Nicht jedes DHL-Paket fliegt durch Leipzig

Nicht jedes DHL-Paket fliegt durch Leipzig
Systembild: DHL sortiert bis zu 150.000 Sendungen pro Stunde © Presse.Online

Leipzigs DHL-Hub: Warum nicht jedes Paket abhebt

150.000 Sendungen pro Stunde: Leipzigs Nachtmaschine

Während Mitteldeutschland schläft, beginnt am Flughafen Leipzig/Halle die eigentliche Hauptverkehrszeit. Bis zu 150.000 Sendungen pro Stunde können im DHL-Drehkreuz sortiert werden. Doch was passiert dort eigentlich mit Briefen, Paketen und zeitkritischer Fracht und warum muss ein großer Teil davon ausgerechnet nachts bewegt werden?

Wer am Abend eine Expresssendung aufgibt, sieht meist nur den ersten und den letzten Teil ihrer Reise: Abholung und Zustellung. Dazwischen liegt ein logistischer Prozess, der auf Minuten getaktet ist.

Einer der bedeutendsten Knotenpunkte dieses Systems befindet sich vor den Toren Leipzigs. Das DHL-Drehkreuz am Flughafen Leipzig/Halle ist nach Angaben des Unternehmens das weltweit größte Luftfrachtdrehkreuz innerhalb des DHL-Express-Netzwerks. Bis zu 150.000 Sendungen pro Stunde können dort bearbeitet werden.

Wenn Leipzig schläft, beginnt der Nachtsprung

Dass die größte Aktivität ausgerechnet nachts stattfindet, ist kein Zufall.

Expresslogistik funktioniert vielfach nach dem sogenannten Nachtsprung: Sendungen werden tagsüber bei Unternehmen und Kunden abgeholt, am Abend zu den zentralen Drehkreuzen transportiert, dort in der Nacht neu sortiert und anschließend in Richtung ihres Zielortes weitergeflogen.

DHL gibt für Leipzig an, dass eine Sendung durchschnittlich nur etwa zwei Stunden benötigt, um aus einem Flugzeug entladen, im Hub bearbeitet und wieder in die nächste Maschine verladen zu werden.

Aus dem Paket wird dabei für kurze Zeit ein Teil eines hochautomatisierten internationalen Verkehrssystems.

Fast 47 Kilometer Fördertechnik

Allein die Hauptsortieranlage im Leipziger DHL-Hub ist 46,6 Kilometer lang. Sie verbindet drei Terminals miteinander.

Container werden nach der Landung aus den Flugzeugen gehoben und in die Terminals transportiert. Dort werden die Sendungen getrennt, identifiziert und entsprechend ihres nächsten Ziels auf unterschiedliche Förderwege verteilt.

Eine weitere Anlage kann laut DHL bis zu 43.200 Briefe und Dokumente pro Stunde bearbeiten. Leipzig verfügt zudem über eine automatische Sortiertechnik für Sendungen mit einem Gewicht von bis zu 170 Kilogramm.

Doch selbst damit lässt sich nicht alles über ein Förderband schicken.

Autos, große Maschinen oder beispielsweise Paletten mit medizinischen Gütern werden separat im Terminal 3 abgefertigt.

350.000 Sendungen in einer Nacht

Die Zahl von 150.000 Sendungen bezeichnet die mögliche Sortierleistung pro Stunde nicht die Menge, die während jeder einzelnen Stunde tatsächlich durch das System läuft.

Für eine typische Nacht nennt DHL eine andere Größenordnung: Rund 350.000 Sendungen mit etwa 2.000 Tonnen Fracht werden nach Unternehmensangaben umgeschlagen. Im Durchschnitt starten oder landen an einem Werktag rund 75 Frachtflugzeuge, die Leipzig mit mehr als 50 Zielen weltweit verbinden.

Auf dem 640.000 Quadratmeter großen Vorfeld stehen bis zu 64 Positionen für Flugzeuge zur Verfügung. Hinzu kommen nach Unternehmensangaben etwa 350 geplante Lkw-Bewegungen pro Tag.

Damit wird deutlich: Die Sortieranlage ist nur ein Teil der Logistikkette. Straße, Vorfeld, Flugzeugabfertigung, Sicherheit, Zoll und Sortiertechnik müssen ineinandergreifen.

Nicht jedes DHL-Paket fliegt durch Leipzig

Bei den Dimensionen entsteht leicht der Eindruck, beinahe jede DHL-Sendung müsse irgendwann durch Leipzig laufen. Das wäre jedoch falsch.

Der Standort gehört zum internationalen DHL-Express-Netzwerk. DHL selbst unterscheidet diesen Bereich von der klassischen Post- und Paketlogistik. Das Leipziger Drehkreuz ist deshalb vor allem für zeitkritische Express- und Luftfrachtsendungen von Bedeutung.

Wer ein gewöhnliches innerdeutsches Paket verschickt, kann daraus also nicht ableiten, dass es automatisch per Flugzeug über Leipzig transportiert wird.

Mehr als 7.000 Arbeitsplätze rund um den Hub

Die logistische Dimension hat auch eine regionale wirtschaftliche Seite.

DHL beziffert die Zahl der am Leipziger Standort geschaffenen Arbeitsplätze auf mehr als 7.000. Bis 2024 hatte der Konzern nach eigenen Angaben rund 780 Millionen Euro in den Standort investiert. Die Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Flughafen AG wurde bis 2053 verlängert.

Beschäftigt werden dabei längst nicht nur Menschen, die Pakete sortieren. Zum Betrieb gehören unter anderem Flugzeugabfertigung, Wartung, Zoll, Sicherheit, IT, Technik und Verwaltung.

Warum das Paket keine Zeit zum Liegen hat

Das eigentlich Bemerkenswerte am DHL-Hub Leipzig ist deshalb weniger ein einzelner Rekord als das Prinzip dahinter.

Ein klassisches Lager soll Waren aufbewahren. Ein Expressdrehkreuz soll genau das vermeiden.

Die Sendung kommt an, wird identifiziert, ihrem nächsten Transportweg zugeordnet und möglichst schnell wieder weitergeschickt. DHL beschreibt den Standort deshalb sinngemäß als Umsteigepunkt für Fracht: Sie soll dort nicht bleiben, sondern innerhalb weniger Stunden ihren Anschluss erreichen.

Und genau deshalb wird es vor Leipzigs Toren dann besonders geschäftig, wenn andernorts die Lichter ausgehen.

150.000 mögliche Sortiervorgänge pro Stunde sind am Ende weniger eine Zahl über Pakete als eine Zahl über Zeit: Jede Minute, die eine Expresssendung im Hub verliert, fehlt später auf dem Weg zum Empfänger.

Presse.Online Einordnung

Der Leipziger DHL-Hub zeigt, wie unsichtbar ein großer Teil moderner Lieferketten für Verbraucher bleibt. Zwischen dem Klick auf „Bestellen“, der Abholung einer Sendung und der Zustellung am nächsten Tag liegen internationale Transportketten, automatisierte Sortierung und eng getaktete Flug- und Straßenverbindungen.

Die Geschwindigkeit des Onlinehandels und internationaler Geschäftsbeziehungen ist deshalb nicht allein eine Frage schneller Zusteller. Sie beruht auf einer Infrastruktur, die vor allem dann arbeitet, wenn die meisten Menschen sie nicht sehen.

Quellen

  • DHL Hub Leipzig: „Superlative der Logistik“
  • DHL Hub Leipzig: Informationen zum Express-Netzwerk und Nachtsprung
  • DHL Group: Verlängerung der Partnerschaft mit der Mitteldeutschen Flughafen AG bis 2053

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