Böttcher insolvent: Zukunft für knapp 100 Beschäftigte offen

Böttcher insolvent: Zukunft für knapp 100 Beschäftigte offen
Symbolbild: Fahrradmontage in einer Werkstatt. Böttcher hat Insolvenz beantragt; der Betrieb soll zunächst weiterlaufen. © KI-generierte Illustration.

Böttcher meldet Insolvenz an: Knapp 100 Beschäftigte bangen um die Zukunft

Der Fahrradhersteller aus Schleswig-Holstein sucht einen Investor. Der Betrieb läuft weiter, die Gehälter sollen zunächst über Insolvenzgeld abgesichert werden. Die Unternehmensgeschichte reicht bis 1851 zurück.

Die Böttcher Fahrräder GmbH aus Wesseln bei Heide hat Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Meldorf bestellte am 7. Oktober Rechtsanwalt Vanja Alexander Kovacev von der Kanzlei CMS zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Betroffen sind knapp 100 Beschäftigte. Nach Angaben der Kanzlei wird der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt.

Gehälter vorerst abgesichert, Aufträge laufen weiter

Laut CMS sollen die Gehälter zunächst für drei Monate durch das beantragte Insolvenzgeld gesichert werden. Bestehende Kundenaufträge sollen planmäßig bearbeitet werden; neue Bestellungen nimmt Böttcher weiterhin an. Geschäftsführer Hauke Niemann rechnete zum Zeitpunkt der Mitteilung nicht mit Verzögerungen.

Für die Belegschaft bleibt die langfristige Perspektive offen. Eine erfolgreiche Sanierung oder Übernahme ist bislang nicht gemeldet. Aus den vorläufigen Maßnahmen folgt auch noch keine Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Investorensuche begann schon vor dem Insolvenzantrag

Die Geschäftsführung hatte nach Darstellung des vorläufigen Insolvenzverwalters bereits Sanierungsmaßnahmen eingeleitet und einen Investorenprozess gestartet. Dieser wird fortgesetzt, begleitet von der Unternehmensberatung enomyc. Ein vorläufiger Gläubigerausschuss unterstützt und überwacht die Sanierungsbemühungen. Konkrete Ursachen der finanziellen Schieflage nennt die CMS-Mitteilung nicht.

Böttcher produziert Fahrräder und betreibt Großhandel, vor allem für gewerbliche Kunden. Für 2025 nennt CMS rund 18,1 Millionen Euro Umsatz. Erst 2026 wurden die Marke neu positioniert und das Angebot konfigurierbarer sowie vollständig ausgestatteter Fahrräder weiterentwickelt.

Was hinter den 175 Jahren Unternehmensgeschichte steckt

Die Wurzeln liegen in einem Manufakturgeschäft, das Johann Heinrich Böttcher 1851 in Heide gründete. Fahrräder kamen später hinzu: Die Unternehmenschronik nennt eine Fahrradabteilung für 1903 und die Gründung der Firma Heinrich Böttcher mit der ersten Fahrradmarke Ditmarsia für 1907. Die häufig genannten 175 Jahre beziehen sich damit auf den ursprünglichen Betrieb.

1974 zog das Unternehmen ins benachbarte Wesseln. 2007 erfolgte die Umfirmierung in Böttcher Fahrräder GmbH. Dort wird nun um eine Fortführung gerungen. Ob ein Investor einsteigt und wie viele Arbeitsplätze langfristig erhalten bleiben, ist noch offen.

Quellen und Transparenz

Angaben zur Fortführung und Sanierung stammen überwiegend aus der Mitteilung der beteiligten Kanzlei CMS.

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