Tabaksteuer rauf – Entlastung für Krankenkassen?
Warum Zigaretten teurer werden könnten und was das für Krankenkassen bedeutet
Mehrere Politiker von Union und SPD sprechen sich für höhere Tabaksteuern aus. Das betrifft Millionen Raucher und soll zugleich das Gesundheitssystem finanziell stabilisieren.
Faktenlage: Was ist beschlossen und was noch nicht?
Konkret beschlossen ist bislang keine neue Tabaksteuererhöhung. Allerdings mehren sich politische Vorstöße aus der schwarz-roten Koalition. Hendrik Streeck, Bundesdrogenbeauftragter, verwies gegenüber der Bild auf die massiven gesundheitlichen und ökonomischen Folgen des Rauchens: Jährlich sterben in Deutschland rund 131.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Die direkten Gesundheitskosten bezifferte er auf über 30 Milliarden Euro, die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf nahezu 70 Milliarden Euro.
Auch Hans Theiss, CSU-Gesundheitspolitiker, brachte einen konkreten Finanzierungsvorschlag ins Spiel. Eine Preiserhöhung von etwa zwei Euro pro Packung Tabakprodukt könne ausreichen, um die Mehrwertsteuer auf Medikamente von 19 auf 7 Prozent zu senken. Die gesetzlichen Krankenkassen würden dadurch um bis zu sieben Milliarden Euro pro Jahr entlastet.
Kontext: Druck auf das Gesundheitssystem wächst
Der Vorstoß kommt nicht zufällig. Nach Angaben von Nina Warken rechnet die Bundesregierung 2027 mit einem zweistelligen Milliardendefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Expertenkommission soll bis März Vorschläge zur Gegenfinanzierung vorlegen, weitere Reformschritte sind für Ende des Jahres angekündigt.
Bereits zuvor hatte die Krankenkasse DAK-Gesundheit eine ähnliche Forderung erhoben. Vorstandschef Andreas Storm betonte, stabile Beiträge seien ohne strukturelle Entlastungen kaum erreichbar. Als Gegenfinanzierung schlug er höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol vor.
Perspektiven: Politik, Kassen, Prävention
Unterstützung kommt auch aus der SPD. Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach verwies darauf, dass Preissteigerungen den Konsum nachweislich senken. Zusatzeinnahmen könnten genutzt werden, um das System langfristig zu stabilisieren.
Streeck wiederum betont, es gehe nicht um moralische Appelle: Höhere Tabaksteuern seien eines der wirksamsten Instrumente der Prävention. Internationale Studien zeigen, dass Preiserhöhungen insbesondere bei jungen Menschen zu einem geringeren Einstieg in den Tabakkonsum führen.
Analyse: Warum das Thema jetzt politisch brisant ist
Die Debatte verbindet drei politische Ziele: Prävention, Finanzierung und Beitragsstabilität. Angesichts steigender Gesundheitsausgaben und einer alternden Gesellschaft wächst der Reformdruck. Gleichzeitig gilt die Tabaksteuer als vergleichsweise „treffsicher“, da sie gesundheitsschädliches Verhalten verteuert und Einnahmen generiert.
Für Verbraucher hätte eine deutliche Steuererhöhung spürbare Auswirkungen im Alltag. Für Krankenkassen könnten zusätzliche Milliarden Spielräume schaffen etwa für Beitragssenkungen oder den Ausbau von Präventionsangeboten. Wirtschaftlich betroffen wären vor allem Tabakhändler und Hersteller, die bereits in den vergangenen Jahren mit rückläufigen Absatzmengen konfrontiert waren.
Fazit & Ausblick
Noch ist keine Entscheidung gefallen. Doch die politische Richtung ist klar: Die Tabaksteuer bleibt ein zentrales Instrument in der Reformdebatte. Entscheidend wird sein, ob und wie die Mehreinnahmen tatsächlich zur Entlastung der Krankenkassen und zur Prävention eingesetzt werden. Die Empfehlungen der Expertenkommission dürften dafür richtungsweisend sein.
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FAQ
Warum soll die Tabaksteuer erhöht werden?
Um den Tabakkonsum zu senken, gesundheitliche Folgekosten zu reduzieren und zusätzliche Einnahmen für das Gesundheitssystem zu erzielen.
Wie stark könnten die Preise steigen?
Diskutiert wird eine Erhöhung von rund zwei Euro pro Packung. Beschlossen ist dies bislang nicht.
Wer profitiert von höheren Tabaksteuern?
Vor allem die gesetzlichen Krankenkassen und langfristig die Beitragszahler – sofern die Einnahmen entsprechend verwendet werden.
Sind solche Steuererhöhungen wirksam?
Studien zeigen, dass höhere Preise den Konsum senken, insbesondere bei Jugendlichen und Gelegenheitsrauchern.
Wann fällt eine Entscheidung?
Die eingesetzte Expertenkommission soll bis März Vorschläge vorlegen, weitere politische Schritte sind für das Jahresende angekündigt.
Quellen & Fact-Checking
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Bundesministerium für Gesundheit
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Stellungnahmen der DAK-Gesundheit
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Aussagen von Politikern gegenüber der Bild-Zeitung
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Gesundheitsökonomische Studien zu Tabakkonsum und Prävention