Neue Spur nach Sprengstoffdrohne in Leipzig
Dritte Drohne mit Sprengstoff nahe Flughafen Leipzig gefunden
Nach dem Fund einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle ist offenbar ein drittes Fluggerät nahe dem Airport entdeckt worden. Nach gemeinsamen Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR fanden Ermittler die Drohne am 14. August auf einem Feld im Kabelsketal.
Kriminaltechniker des Bundeskriminalamts sollen am Fundort rund 50 Gramm Hexogen sichergestellt haben. Eine amtliche Mitteilung zu diesem Fund lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Ungeklärt ist insbesondere, welche Funktion die dritte Drohne bei dem mutmaßlichen Anschlagsversuch hatte.
Dritter Drohnenfund erweitert die Ermittlungen
Der neue Fundort liegt außerhalb des Flughafengeländes. Nach den Medienberichten gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass bei dem Vorfall mehrere Drohnen eingesetzt wurden.
Eine erste Drohne wurde am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle entdeckt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren an ihr professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht. Die Ermittlungsbehörde sieht zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass mit dem Fluggerät eine Explosion verursacht werden sollte.
Im Zusammenhang mit der vorübergehenden Sperrung des Flughafens musste eine Frachtmaschine ihren Landeanflug abbrechen. Das Flugzeug kollidierte dabei im erweiterten Bereich des Flughafens mit einem Gegenstand, bei dem es sich nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft mutmaßlich um eine weitere Drohne handelte. Nach der späteren Landung in Hannover wurden leichte Schäden an der Maschine festgestellt.
Mit dem Fund im Kabelsketal stehen damit möglicherweise drei Fluggeräte im Zusammenhang mit dem Geschehen: die Sprengstoffdrohne auf dem Flughafengelände, das mutmaßliche Kollisionsobjekt und die am 14. August entdeckte Drohne.
Rund 50 Gramm Hexogen am Fundort sichergestellt
Bei dem nahe dem Flughafen gefundenen Sprengstoff soll es sich um Hexogen handeln. Der auch als RDX bezeichnete Stoff ist ein hochexplosiver Sprengstoff, der unter anderem für militärische Zwecke verwendet wird.
Aus den bislang veröffentlichten Medienberichten geht nicht eindeutig hervor, wie der Sprengstoff an der dritten Drohne angebracht war und ob er detonationsfähig vorbereitet worden war. Auch zur Bauart, Flugroute und möglichen Steuerung des Geräts wurden zunächst keine belastbaren amtlichen Einzelheiten bekannt.
In Kursdorf, nördlich des Flughafens, sollen Ermittler zudem eine technische Konstruktion sichergestellt haben. Nach den gemeinsamen Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR wird geprüft, ob sie zur Steuerung einer Drohne gedient haben könnte.
Diese Hinweise sprechen für eine umfangreichere Vorbereitung als zunächst öffentlich bekannt. Ob alle Fundstücke tatsächlich demselben Tatkomplex zugeordnet werden können, müssen die kriminaltechnischen Untersuchungen zeigen.
Ziel der Sprengstoffdrohne bleibt Gegenstand der Ermittlungen
Die erste Drohne wurde in der Nähe ukrainischer Antonow-Frachtmaschinen entdeckt. Medienberichten zufolge traf das Fluggerät zuvor die Tragfläche einer Antonow-Maschine und fiel anschließend zu Boden. Der Sprengsatz explodierte nicht.
Die betreffenden Flugzeuge waren nach Angaben der Mitteldeutschen Flughafen AG zum Zeitpunkt des Vorfalls leer. Eine Maschine soll allerdings am Vortag Munition für die Ukraine transportiert haben. Daraus folgt bislang nicht, dass dieses Flugzeug zweifelsfrei das Ziel des mutmaßlichen Anschlags war.
Die Bundesanwaltschaft spricht offiziell von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“. Ermittelt wird wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Das Bundeskriminalamt führt die polizeilichen Ermittlungen.
Urheberschaft ist weiterhin nicht abschließend geklärt
Sicherheitskreise vermuten nach den Medienrecherchen eine Beteiligung russischer Nachrichtendienste. Eine abschließende amtliche Zuschreibung gibt es bislang jedoch nicht. Russland weist eine Verantwortung zurück.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte nach dem ersten Fund von einem möglichen „hybriden Anschlagsszenario“ gesprochen, eine konkrete staatliche Urheberschaft aber nicht bestätigt. Er verwies darauf, dass eine belastbare Beweiskette erforderlich sei.
Offen ist weiterhin, wer die Drohnen startete und steuerte, von welchem Ort aus dies geschah und ob weitere Personen oder technische Einrichtungen beteiligt waren. Auch die genaue Verbindung zwischen dem Fund im Kabelsketal, dem mutmaßlichen Kollisionsobjekt und der Sprengstoffdrohne auf dem Airportgelände ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Offene Fragen
- Welche Aufgabe hatte die am 14. August gefundene dritte Drohne?
- War der sichergestellte Sprengstoff an diesem Fluggerät angebracht und einsatzbereit?
- Von wo aus wurden die Drohnen gestartet und gesteuert?
- Lässt sich die Konstruktion aus Kursdorf einem der Fluggeräte zuordnen?
- Welche Personen oder staatlichen Stellen standen hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch?
Quellen und Transparenz
- Generalbundesanwalt: Übernahme der Ermittlungen nach Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle, Mitteilung vom 6. August 2026, Primärquelle.
- Tagesschau: Bundesanwaltschaft ermittelt zum Drohnenfund, 6. August 2026, ergänzender Medienbericht mit Angaben der Bundesanwaltschaft.
- Tagesschau: Anschlag auf Munitionstransporte geplant?, 6. August 2026, gemeinsame Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.
- Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR: gemeinsame Recherche zum Fund einer dritten Drohne am 14. August 2026; die berichteten Einzelheiten sind bislang nicht vollständig durch eine öffentlich zugängliche amtliche Mitteilung bestätigt.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite. Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.