Autohaus König insolvent, Betrieb läuft weiter

Autohaus König insolvent, Betrieb läuft weiter
Systembild: Die Autohaus-König-Gruppe befindet sich im vorläufigen Insolvenzverfahren. Verkauf, Werkstätten und Service sollen zunächst weiterlaufen. © Presse.Online

Autohaus König insolvent: Rund 1.200 Beschäftigte betroffen

Die Berliner Autohaus-König-Gruppe befindet sich in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Das Amtsgericht Charlottenburg bestellte Rechtsanwalt Rainer Eckert zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Autohaus Gotthard König GmbH sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft Autohaus König GmbH mit Sitz in Teltow.

Nach Angaben der Verfahrensbeteiligten sind rund 1.200 Beschäftigte und etwa 84 Standorte in sechs ostdeutschen Bundesländern betroffen. Damit gerät einer der größten Mehrmarkenhändler Ostdeutschlands und einer der größten Renault-Vertragshändler Deutschlands in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Betrieb an den Standorten läuft zunächst weiter

Für Kundinnen und Kunden soll sich vorerst wenig ändern. Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen würden an allen Standorten fortgeführt, teilten das Unternehmen und der vorläufige Insolvenzverwalter am 2. September mit.

Auch laufende Reparaturen, Bestellungen und andere Aufträge sollen planmäßig bearbeitet werden. Diese Angaben beschreiben allerdings den aktuellen Stand des vorläufigen Verfahrens. Eine dauerhafte Bestandsgarantie für sämtliche Niederlassungen oder Verträge ist damit nicht verbunden.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei bereits geleisteten Anzahlungen geboten. Geschäftsführung und Insolvenzverwaltung erklärten, gemeinsam mit den jeweiligen Herstellerpartnern nach individuellen Lösungen zu suchen. Kunden sollten deshalb ihre Vertragsunterlagen und Zahlungsbelege aufbewahren und sich direkt bei ihrem Autohaus nach dem Bearbeitungsstand erkundigen.

Renault erklärte gegenüber dem Fachmedium „kfz-betrieb“, dass Kunden bei den Serviceleistungen der Marken Renault und Dacia keine Einschränkungen entstehen sollten. Auch Stellantis kündigte an, mögliche Fortführungs-, Sanierungs- oder Nachfolgelösungen konstruktiv zu begleiten.

August-Löhne sollen über Insolvenzgeld gezahlt werden

Die Gehälter der rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nach Angaben der Verfahrensbeteiligten im vorläufigen Verfahren abgesichert. Die noch ausstehenden August-Löhne sollen rückwirkend über das Insolvenzgeld ausgezahlt werden.

Wie viele Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können, steht noch nicht fest. Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, Insolvenzverwalter, Hersteller und Herstellerbanken arbeiten an einem Fortführungskonzept. Dabei geht es sowohl um die Zukunft der einzelnen Niederlassungen als auch um die Fortsetzung der Händlerverträge.

Die Autohausgruppe betreibt Standorte in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Renault, Dacia, Opel, Fiat, Jeep, Citroën, Kia und BYD.

Zahlungsunfähigkeit trifft Händler im Branchenumbau

Als unmittelbaren Anlass für das Verfahren nennt der vorläufige Insolvenzverwalter die eingetretene Zahlungsunfähigkeit. Diese stehe im Zusammenhang mit tiefgreifenden Veränderungen im Automobilhandel: dem Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb, wachsendem Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter und einem stagnierenden Neuwagengeschäft.

Die Erklärung stammt von den Verfahrensbeteiligten und beschreibt deren Einordnung der wirtschaftlichen Ursachen. Detaillierte Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten, zur Liquiditätsentwicklung oder zum konkreten Sanierungsbedarf enthält die Mitteilung nicht.

Nach Recherchen des Handelsblatts wurde der Insolvenzantrag bereits am 26. August 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht. Das Gericht bestellte Eckert am 1. September zum vorläufigen Insolvenzverwalter und setzte einen vorläufigen Gläubigerausschuss ein.

Vom Berliner Familienbetrieb zur überregionalen Gruppe

Gotthard und Marianne König gründeten das Unternehmen 1966 als freie Kfz-Werkstatt in West-Berlin. Seit 1980 ist die Gruppe Renault-Vertragspartner. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Familienbetrieb zu einer der größten Autohandelsgruppen in Ostdeutschland.

Noch Anfang Januar 2026 hatte Autohaus König die Standorte des zuvor insolventen Autozentrums Treskow in Neuruppin und Zehdenick übernommen. Inzwischen konzentrieren sich die Gespräche mit Renault, Stellantis und den Finanzierungspartnern auf die Fortführung und Sanierung der eigenen Gruppe.

Ob alle Niederlassungen erhalten bleiben und wie die Händlerverträge langfristig ausgestaltet werden, ist noch offen. Auch ein Termin für die Entscheidung über die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens wurde bislang nicht öffentlich genannt.

Offene Fragen

  • Welche der rund 84 Standorte können langfristig fortgeführt werden?
  • Wie wird mit Anzahlungen verfahren, wenn einzelne Fahrzeugbestellungen nicht erfüllt werden können?
  • Bleiben sämtliche Händler- und Serviceverträge mit den vertretenen Marken bestehen?
  • Wie viele der rund 1.200 Arbeitsplätze lassen sich durch das Sanierungskonzept sichern?
  • Wann entscheidet das Amtsgericht über die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens?

FAQ zur Insolvenz von Autohaus König

Laufen Werkstatttermine und Reparaturen weiter?

Ja, nach Angaben des Unternehmens und des vorläufigen Insolvenzverwalters werden Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Service vorerst fortgeführt. Kunden sollten ihren konkreten Termin dennoch direkt bestätigen lassen.

Werden bereits bestellte Fahrzeuge ausgeliefert?

Laufende Fahrzeugbestellungen sollen planmäßig bearbeitet werden. Ob dies in jedem Einzelfall möglich ist, hängt unter anderem vom Vertragsstatus, der Finanzierung und der Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Hersteller ab.

Was gilt für bereits geleistete Anzahlungen?

Die Insolvenzverwaltung und die Geschäftsführung wollen gemeinsam mit den Herstellerpartnern individuelle Lösungen finden. Eine pauschale Zusage für jeden Vertrag liegt bislang nicht vor. Betroffene sollten Zahlungsnachweise und Vertragsunterlagen bereithalten.

Sind alle Standorte von einer Schließung bedroht?

Konkrete Schließungen wurden bislang nicht angekündigt. Ziel des Verfahrens ist nach Angaben der Beteiligten, möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten. Eine Garantie für das vollständige Filialnetz gibt es derzeit nicht.

Quellen und Transparenz

Transparenzhinweis: In ersten Medienberichten war von 82 Standorten die Rede. Die gemeinsame Pressemitteilung von Unternehmen und Insolvenzverwalter nennt rund 84 Standorte. Presse.Online verwendet deshalb den aktuelleren, zugleich als ungefähre Angabe gekennzeichneten Stand von rund 84 Niederlassungen.

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