Polen schließt Grenze vor „Sapad 2025“
Polen reagiert auf russisch-belarussisches Manöver
Polen schließt in der Nacht zu Donnerstag seine Grenze zu Belarus. Das kündigte Ministerpräsident Donald Tusk am Dienstag an. Grund ist das bevorstehende russisch-belarussische Militärmanöver „Sapad 2025“, das am Freitag nahe der polnischen Grenze beginnt. Die Schließung betrifft auch Eisenbahnübergänge. Wann die Grenze wieder geöffnet wird, ist offen.
„Wir haben es mit einer zunehmenden Anzahl von Provokationen zu tun“, erklärte Tusk. Besonders brisant: Laut Regierung simulieren die Manöver einen Angriff auf die sogenannte Suwałki-Lücke einen nur rund 100 Kilometer schmalen Korridor zwischen der russischen Exklave Kaliningrad und Belarus, der für die Verbindung zwischen Polen und Litauen entscheidend ist.
Hintergrund: Ein gefährliches Signal
Die Lage an der polnisch-belarussischen Grenze ist seit 2021 angespannt. Damals hatte Belarus Migranten gezielt in Richtung EU gelenkt. Polen reagierte mit einem fünf Meter hohen Grenzzaun, Pushbacks und Einschränkungen beim Asylrecht. Immer wieder versuchen Geflüchtete, die Sperranlagen zu überwinden.
Die jüngsten Provokationen verschärfen die Lage zusätzlich: Erst am Sonntag stürzte eine mutmaßlich russische Drohne auf polnischem Boden ab.
Litauen verstärkt ebenfalls die Grenzsicherung
Nicht nur Polen zieht Konsequenzen. Auch Litauen kündigte an, den Grenzschutz zu Belarus und Russland zu verstärken. Details nannten die Behörden in Vilnius bisher nicht.
Was ist „Sapad 2025“?
Das Manöver „Sapad“ („Westen“) findet alle vier Jahre statt. Dieses Jahr läuft es vom 12. bis 16. September 2025. Russische Staatsmedien berichten von ursprünglich 13.000 eingeplanten Soldaten, die endgültige Zahl bleibt jedoch unklar.
Besonders kritisch sehen Experten, dass Belarus mit Russland auch den Einsatz atomwaffenfähiger Raketen vom Typ Oreschnik trainieren will. Verteidigungsminister Viktor Chrenin sagte Mitte August: „Natürlich werden wir den Plan für den Einsatz dieses Waffentyps zusammen mit unseren russischen Kollegen ausarbeiten.“
Zum Vergleich: Bei „Sapad 2021“ sollen laut Nato rund 200.000 Soldaten beteiligt gewesen sein. Diese Übung diente nach westlicher Einschätzung als Vorbereitung auf den Angriff auf die Ukraine 2022.
Westliche Sorgen wachsen
Die Nato-Staaten an der Ostflanke beobachten das Manöver mit großer Aufmerksamkeit. Militärs und Sicherheitsexperten warnen, dass auch kleinere Manöver zu Provokationen führen können.
Die Unsicherheit ist groß: Unklar ist, welche Szenarien Russland und Belarus dieses Mal proben und ob die Übungen über die angekündigte Zahl hinausgehen.
Fazit
Die Schließung der Grenze durch Polen und die Schutzmaßnahmen Litauens zeigen: „Sapad 2025“ sorgt schon vor Beginn für wachsende Spannungen in Europa. Wie groß die militärische Machtdemonstration tatsächlich wird, bleibt abzuwarten die Sorge vor Eskalation ist jedoch real.
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Quellen
- Reuters