Wadephul verliert rasant an Rückhalt
Außenminister unter Druck, Zustimmung fällt auf 40 Prozent
Berlin. Außenminister Johann Wadephul (CDU) steht massiv unter Druck. Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ zeigt: Nur noch 40 Prozent der Deutschen sind mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden ein Minus von elf Prozentpunkten seit Juli. Besonders brisant: Selbst in der eigenen Partei bröckelt die Unterstützung.
Syrien-Äußerungen sorgen für parteiinternen Unmut
Auslöser der Kritik sind Äußerungen des Ministers bei einem Besuch im vom Bürgerkrieg schwer gezeichneten Syrien. Wadephul hatte angesichts der Zerstörung und humanitären Notlage bezweifelt, dass in absehbarer Zeit viele syrische Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückkehren könnten.
„Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben“, sagte er in Harasta, einer Vorstadt von Damaskus.
Diese Einschätzung stieß in Teilen der Union auf Widerstand. Parteikollegen betonten, man halte an der bisherigen Linie zur Rückführung syrischer Flüchtlinge fest. Hinter den Kulissen war von einem „kommunikativen Fehltritt“ die Rede zu weich, zu unentschlossen in einem politisch sensiblen Thema.
Zustimmung sinkt auch bei CDU-Anhängern
Laut Forsa gaben nur noch 60 Prozent der CDU- und CSU-Wähler an, mit Wadephul zufrieden zu sein ein Rückgang um 15 Prozentpunkte. Damit verliert der Minister deutlich an Rückhalt in den eigenen Reihen.
Auch unter SPD- (60 Prozent) und Grünen-Wählern (53 Prozent) liegt die Zustimmung zwar noch über dem Durchschnitt, fällt aber ebenfalls. Dagegen sind 56 Prozent der Linken- und ganze 81 Prozent der AfD-Anhänger mit Wadephul unzufrieden.
Die Umfrage wurde am 6. und 7. November 2025 unter 1.002 Befragten erhoben. Die statistische Fehlertoleranz beträgt ± 3 Prozentpunkte. Wadephuls Bekanntheitsgrad stieg seit Juli immerhin um 15 Prozentpunkte auf 76 Prozent doch der Zugewinn an Aufmerksamkeit scheint ihm aktuell mehr zu schaden als zu nutzen.
Politische Einordnung: Kommunikation in der Krise
Wadephuls Situation erinnert an klassische Kommunikationsfallen in der Außenpolitik: Wer sich vor Ort ein Bild macht, riskiert Missverständnisse bei der Rückkehr nach Berlin. Sein Satz aus Harasta sachlich korrekt, aber emotional ungeschützt hat sich verselbstständigt.
Politikwissenschaftler sehen darin ein Lehrstück über die Schwierigkeit, Empathie und politische Härte zu vereinen. „Die Bevölkerung erwartet Klarheit, nicht Zwischentöne – das ist ein Dilemma für jeden Außenminister“, so ein Experte des Deutschen Instituts für Politikberatung (DIP).
Fazit: Vertrauensverlust als Weckruf
Der Umfrageabsturz dürfte in der Union für Diskussionen sorgen. Ob Wadephul seinen Kurs oder Kommunikationsstil anpasst, bleibt offen. Sicher ist: Seine Position ist geschwächt im Kabinett wie in der öffentlichen Wahrnehmung.
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FAQ: Häufige Fragen
Was hat Außenminister Wadephul zu Syrien gesagt?
Er äußerte Zweifel, dass syrische Flüchtlinge angesichts der massiven Zerstörung bald in ihre Heimat zurückkehren könnten.
Warum gibt es Kritik aus der CDU?
Parteikollegen befürchten, dass seine Worte als Abkehr vom bisherigen Kurs der Union zur Rückführung verstanden werden könnten.
Wie stark ist der Rückgang seiner Zustimmungswerte?
Die Forsa-Umfrage zeigt ein Minus von elf Prozentpunkten seit Juli – nur noch 40 % der Deutschen sind zufrieden.
Wie wurde die Umfrage durchgeführt?
Das Institut Forsa befragte am 6. und 7. November 1.002 Personen im Auftrag des „Stern“ und RTL Deutschland.
Quellenangaben
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Forsa-Umfrage im Auftrag von „Stern“ und RTL Deutschland (Erhebungszeitraum: 6.–7. November 2025)
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Zitate aus Wadephuls Syrien-Reise, dokumentiert von dpa & ARD-Hauptstadtstudio