Amazon stoppt Smart Stores – Technik zu teuer
Supermarkt: Warum Amazon seine Smart Stores schließt und was das für den Handel bedeutet
Amazon zieht sich aus dem kassenlosen Supermarktgeschäft zurück. Die Schließung von 72 Smart Stores zeigt, wie schwer sich digitale Innovationen im stationären Handel rechnen.
Was ist passiert?
Der US-Konzern Amazon schließt sämtliche stationären Lebensmittel- und Einzelhandelsgeschäfte seiner Marken Amazon Fresh und Amazon Go in den USA. Insgesamt sind 72 Filialen betroffen. In einer Mitteilung erklärte das Unternehmen, es sei nicht gelungen, „ein wirklich unverwechselbares Kundenerlebnis mit dem richtigen Wirtschaftsmodell“ für eine großflächige Expansion zu schaffen.
Herzstück der Läden war die „Just Walk Out“-Technologie: Kameras, Sensoren und KI erfassten die entnommenen Produkte, abgerechnet wurde automatisch über das Amazon-Konto. Für Kundinnen und Kunden bedeutete das Einkaufen ohne Kassenstopp. Für Amazon jedoch offenbar hohe laufende Kosten.
Warum ist das relevant?
Der Rückzug markiert einen Wendepunkt in Amazons Bemühungen, den klassischen Einzelhandel technologisch neu zu definieren. Smart Stores galten als Vorbild für eine automatisierte Zukunft des Einkaufens. Dass ein Konzern mit enormen finanziellen Ressourcen und technischer Expertise das Modell nicht profitabel skalieren konnte, wirft grundsätzliche Fragen zur Wirtschaftlichkeit solcher Konzepte auf.
Amazon setzt weiter auf Whole Foods
Ganz verabschiedet sich Amazon nicht aus dem stationären Lebensmittelhandel. Ein Teil der Standorte soll in Filialen von Whole Foods Market umgewandelt werden. Die Bio-Supermarktkette hatte Amazon bereits 2017 für 13,7 Milliarden US-Dollar übernommen. Parallel dazu will der Konzern Online-Bestellungen und Lieferdienste weiter ausbauen.
Zudem wird die „Just Walk Out“-Technologie weiterhin lizenziert: Nach Unternehmensangaben kommt sie an rund 360 Standorten in fünf Ländern zum Einsatz, etwa in Kantinen oder Stadien betrieben von Drittanbietern.
Perspektiven
Unternehmenssicht: Amazon spricht von „ermutigenden Signalen“, sieht aber keine Grundlage für eine rentable Expansion der eigenen Smart Stores. Die Schließungen seien Teil einer strategischen Fokussierung auf profitable Geschäftsbereiche.
Beschäftigte: Laut dem US-Technologieportal GeekWire erhalten Mitarbeitende Angebote für andere Positionen im Konzern oder Abfindungen. Diese sollen unter anderem 90 Tage volles Gehalt und Sozialleistungen umfassen. In Kalifornien greifen verlängerte Fristen aus arbeitsrechtlichen Gründen.
Analyse: Warum das Thema jetzt wichtig ist
Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Online-Lebensmittelhandel stark wächst. Amazon liefert Lebensmittel in den USA mittlerweile in mehr als 5000 Städte, weitere sollen folgen. Unternehmensangaben zufolge hat sich der Umsatz in diesem Segment seit Januar vervielfacht.
Für den stationären Handel bedeutet das: Effizienzgewinne durch Technologie allein garantieren keinen wirtschaftlichen Erfolg. Hohe Investitionen in Hardware, Wartung und Personal für Überwachungssysteme können die Vorteile schneller Abrechnung übersteigen. Für Wettbewerber ist Amazons Rückzug ein Signal, Innovationsprojekte stärker auf Kosten-Nutzen-Rechnungen auszurichten.
Fazit und Ausblick
Amazons Smart-Store-Experiment zeigt die Grenzen technikgetriebener Handelskonzepte. Kassenloses Einkaufen bleibt eine Option aber vorerst eher als Nischenlösung. Beobachtenswert ist nun, ob lizenzierte Modelle erfolgreicher sind und wie sich der Online-Lebensmittelmarkt weiter entwickelt.
🔔 Folge @Presse.Online für fundierte Analysen, klare Einordnung und die Themen, über die Deutschland morgen spricht.
FAQ
Warum schließt Amazon seine Smart Stores?
Weil die eingesetzte Technik hohe Kosten verursachte und sich kein tragfähiges Geschäftsmodell für eine große Expansion ergab.
Wie viele Filialen sind betroffen?
Insgesamt 72 Standorte in den USA.
Gibt Amazon den stationären Handel komplett auf?
Nein. Der Konzern setzt weiter auf Whole Foods und auf Online-Lieferdienste.
Was passiert mit der kassenlosen Technik?
Die „Just Walk Out“-Technologie wird weiterhin an Drittanbieter lizenziert.
Wie wirkt sich das auf Kundinnen und Kunden aus?
Direkt betrifft es vor allem US-Kunden der geschlossenen Läden; langfristig prägt es die Entwicklung neuer Handelskonzepte.
Quellen:
-
Amazon, offizielle Unternehmensmitteilung
-
GeekWire, Berichte zu Mitarbeitenden und Abfindungen