Beratungsangebot gegen Verschwörungserzählungen

Beratungsangebot gegen Verschwörungserzählungen
(Systembild) Beratungskompass Verschwörungsdenken © IStock

Beratungskompass Verschwörungsdenken: Die neue Initiative der Bundesregierung

Berlin. Die Bundesregierung hat ein neues Projekt zur Bekämpfung von Desinformation ins Leben gerufen: den „Beratungskompass Verschwörungsdenken“. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Bundesinnenministeriums (BMI) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Ziel ist es, Menschen, die mit Verschwörungserzählungen konfrontiert sind, sowie deren Umfeld eine Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung zu bieten. Das Programm ist Teil des zivilgesellschaftlichen Engagements der Bundesregierung im Rahmen von „Demokratie leben!“ und wird durch mehrere Organisationen umgesetzt.

Struktur und Partner des Projekts

Laut offiziellen Angaben besteht der „Beratungskompass Verschwörungsdenken“ aus einer Online- und Telefonberatung, die durch das „Violence Prevention Network“, die „Amadeu Antonio Stiftung“ und „modus – Zentrum für angewandte Deradikalisierungsforschung“ umgesetzt wird. In einem ersten Schritt erhalten Ratsuchende eine vertrauliche Erstberatung. Falls erforderlich, erfolgt eine Weitervermittlung an spezialisierte Beratungsstellen. Die Bundesregierung betont, dass das Angebot sich an alle richtet, die in ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld mit Verschwörungsdenken konfrontiert sind.

Definition von Verschwörungserzählungen bleibt vage

Ein zentraler Aspekt, der in der offiziellen Ankündigung nicht konkretisiert wird, ist die genaue Definition von Verschwörungserzählungen. Laut den bereitgestellten Informationen speisen sich diese aus der Vorstellung, dass als mächtig wahrgenommene Gruppen gezielt Ereignisse beeinflussen und dabei die Bevölkerung im Unklaren lassen. In Krisenzeiten, wie während der COVID-19-Pandemie oder im Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, seien solche Erklärungsmuster besonders verbreitet. Jedoch bleibt unklar, wo die Grenze zwischen begründeten Zweifeln und verschwörungstheoretischem Denken gezogen wird.

Finanzierung und politische Einordnung

Die Kosten des Programms sind bisher nicht in den Veröffentlichungen des Bundesinnenministeriums ersichtlich. Das Projekt wird durch das Programm „Demokratie leben!“ finanziert, das zivilgesellschaftliche Initiativen unterstützt, die sich gegen Extremismus und für Minderheitenschutz einsetzen. Kritiker hinterfragen die politische Ausrichtung mancher Partnerorganisationen und werfen diesen vor, bestimmte politische Strömungen einseitig zu behandeln.

Bedeutung und offene Fragen

Mit dem „Beratungskompass Verschwörungsdenken“ setzt die Bundesregierung ein deutliches Zeichen gegen Desinformation und extremistische Narrative. Die geplante Beratung könnte einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten und Betroffenen helfen, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden. Allerdings bleibt offen, welche konkreten Kriterien zur Bewertung von Verschwörungserzählungen herangezogen werden und wie umfassend das Beratungsangebot tatsächlich genutzt werden kann. Ein transparenter Umgang mit diesen Fragen wird entscheidend sein, um Vertrauen in das Projekt und seine Umsetzung zu schaffen.

Möchten Sie mehr über den Beratungskompass Verschwörungsdenken erfahren oder Unterstützung erhalten? Besuchen Sie die offizielle Website für weitere Informationen und Beratungsmöglichkeiten!

Verwendete Quellen
  • Pressemitteilung Bundesinnenministerium