Neue Gewaltvorwürfe an Ludwigshafener Schule

Neue Gewaltvorwürfe an Ludwigshafener Schule
Systembild: Die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen steht erneut wegen Gewaltvorwürfen und mutmaßlicher Geldforderungen unter Druck. Das Motiv stellt keine konkrete Tat dar. © KI-generierte Illustration

Schutzgeld-Verdacht und neue Gewaltvorwürfe an Ludwigshafener Schule

An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen gibt es neue Vorwürfe über Gewalt und mutmaßliche Schutzgelderpressung. Jüngere Schüler sollen regelmäßig Taschengeld an andere Jugendliche abgeben müssen. Zudem soll ein 14-Jähriger mit einem Messer bedroht worden sein.

Über den Vorfall berichtete zunächst die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf einen anonym bleibenden Lehrer. Danach ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung und Bedrohung. Eine öffentlich zugängliche Mitteilung der Polizei mit näheren Angaben zu Tatzeit, Tatablauf und möglichen Tatverdächtigen lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.

Ausschuss berät über mutmaßliche Schutzgelderpressung

Der Bildungsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz befasst sich am 3. September mit der Lage an der Karolina-Burger-Realschule plus. Grundlage ist ein Antrag der AfD-Fraktion mit dem Titel „Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen: Dienstaufsichtsbeschwerden und mutmaßliche Schutzgelderpressung“.

Der Antrag wurde nach Angaben der Fraktion bereits am 2. Juni 2026 eingereicht. Die Landesregierung soll darlegen, welche Erkenntnisse ihr über mögliche Schülergruppen, die Abgabe von Taschengeld und die Sicherheitslage für Schüler und Lehrkräfte vorliegen.

Die Bezeichnung „Schutzgelderpressung“ beschreibt bislang einen Verdacht. Öffentlich zugängliche Angaben dazu, wie viele Kinder betroffen sein könnten, welche Geldbeträge verlangt worden sein sollen oder ob bereits Tatverdächtige ermittelt wurden, liegen nicht vor.

Auch die von der „Bild“-Zeitung genannte Zahl von fünf Dienstaufsichtsbeschwerden bedarf einer amtlichen Einordnung. Im März 2026 hatten die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz und das Bildungsministerium gegenüber dem SWR drei Beschwerden gegen den damaligen Schulleiter bestätigt. Sie stammten nach SWR-Informationen aus dem Personalrat, dem Schulleitungsteam und von einer Lehrkraft.

Wiederholte Polizeieinsätze belasteten den Schulbetrieb

Die Karolina-Burger-Realschule plus war bereits im Schuljahr 2025/2026 wegen zahlreicher Sicherheitsvorfälle in die Schlagzeilen geraten. Dazu zählten Fehlalarme, Reizgasvorfälle und Polizeieinsätze. Seit Ende Januar 2026 zeigte die Polizei zeitweise regelmäßig Präsenz auf dem Schulgelände.

Bei drei Reizgasvorfällen Ende Januar wurden nach Angaben des SWR insgesamt 41 Schüler und Lehrkräfte verletzt. Als Tatverdächtige wurden Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren sowie ein strafunmündiges 13-jähriges Kind genannt. Die Polizei schloss ihre Ermittlungen ab und übergab die Verfahren an die Staatsanwaltschaft Frankenthal.

Bereits am 28. Mai 2025 hatte eine damals 16-jährige Schülerin eine Lehrerin im Lehrerzimmer mit einem Messer bedroht. Andere Lehrkräfte hielten die Jugendliche bis zum Eintreffen der Polizei fest. Verletzt wurde niemand. Später ordnete ein Gericht ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an; die Staatsanwaltschaft legte gegen die Entscheidung Revision ein.

Die früheren Vorfälle belegen jedoch nicht automatisch die jetzt erhobenen Schutzgeldvorwürfe. Diese müssen eigenständig aufgeklärt werden.

Land tauschte die Schulleitung aus

Zum Beginn des neuen Schuljahres eskalierte auch der Konflikt innerhalb des Kollegiums. Nach Angaben der Schulaufsicht meldeten sich zeitweise 18 von 56 Lehrkräften krank. Mehrere Beschäftigte hatten gegenüber dem SWR von anhaltenden Belastungen, Gewalt und unzureichender interner Kommunikation berichtet.

Das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion kündigten daraufhin im August eine personelle Neuaufstellung der Schulleitung an. Das Land begründete den Schritt damit, dass die intensive Begleitung der Schule nicht zu einer nachhaltigen personellen Stabilisierung geführt habe.

Vorgesehen wurden eine engmaschigere Begleitung durch die Schulaufsicht, Supervision und weitere organisatorische Unterstützung. Welche konkreten Zuständigkeiten, Zeitpläne und überprüfbaren Sicherheitsziele das Maßnahmenpaket enthält, wurde zunächst nicht vollständig öffentlich erläutert.

Was die Landesregierung jetzt klären muss

Die Ausschussberatung erhält durch die neuen Vorwürfe zusätzliche Bedeutung. Zu beantworten ist insbesondere, ob der Schulaufsicht oder der Polizei konkrete Fälle bekannt sind, in denen Kinder zur Abgabe von Geld gezwungen wurden. Ebenso offen ist, ob betroffene Familien Anzeige erstattet haben und welche Schutzmaßnahmen für mögliche Opfer bestehen.

Klärungsbedarf besteht auch bei den Dienstaufsichtsbeschwerden: Die Behörden hatten im März drei Verfahren bestätigt, während aktuell von insgesamt fünf Beschwerden berichtet wird. Ob weitere Beschwerden hinzugekommen sind und welchen Stand die Verfahren haben, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert.

Die Ergebnisse der Ausschussberatung sowie mögliche Stellungnahmen des Bildungsministeriums, der ADD und der Polizei sollten nach Veröffentlichung ergänzt werden.

Offene Fragen

  • Wie viele mutmaßliche Fälle von Geldforderungen oder Erpressung sind Polizei, Schule und Schulaufsicht bekannt?
  • Ist die Messerbedrohung des 14-Jährigen polizeilich bestätigt, und wann soll sie stattgefunden haben?
  • Haben sich die drei im März bestätigten Dienstaufsichtsbeschwerden inzwischen auf fünf erhöht?
  • Welche konkreten Maßnahmen gelten seit dem Wechsel der Schulleitung?
  • Wie werden betroffene Kinder geschützt und bei einer Anzeige unterstützt?

Quellen und Transparenz

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