Refresco übernimmt Rhenser Mineralbrunnen
Rhenser Mineralbrunnen: Refresco übernimmt Traditionsbetrieb
Der insolvente Rhenser Mineralbrunnen aus Rheinland-Pfalz steht vor einem Neustart: Refresco Deutschland übernimmt den 164 Jahre alten Traditionsbetrieb in Rhens. Damit soll der Standort fortgeführt werden, auch wenn nach aktuellem Stand nicht alle Beschäftigten übernommen werden können.
Was passiert ist
Refresco Deutschland hat den Geschäftsbetrieb der Rhenser Mineralbrunnen GmbH übernommen. Der Kaufvertrag wurde nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren zwischen dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Alexander Jüchser, Geschäftsführer Holger Sieck und Refresco Deutschland vereinbart. Der Gläubigerausschuss hat dem Verkauf zugestimmt.
Die Transaktion soll zum 1. August 2026 wirksam werden. Voraussetzung ist, dass noch ausstehende Bedingungen erfüllt werden. Zum Kaufpaket gehören nach Angaben von Refresco und Branchenmedien unter anderem Markenrechte, Grundstücke, Produktionsanlagen und Warenbestände am Standort Rhens.
Rhenser Mineralbrunnen hatte am 3. März 2026 beim Amtsgericht Koblenz Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen begründete den Schritt unter anderem mit hohem Wettbewerbsdruck, gestiegenen Transportkosten, geringen Margen und einer zurückhaltenden Kaufbereitschaft der Verbraucher. Der Betrieb lief nach Unternehmensangaben während des Verfahrens weiter.
Der Mineralbrunnen ist seit 1862 in Rhens aktiv und gehört damit zu den traditionsreichen Getränkeherstellern in Rheinland-Pfalz. Rund 140 Beschäftigte waren von der Insolvenz betroffen. Ihre Löhne und Gehälter waren zunächst über Insolvenzgeld für März, April und Mai gesichert.
Warum das relevant ist
Die Übernahme ist mehr als eine einzelne Unternehmensmeldung. Sie zeigt, wie stark der Druck im deutschen Getränkemarkt geworden ist. Mineralwasser ist für Verbraucher ein Alltagsprodukt, zugleich arbeiten viele Abfüller mit engen Margen, hohen Logistikkosten und starkem Wettbewerb im Handel.
Für Rhens und die Region Koblenz geht es außerdem um einen gewachsenen Industriestandort. Ein Betrieb, der seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten Mineralwasser abfüllt, ist nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Teil regionaler Wirtschaftsstruktur. Wenn ein solcher Betrieb nach einer Insolvenz weitergeführt wird, betrifft das Beschäftigte, Lieferanten, Handelspartner und kommunale Standortpolitik.
Hinzu kommt die besondere Vorgeschichte. Die Insolvenz war bereits die zweite in der jüngeren Unternehmensgeschichte. 2016 hatte Rhenser ein Eigenverwaltungsverfahren durchlaufen. Später übernahmen Friedrich und Christian Berentzen den Mineralbrunnen. Nach Medienberichten starb Friedrich Berentzen 2023, Christian Berentzen im Februar 2026. Kurz darauf übernahm Holger Sieck die Geschäftsführung als Interimslösung.
Was das konkret bedeutet
Für die Beschäftigten bedeutet der Verkauf zunächst mehr Klarheit. Der überwiegende Teil der Belegschaft soll im Rahmen eines Betriebsübergangs zu Refresco wechseln. Gleichzeitig ist ausdrücklich festgehalten, dass nicht alle Beschäftigten übernommen werden konnten. Wie viele Arbeitsplätze genau wegfallen oder nicht fortgeführt werden, wurde bislang nicht konkret beziffert.
Für den Standort Rhens ist die Fortführung ein wichtiges Signal. Refresco übernimmt nicht nur Markenrechte, sondern auch Produktionsanlagen und Grundstücke. Das spricht dafür, dass der Standort im Produktionsnetz des Getränkeabfüllers eine Rolle spielen soll. Refresco begründet die Übernahme unter anderem mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten im Bereich Mineralwasser im Glas.
Für Verbraucher dürfte sich kurzfristig vor allem die Frage stellen, ob bekannte Rhenser-Produkte weiter im Handel erhältlich bleiben. Nach aktuellem Stand ist die Fortführung des Geschäftsbetriebs Ziel der Übernahme. Konkrete Aussagen zu Sortiment, Preisen oder Vertriebswegen liegen bislang nicht in ausreichender Detailtiefe vor.
Für Refresco passt die Übernahme in eine breitere Strategie. Der Konzern ist als großer Abfüller für Handelsmarken und Markenprodukte aktiv. Mit Rhenser stärkt Refresco sein Mineralwasser-Geschäft und erweitert sein Markenportfolio.
Was noch offen ist
Offen bleibt der Kaufpreis. Beide Seiten haben dazu Stillschweigen vereinbart. Ebenfalls nicht öffentlich bekannt sind die genauen Vertragsdetails, konkrete Investitionszusagen und die endgültige Zahl der übernommenen Beschäftigten.
Unklar bleibt auch, wie Refresco die Marke Rhenser künftig im Markt positionieren wird. Die Fortführung ist angekündigt, doch Details zu Sortiment, Vertrieb, Produktionstiefe und möglicher Modernisierung wurden bislang nicht vollständig veröffentlicht.
Auch der formale Abschluss steht noch unter Vorbehalt. Die Transaktion soll zum 1. August 2026 wirksam werden, sofern die ausstehenden Bedingungen erfüllt werden.
Fazit und Ausblick
Die Übernahme durch Refresco beendet für Rhenser Mineralbrunnen eine Phase großer Unsicherheit. Der Standort Rhens bekommt eine Perspektive, der Großteil der Beschäftigten soll wechseln, und ein 164 Jahre alter Name bleibt nach aktuellem Stand erhalten.
Entscheidend wird nun sein, wie Refresco den Traditionsbetrieb tatsächlich integriert. Für die Region zählt nicht nur die Rettung auf dem Papier, sondern ob Produktion, Arbeitsplätze und Marke langfristig tragfähig bleiben.
Konkrete Folgen auf einen Blick
- Für Beschäftigte: Der überwiegende Teil soll zu Refresco wechseln; für nicht übernommene Mitarbeitende bleibt die Lage belastend.
- Für die Region Rhens: Der Produktionsstandort erhält eine Fortführungsperspektive.
- Für Verbraucher: Rhenser-Produkte könnten weiter verfügbar bleiben; genaue Sortimentsentscheidungen sind noch offen.
- Für Handelspartner: Die Übernahme kann Lieferbeziehungen stabilisieren, Details hängen aber von Refrescos künftiger Planung ab.
- Für die Getränkebranche: Der Fall zeigt den Konzentrationsdruck im Mineralwasser- und Abfüllmarkt.
Offene Punkte im Überblick
- Noch offen ist, wie viele Beschäftigte endgültig nicht übernommen werden.
- Unklar bleibt bislang, welche Investitionen Refresco am Standort Rhens plant.
- Nicht öffentlich ist der Kaufpreis der Transaktion.
- Weitere Angaben zur künftigen Markenstrategie von Rhenser liegen bislang nicht vollständig vor.
- Die Wirksamkeit zum 1. August 2026 steht nach aktuellem Stand unter Vorbehalt ausstehender Bedingungen.
🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.
FAQ
Was ist bei Rhenser Mineralbrunnen passiert?
Der insolvente Rhenser Mineralbrunnen aus Rhens wird von Refresco Deutschland übernommen. Der Betrieb soll fortgeführt werden.
Wann wird die Übernahme wirksam?
Die Transaktion soll nach aktuellem Stand zum 1. August 2026 wirksam werden, sofern ausstehende Bedingungen erfüllt sind.
Wer ist von der Übernahme betroffen?
Betroffen sind rund 140 Beschäftigte, der Standort Rhens, regionale Handelspartner und Kunden des Mineralbrunnens.
Warum war Rhenser Mineralbrunnen insolvent?
Als Gründe wurden hoher Wettbewerbsdruck, gestiegene Transportkosten, geringe Margen und zurückhaltende Kaufbereitschaft der Verbraucher genannt.
Werden alle Arbeitsplätze gerettet?
Nein. Der überwiegende Teil der Beschäftigten soll zu Refresco wechseln, aber nicht alle Mitarbeitenden werden übernommen.
Was bleibt offen?
Offen sind unter anderem Kaufpreis, genaue Beschäftigtenzahl nach der Übernahme, Investitionspläne und die künftige Markenstrategie.
Quellen & Fact-Checking
- Rhenser Mineralbrunnen: Insolvenzantrag vom 3. März 2026, Geschäftsbetrieb und Beschäftigtenzahl: Rhenser Mineralbrunnen stellt Insolvenzantrag
- Rhenser Mineralbrunnen: Interim-Geschäftsführung nach dem Tod von Christian Berentzen: Holger Sieck wird Interim-Geschäftsführer
- Branchenmeldung zur Übernahme durch Refresco: Getränke Zeitung / Meininger
- Insolvenz- und Transaktionsmeldung: INDat Verlag
- Regionale Einordnung zur Insolvenz: SWR Aktuell