Familienunternehmen hängen Start-ups ab
Familienunternehmen schlagen Start-ups beim Vertrauen
Familienunternehmen genießen in Deutschland deutlich mehr Vertrauen als Start-ups, wenn es um sichere Arbeitsplätze, Krisenfestigkeit und langfristige Verantwortung geht. Das zeigt eine C2C-Repräsentativ-Studie aus Kalenderwoche 26 mit 1.453 Befragten.
Die Untersuchung trifft einen Nerv. Deutschland diskutiert über Gründungsdynamik, Nachfolge, Standortkosten, Bürokratie und die Frage, welche Unternehmensformen künftig wirtschaftliche Stabilität sichern. Familienunternehmen und Start-ups stehen dabei oft für zwei unterschiedliche Erzählungen: Erfahrung und Kontinuität auf der einen Seite, Tempo und Innovation auf der anderen.
Was passiert ist
Die Studie untersucht, wie die Deutschen Familienunternehmen und Start-ups beurteilen. Im Zentrum stehen Vertrauen, Arbeitsplatzsicherheit, öffentliche Wahrnehmung, Resilienz, Inhaberpräsenz und die Frage, wie Leistung, Innovation und Erfolg eingeschätzt werden.
Bei der Frage, wem die Befragten langfristig sichere Arbeitsplätze eher zutrauen, liegen Familienunternehmen mit 48,1 Prozent vorn. Start-ups erreichen 25,7 Prozent. Konzerne kommen auf 36,2 Prozent. Die Werte zeigen: Familienunternehmen gelten vielen Befragten als stabiler Arbeitgeber, auch wenn Konzerne weiterhin eine starke Rolle im Arbeitsmarktbild behalten.
Auffällig ist auch der Blick auf Risiken. Als stärkste Gefahr für Familienunternehmen nennen 45,2 Prozent Bürokratie. Danach folgen Steuerbelastung mit 20 Prozent, politische Unsicherheit mit 13,8 Prozent, Fachkräftemangel mit 11,3 Prozent und fehlende Nachfolger mit 9,7 Prozent.
Beim Arbeitgeberwunsch zeigt sich ein gemischtes Bild. Bei vergleichbarem Gehalt würden 36,7 Prozent lieber für ein Familienunternehmen arbeiten. 15 Prozent würden ein Start-up wählen. 48,3 Prozent bevorzugen einen Konzern. Vertrauen bedeutet also nicht automatisch erste Wahl beim Arbeitsplatz. Sicherheit, Karrierepfade, Gehaltsperspektiven und Bekanntheit dürften hier eine Rolle spielen.
Warum das relevant ist
Familienunternehmen sind kein Randthema der deutschen Wirtschaft. Laut der Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ der Stiftung Familienunternehmen, erstellt vom ZEW Mannheim, sind 88 Prozent aller privaten Unternehmen in Deutschland familienkontrolliert. Sie beschäftigen 18,3 Millionen Menschen. Das entspricht 58 Prozent aller privatwirtschaftlich Beschäftigten.
Damit betrifft die öffentliche Wahrnehmung von Familienunternehmen Millionen Beschäftigte, Bewerber, Kommunen, Zulieferer und Kunden. Wenn diese Unternehmen als stabil, diskret und verlässlich gelten, ist das ein Standortfaktor. Wenn sie zugleich als zu leise wahrgenommen werden, kann genau diese Zurückhaltung im Wettbewerb um Fachkräfte, Aufmerksamkeit und Nachwuchs zum Problem werden.
Start-ups stehen für eine andere wirtschaftliche Erwartung. Sie sollen Innovationen beschleunigen, neue Geschäftsmodelle schaffen und digitale Entwicklungen vorantreiben. Die KfW verweist im Gründungsmonitor 2026 darauf, dass die Gründungstätigkeit in Deutschland 2025 deutlich gestiegen ist und junge Gründerinnen und Gründer die Landschaft zunehmend prägen.
Die C2C-Daten zeigen aber: Sichtbarkeit allein erzeugt kein Vertrauen. 90,8 Prozent der Befragten verbinden Start-ups mit medialer Präsenz im Sinne von „mehr Schein als Sein“. Bei Familienunternehmen sehen 92,6 Prozent eher Diskretion im Sinne von „mehr Sein als Schein“. Diese Gegenüberstellung ist zugespitzt, macht aber einen wichtigen Punkt sichtbar: Kommunikation wird unterschiedlich bewertet. Bei Start-ups kann sie schnell als Inszenierung gelesen werden. Bei Familienunternehmen kann fehlende Kommunikation dazu führen, dass Leistungen unter dem Radar bleiben.
Was daraus folgt
Für Familienunternehmen liegt die zentrale Folge nicht in einer Imagekrise, sondern in einer Kommunikationslücke. Sie haben nach den Daten hohes Vertrauen, hohe zugeschriebene Resilienz und starke Sympathiewerte. 92,9 Prozent gönnen Familienunternehmen den Erfolg. 98,4 Prozent trauen ihnen das Managen von Krisen zu. 85 Prozent sehen Leistung, Innovation, KI und Erfolg bei Familienunternehmen als unterbewertet.
Das ist ein starkes Fundament. Es wird aber nur begrenzt genutzt, wenn Eigentümerfamilien, Gründerbiografien und regionale Verantwortung kaum sichtbar sind. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und internationalem Wettbewerb kann ein glaubwürdiges Label wie „Familienunternehmen seit …“ mehr sein als Tradition. Es kann ein Vertrauenssignal sein.
Für Start-ups fällt die Einordnung härter aus. Nur 23 Prozent der Befragten gönnen Start-ups den Erfolg. 63,8 Prozent halten Leistung, Innovation, KI und Erfolg bei Start-ups für überbewertet. Gleichzeitig trauen 68,4 Prozent Start-ups Krisenmanagement zu. Das ist kein schwacher Wert. Es zeigt aber, dass Start-ups ihre Legitimation stärker erklären müssen: durch Leistung, belastbare Ergebnisse, Produktnutzen, Arbeitsplätze und nachvollziehbare Geschäftsmodelle.
Interessant ist auch der Blick auf Personenbindung. Bei Familienunternehmen sagen 76,9 Prozent, Gründer oder Familie prägten das Unternehmen. Bei Start-ups sagen das nur 32,9 Prozent. Auch persönliche Inhaberpräsenz wird Familienunternehmen mit 66,3 Prozent deutlich häufiger zugeschrieben als Start-ups mit 28,5 Prozent. Vertrauen entsteht offenbar dort, wo Verantwortung sichtbar personalisiert wird.
Was noch offen ist
Die vorliegenden Daten zeigen klare Wahrnehmungsunterschiede. Offen bleibt jedoch, welche Altersgruppen, Berufsgruppen oder Regionen die Bewertungen besonders stark prägen. Gerade jüngere Beschäftigte könnten Start-ups anders bewerten als ältere Arbeitnehmer. Auch Branchenunterschiede sind wichtig: Ein KI-Start-up, ein Handwerksbetrieb, ein Familienhotel und ein Maschinenbauer sind kaum direkt vergleichbar.
Nicht abschließend geklärt ist zudem, wie die Befragten den Begriff Start-up verstanden haben. Zwischen Tech-Einhorn, Agenturgründung und kleiner Gründerwerkstatt liegen große Unterschiede. Ähnliches gilt für Familienunternehmen: Vom Lieblingsrestaurant bis zum international tätigen Industriebetrieb reicht die Spanne weit.
Belastbare direkte Zitate aus der Studie liegen nach aktuellem Stand nicht vor. Eine vertiefende Einordnung wäre stärker, wenn vollständige Methodik, Fragebogen, Altersstruktur, regionale Verteilung und Tabellenband vorliegen.
Fazit und Ausblick
Die Studie zeigt keinen einfachen Sieger. Sie zeigt eine Schieflage in der Wahrnehmung. Familienunternehmen haben Vertrauen, Substanz und hohe Krisenwerte, sind aber oft zu leise. Start-ups haben Sichtbarkeit, Tempo und Zukunftserzählung, müssen aber stärker beweisen, dass hinter der medialen Präsenz belastbare Leistung steht.
Für die deutsche Wirtschaft sind beide wichtig. Familienunternehmen sichern Breite, Beschäftigung und regionale Stabilität. Start-ups treiben neue Ideen, digitale Geschäftsmodelle und Gründungsgeist. Entscheidend wird sein, ob beide Seiten voneinander lernen: Familienunternehmen von der Sichtbarkeit der Start-ups, Start-ups von der Bodenständigkeit und Verlässlichkeit der Familienunternehmen.
Faktenüberblick
Thema: Familienunternehmen und Start-ups in Deutschland
Ereignis / Entscheidung: Veröffentlichung zentraler Ergebnisse einer C2C-Repräsentativ-Studie
Datum / Zeitraum: KW 26, 2026
Ort / Region: Deutschland
Zentrale Akteure: C2C, Prof. Dr. Frank Weirauch, MBA, Familienunternehmen, Start-ups, Beschäftigte
Betroffene: Arbeitnehmer, Gründer, Familienunternehmen, Start-ups, Bewerber, Kommunen, Wirtschaftspolitik
Wichtigste Folge: Familienunternehmen genießen deutlich mehr Vertrauen bei Arbeitsplatzsicherheit und Krisenfestigkeit
Stand der Informationen: Studienangaben liegen auszugsweise vor; vollständige Methodik nach aktuellem Stand nicht veröffentlicht
Konkrete Folgen auf einen Blick
- Für Familienunternehmen: Die Daten sprechen für eine stärkere, glaubwürdige Kommunikation über Verantwortung, Nachfolge, Innovation und Arbeitsplätze.
- Für Start-ups: Sichtbarkeit allein reicht nicht; Vertrauen entsteht stärker durch belegbare Leistung, stabile Geschäftsmodelle und Bodenständigkeit.
- Für Bewerber: Familienunternehmen werden als sichere Arbeitgeber wahrgenommen, Konzerne bleiben bei vergleichbarem Gehalt aber die bevorzugte Wahl.
- Für die Politik: Bürokratie wird als größtes Risiko für Familienunternehmen genannt und bleibt damit ein zentraler Standortfaktor.
- Für Regionen: Sichtbare Familienunternehmen können lokale Bindung, Fachkräftegewinnung und wirtschaftliche Stabilität stärken.
Offene Punkte im Überblick
- Offen bleibt, wie die Ergebnisse nach Alter, Region und Berufsgruppen ausfallen.
- Weitere Angaben zur vollständigen Methodik und Gewichtung liegen nach aktuellem Stand nicht vor.
- Unklar ist, ob einzelne Branchen die Wahrnehmung besonders stark beeinflusst haben.
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FAQ
Was zeigt die Studie zu Familienunternehmen und Start-ups?
Die Studie zeigt, dass Familienunternehmen beim Vertrauen in sichere Arbeitsplätze, Krisenfestigkeit und persönliche Verantwortung deutlich besser abschneiden als Start-ups.
Wer wurde befragt?
Laut Angaben zur C2C-Repräsentativ-Studie wurden in Deutschland in KW 26 insgesamt 1.453 Personen befragt.
Warum ist das Thema wichtig?
Familienunternehmen beschäftigen laut Stiftung Familienunternehmen/ZEW 18,3 Millionen Menschen in Deutschland. Start-ups gelten zugleich als wichtiger Treiber für Innovation und neue Geschäftsmodelle.
Was gefährdet Familienunternehmen laut Studie am stärksten?
45,2 Prozent der Befragten nennen Bürokratie als größte Gefahr. Danach folgen Steuerbelastung, politische Unsicherheit, Fachkräftemangel und fehlende Nachfolger.
Schneiden Start-ups nur schlecht ab?
Nein. 68,4 Prozent trauen Start-ups Krisenmanagement zu. Die Studie zeigt aber deutliche Skepsis gegenüber medialer Präsenz, Erfolgserzählungen und Substanz.
Was bleibt offen?
Offen bleiben Details zur Methodik, zur Gewichtung und zu Unterschieden nach Alter, Region, Branche und Berufsstatus.
Quellen
- C2C-Repräsentativ-Studie, Deutschland, KW 26, N=1.453, Projektleiter Prof. Dr. Frank Weirauch, MBA; Angaben und ausgewählte Ergebnisse laut vorliegenden Studiendaten.
- Stiftung Familienunternehmen / ZEW Mannheim: Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“, 2025. Quelle
- KfW Research: KfW-Gründungsmonitor 2026 und Pressemitteilung zur Gründerlandschaft in Deutschland. Quelle
- Belastbare direkte Zitate liegen nach aktuellem Stand nicht vor.