Tesla verliert den Roadster-Bonus
E-Roadster-Studie 2026: Tesla verliert den Pionierbonus und MG fährt überraschend nach vorn
Wenn der Roadster elektrisch wird, ändern sich die Regeln
Der Roadster galt lange als Gegenentwurf zur Vernunft: offen, leicht, emotional, meist mit Verbrennungsmotor. Doch eine aktuelle Untersuchung von Dr. Weirauch Consulting Int. stellt genau diese alte Logik infrage: Unter 1.244 befragten Neuwagenkäufern im Alter von 18 bis 65 Jahren interessieren sich 65,3 Prozent grundsätzlich für einen E-Roadster.
Das ist mehr als eine Zahl. Es ist ein Hinweis darauf, dass selbst ein traditionell puristisches Segment von der Elektrifizierung erfasst wird allerdings nicht so, wie es viele Hersteller erwarten dürften.
Denn laut Studie gewinnt nicht die Marke, die lange als Synonym für elektrische Pionierarbeit galt. Tesla fällt in der Befragung zurück; als Begründung wird genannt, dass kein innovativer Pioniercharakter mehr erkennbar sei.
Der überraschende Sieger: MG Cyberster statt Tesla-Roadster
In der abgefragten Modellpräferenz liegt der MG Cyberster vorn, gefolgt vom Polestar 6 Roadster und dem Toyota Sports EV. Die Studie nennt ausdrücklich den MG Cyberster in Rot als Sieger, danach den Polestar 6 in Blau und den Toyota Sports EV in Gelb.
Dass ausgerechnet MG vorne liegt, ist bemerkenswert. Der Cyberster ist kein klassischer deutscher Prestige-Roadster, sondern ein chinesisch geprägtes Elektro-Sportmodell unter traditionsreichem britischem Markennamen. MG Motor Deutschland bewirbt den Cyberster als vollelektrischen Roadster; für die XPOWER-Version werden 77 kWh Batteriekapazität, 375 kW Leistung und 0 g/km kombinierte CO₂-Emissionen angegeben.
Der Punkt ist weniger, ob der Cyberster das perfekte Auto ist. Entscheidend ist: Er wirkt neu. Er sieht anders aus. Und genau das scheint in diesem Segment plötzlich wichtiger zu sein als Herkunft, Tradition oder Markenhistorie.
Warum das Tesla-Signal so wichtig ist
Tesla hat den Elektroautomarkt über Jahre emotional aufgeladen. Doch bei offenen Sportwagen reicht der frühere Vorsprung offenbar nicht mehr automatisch aus. Wenn Käufer bei einem E-Roadster nicht mehr nur nach der bekanntesten E-Marke greifen, sondern nach Design, Farbe, Leistung und Auftritt entscheiden, verschiebt sich der Wettbewerb.
Die Studie beschreibt diesen Wandel deutlich: Käufer, die elektrisch präferieren, wollen Hightech, Premium-Ausstattung, große Reichweite und kurze Ladezeiten. Der frühere Roadster-Purismus verliert an Bedeutung.
Das ist ein Bruch mit der alten Sportwagenromantik. Weniger „leicht, laut, mechanisch“ mehr „digital, schnell, auffällig, technologisch“.
Polestar, Porsche, Audi: Der neue Kampf um Emotion
Auch Polestar spielt in diesem Feld eine Rolle. Das Unternehmen hatte den Polestar 6 als elektrischen Performance-Roadster angekündigt; ursprünglich war ein Produktionsstart beziehungsweise Marktstart für 2026 vorgesehen. Neuere Unternehmensangaben zeigen allerdings, dass Polestar seine Modelloffensive neu priorisiert und unter anderem den Polestar 6 weiterhin als geplantes Modell führt.
Porsche steht ebenfalls vor einer strategischen Herausforderung. Die 718-Baureihe war über Jahre einer der emotionalsten Einstiege in die Porsche-Welt. Berichte über das Produktionsende der bisherigen 718 Boxster/Cayman-Generation und die schwierige elektrische Transformation zeigen, wie sensibel dieses Segment für etablierte Marken ist.
In der Weirauch-Studie schneiden klassische Namen wie Porsche, Maserati, Fiat oder Wiesmann vergleichsweise schwächer ab; als Begründung wird genannt, dass für Befragte offenbar kein klarer Unterschied zur Verbrenner-Version erkennbar sei.
Das ist der Kern der Geschichte: Wer ein elektrisches Spaßauto baut, darf nicht nur einen bekannten Roadster elektrifizieren. Er muss offenbar eine neue emotionale Logik liefern.
Was das konkret bedeutet
- Für Autohersteller: Tradition allein reicht im E-Roadster-Segment nicht mehr. Design, Farbe, Technologie und digitale Begehrlichkeit werden kaufentscheidend.
- Für Tesla: Der frühere Innovationsbonus ist nicht automatisch abrufbar. Gerade im emotionalen Segment muss Tesla wieder überraschen.
- Für MG und chinesische Anbieter: „Made in China“ ist laut Studie kein entscheidender Nachteil – das Design entscheidet.
- Für Porsche, Maserati und Co.: Elektrifizierung darf nicht wie ein technischer Umbau wirken. Käufer erwarten ein neues Versprechen.
- Für Verbraucher: Der E-Roadster wird weniger zum nostalgischen Freizeitauto – und stärker zum Hightech-Statement.
Warum jetzt besonders relevant ist
2026 ist für elektrische Sportwagen ein Schlüsseljahr. Mehrere Hersteller arbeiten an neuen elektrischen Performance-Modellen oder positionieren bestehende Konzepte neu. Gleichzeitig ist die E-Auto-Debatte in Europa längst nicht mehr nur eine Frage von Reichweite und Ladeinfrastruktur, sondern auch von Emotion.
Genau hier liegt die Chance und das Risiko. Wenn Elektromobilität auch in Segmenten funktioniert, die bislang vom Klang, Gewicht und mechanischen Fahrgefühl lebten, verändert sich der Automarkt tiefgreifend. Wenn sie dort scheitert, bleibt das Elektroauto für viele Käufer ein Vernunftprodukt.
Die Weirauch-Studie deutet an: Das Interesse ist da. Aber es hängt nicht automatisch an den alten Helden.
Fazit: Der elektrische Roadster muss mehr sein als ein Auto ohne Auspuff
Die Studie zeigt eine klare Verschiebung: Käufer akzeptieren den E-Roadster nicht als Kompromiss, sondern erwarten ein neues Erlebnis. Wer nur den Verbrenner ersetzt, verliert. Wer Design, Hightech, Farbe und Leistung glaubwürdig verbindet, kann gewinnen.
Der MG Cyberster steht in dieser Untersuchung deshalb nicht nur für ein einzelnes Modell. Er steht für eine neue Frage im Automarkt: Was passiert, wenn nicht mehr Herkunft, sondern Wirkung entscheidet?
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FAQ
Wie groß ist das Interesse an E-Roadstern laut Studie?
Laut Dr. Weirauch Consulting Int. zeigen 65,3 Prozent der befragten Neuwagenkäufer grundsätzlich Kaufinteresse an einem E-Roadster.
Welches Modell liegt in der Studie vorn?
Der MG Cyberster wird als Sieger genannt, gefolgt vom Polestar 6 Roadster und dem Toyota Sports EV.
Warum schneidet Tesla schwächer ab?
Laut Studie wird Tesla von Befragten nicht mehr klar als innovativer Pionier wahrgenommen.
Was wollen Käufer bei einem E-Roadster?
Genannt werden neues Design, starke Farben, sportliche Fahrleistungen, große Reichweite, kurze Ladezeiten und Premium-Ausstattung.
Ist „Made in China“ ein Nachteil?
In der Studie wird ausdrücklich festgehalten, dass „Made in China“ keinen Einfluss habe das Design entscheide.
Quellenliste
Dr. Weirauch Consulting Int.: „E-Roadster Trend, Top oder Flop?“, Befragung DE, N=1.244, 18–65 Jahre, Neuwagenkäufer, KW 19/2026
MG Motor Deutschland: Modellinformationen MG Cyberster
Polestar: Unternehmensinformationen Polestar 6 / Modelloffensive
Welt / Road & Track / WSJ: Berichte zur Porsche-718-Transformation und Modellstrategie