nicht zur Verfügung stehen, könne die Zusammenkunft nach seinen Angaben auch in privaten Räumen stattfinden.

Die Stadtverwaltung hatte Ferrat aufgefordert, sein Vorhaben zu konkretisieren. Nach Angaben einer Stadtsprecherin lieferte er jedoch „keine der gewünschten konkreten Informationen“: weder ein Datum noch einen Raum oder den Bezug der angedachten Veranstaltung zu seinem kommunalpolitischen Mandat.

Hinzu kommt, dass Ferrat den notwendigen Antrag auf Durchführung der Veranstaltung im Rathaus bislang nicht gestellt hat. Ohne einen solchen Antrag gibt es keine formelle Grundlage, über eine Raumüberlassung zu entscheiden.

Die Verwaltung hatte bereits Anfang August erklärt, aufgrund der nur rudimentären Informationen bestünden „erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit und Durchführbarkeit“ der Pläne.

Ferrat nennt rund 50 Interessierte

Ferrat begründet den fehlenden Antrag damit, dass wesentliche Einzelheiten noch nicht feststünden. Dazu gehörten die tatsächliche Zahl der Teilnehmenden, der Termin und die benötigte Raumgröße. Sobald er einen genaueren Überblick habe, wolle er die nächsten Schritte einleiten.

Nach seiner Darstellung haben sich rund 50 Menschen per E-Mail oder über soziale Netzwerke interessiert gezeigt. Ob und wie viele von ihnen tatsächlich an einer Veranstaltung teilnehmen würden, ist offen. Eine unabhängige Bestätigung der Zahl liegt nicht vor.

Personen, die er noch nicht persönlich kenne, wolle Ferrat nach eigener Aussage zunächst zu einem „verbindlichen Gruppensex-Training“ einladen. Seine politische Inszenierung fasst er in dem Satz zusammen: „Gruppensex mit dem Stadtrat dürfte das Nonplusultra an Bürgernähe sein.“

Das Zitat macht den Charakter der Ankündigung deutlich: Ferrat verbindet sexuelle Provokation mit dem Anspruch, eine politische Kampagne zu betreiben. Ob diese Selbsteinordnung genügt, um eine entsprechende Veranstaltung in einem öffentlichen Verwaltungsgebäude als kommunalpolitische Tätigkeit zu behandeln, hat die Stadt nicht entschieden.

Ein öffentliches Amt ist keine private Veranstaltungsbefugnis

Der Fall berührt eine Grenze, die über die ungewöhnliche Ankündigung hinausgeht: Ein kommunalpolitisches Mandat eröffnet einem Stadtrat nicht automatisch die Möglichkeit, öffentliche Räume für jede als politisch bezeichnete Aktion zu nutzen.

Das Rathaus ist ein Verwaltungsgebäude und kein Raum, über den ein einzelnes Mitglied des Gemeinderats frei verfügen kann. Die Stadt muss deshalb nicht nur organisatorische Fragen wie Termin, Raumgröße und Teilnehmerzahl prüfen. Sie muss auch bewerten können, ob ein ausreichender Zusammenhang mit der kommunalpolitischen Tätigkeit besteht und ob eine Raumüberlassung überhaupt zulässig wäre.

Genau diese Prüfung ist derzeit nicht möglich, weil Ferrat die notwendigen Angaben und den offiziellen Antrag noch nicht eingereicht hat. Seine öffentliche Ankündigung schafft weder eine Genehmigung noch einen Anspruch auf einen Raum im Rathaus.

Auch die Formulierung „Swingerparty im Rathaus“ beschreibt daher bislang kein bevorstehendes Ereignis. Sie bezeichnet den Wunsch eines einzelnen Stadtrats, dessen Umsetzung ungeklärt und nach Einschätzung der Verwaltung erheblich zweifelhaft ist.

Politische Aufmerksamkeit ersetzt keine Sachentscheidung

Ferrat wirbt bereits seit 2025 für die Idee eines FKK- und Swingerangebots als touristisches Konzept für Mannheim. Im vergangenen Jahr organisierte er eine als politische Bildungsfahrt bezeichnete Reise nach Cap d’Agde in Südfrankreich. Ein entsprechender Aufruf war damals im Mannheimer Amtsblatt erschienen.

Mit der jetzigen Rathausankündigung versucht Ferrat erneut, seine Vorstellungen öffentlichkeitswirksam mit kommunaler Wirtschafts- und Tourismuspolitik zu verbinden. Seine Berechnungen zu möglichen Einnahmen eines FKK-Swingerangebots beruhen allerdings auf seinem eigenen Konzept. Eine belastbare kommunale Wirtschaftlichkeitsprüfung oder Planung der Stadt Mannheim liegt nicht vor.

Kritik an dem Vorstoß darf sich deshalb nicht in Empörung über private Sexualität erschöpfen. Die politische Frage lautet vielmehr, ob ein gewählter Mandatsträger das Rathaus und die mit seinem Amt verbundene Aufmerksamkeit für eine Aktion beanspruchen kann, deren kommunalpolitischer Gehalt von der Stadt bislang nicht festgestellt werden kann.

Ferrat kann einen vollständigen Antrag einreichen. Erst dann muss die Verwaltung den konkreten Einzelfall prüfen und eine begründete Entscheidung treffen. Bis dahin bleibt die angebliche Rathausparty vor allem eine medienwirksame Ankündigung.

Offene Fragen

  • Wann will Ferrat einen offiziellen Antrag auf Raumüberlassung stellen?
  • Welcher konkrete kommunalpolitische Zweck soll mit der Veranstaltung verfolgt werden?
  • Wer soll Veranstalter sein und die organisatorische Verantwortung übernehmen?
  • Welche Teilnahme-, Sicherheits- und Nutzungsvoraussetzungen wären vorgesehen?
  • Würde Ferrat gegen eine mögliche Ablehnung tatsächlich rechtlich vorgehen?

Quellen und Transparenz

Die Angaben zu rund 50 Interessierten und zum geplanten „Gruppensex-Training“ stammen von Julien Ferrat. Eine Teilnehmerliste oder unabhängige Bestätigung liegt Presse.Online nicht vor.

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