Oktoberfest: Stadt kritisiert Figuren am Teufelsrad
Stadt kritisiert Wiesn-Figuren: Teufelsrad reagiert
Mehr Stoff, weniger Ausschnitt: Am Eingang des traditionsreichen Teufelsrads auf dem Münchner Oktoberfest erscheinen mehrere rund 80 Jahre alte Pappmaché-Figuren in diesem Jahr deutlich stärker bekleidet. Betreiberin Elisabeth Polaczy ließ die Darstellung nach Hinweisen aus der Stadtverwaltung verändern.
Wie die Münchner tz berichtet, hatte die Gleichstellungsstelle für Frauen im Zusammenhang mit der Wiesn-Bewerbung 2026 zu tiefe Ausschnitte und zu kurze Röcke beanstandet. Die Stadt München hat bislang kein öffentlich zugängliches Schreiben vorgelegt, aus dem der genaue Wortlaut oder die Verbindlichkeit der Hinweise hervorgeht.
Blusen, lange Unterhosen und Schuhe für die Figuren
Die Figuren stehen auf einer Drehscheibe über dem Eingang des Teufelsrads. Seit rund 80 Jahren trugen die dargestellten Frauen unter anderem Dirndl, ein Minikleid und einen kurzen Rock. Nach der Überarbeitung sind nun hochgeschlossene Blusen, längere Beinkleider und Schuhe zu sehen.
„Drei Damen haben bei der Stadt Missmut erregt, weil sie zu freizügig waren“, sagte Polaczy der tz. Einer als Hawaiianerin gestalteten Figur seien zusätzlich ein Oberteil und Schuhe aufgemalt worden.
Nach der Darstellung der Betreiberin sei auch die barfüßige Darstellung als problematisch bewertet worden. Zudem habe es den Vorschlag gegeben, eine der Frauenfiguren in einen Mann umzuwandeln. Ob und wie diese einzelnen Hinweise im Schreiben der Stadt begründet wurden, lässt sich ohne das Originaldokument nicht unabhängig prüfen.
Betreiberin fürchtete um Zulassung zur Wiesn
Polaczy weist den Vorwurf zurück, die Figuren seien sexistisch. Sie verweist darauf, dass die Darstellungen seit Jahrzehnten zum Erscheinungsbild des Fahrgeschäfts gehörten und vergleichbare Kleidung auch von Besucherinnen auf dem Oktoberfest getragen werde.
Die Betreiberin habe zunächst befürchtet, ohne eine Umgestaltung möglicherweise nicht mehr zum Oktoberfest zugelassen zu werden. Eine entsprechende Drohung oder formale Bedingung der Stadt ist jedoch nicht öffentlich dokumentiert. Nach den bislang bekannten Angaben ließ Polaczy die Figuren verändern, um einen Konflikt mit der Stadt zu vermeiden und ihr Geschäft weiter betreiben zu können.
Damit bleibt eine zentrale Frage offen: Handelte es sich um unverbindliche Empfehlungen im Rahmen einer Beratung oder um Hinweise, die aus Sicht der Betreiberin faktisch über ihre Zulassung entscheiden konnten?
Stadt spricht von Beratung und Gesprächen
Das für das Oktoberfest zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft teilte der tz mit, es lasse sich von der Gleichstellungsstelle für Frauen und der Fachstelle für Demokratie beraten. Mit den Schaustellerinnen und Schaustellern werde das Gespräch gesucht.
Die bisherigen Bemühungen des Teufelsrads seien anerkannt worden, erklärte das Referat dem Bericht zufolge. Eine unmittelbare behördliche Anordnung zur Übermalung der Figuren geht aus dieser Stellungnahme nicht hervor.
Die Unterscheidung ist relevant: Eine fachliche Empfehlung, ein Veränderungswunsch und eine verbindliche Voraussetzung für die Zulassung sind verwaltungsrechtlich nicht dasselbe. Für eine abschließende Bewertung wären das Schreiben der Stadt sowie die Antwort oder Bewerbungsunterlagen des Fahrgeschäfts erforderlich.
Upskirting am Teufelsrad ist ein eigenständiges Problem
Parallel zur Diskussion über die Figuren beschäftigt das Teufelsrad ein konkretes Sicherheitsproblem. Beim sogenannten Upskirting werden Frauen heimlich und ohne ihre Einwilligung unter den Rock fotografiert oder gefilmt. Polaczy hatte bereits vor der Wiesn 2025 angekündigt, die Schutzmaßnahmen an dem Fahrgeschäft zu verschärfen.
Die Maßnahmen gegen heimliche Aufnahmen betreffen reale Besucherinnen und mögliche Straftaten. Die jetzige Umgestaltung betrifft dagegen historische Dekorationsfiguren am Eingang. Beide Themen stehen im Zusammenhang mit der Darstellung und dem Schutz von Frauen, sollten journalistisch jedoch nicht gleichgesetzt werden.
Das 191. Oktoberfest beginnt am 19. September 2026 und dauert bis zum 4. Oktober. Bislang ist offen, ob die Stadt München das zugrunde liegende Schreiben veröffentlicht oder näher erläutert, welchen Stellenwert die Veränderungswünsche im Zulassungsverfahren hatten.
Offene Fragen
- Welchen genauen Wortlaut enthält das Schreiben der Gleichstellungsstelle?
- Waren die Veränderungen lediglich Empfehlungen oder Teil der Bewertung im Zulassungsverfahren?
- Wurde tatsächlich eine männliche Figur verlangt oder nur als Möglichkeit vorgeschlagen?
- Auf welcher fachlichen Grundlage wurde die barfüßige Darstellung bewertet?
- Wird die Stadt München das Schreiben oder eine ausführliche Einordnung veröffentlichen?
Quellen und Transparenz
- Landeshauptstadt München: Offizielle Seite des Oktoberfests 2026, Veranstaltungsinformationen; das 191. Oktoberfest findet vom 19. September bis 4. Oktober 2026 statt.
- tz München: „Sexismus auf der Wiesn: Teufelsrad-Chefin lässt Figuren übermalen“, veröffentlicht am 27. August 2026; Medienbericht mit Aussagen der Betreiberin und einer Stellungnahme des Referats für Arbeit und Wirtschaft.
- Abendzeitung München: Bericht über Schutzmaßnahmen gegen Upskirting am Teufelsrad, veröffentlicht am 5. September 2025; ergänzender Medienbericht.
Transparenzhinweis: Das Schreiben der Stadt beziehungsweise der Gleichstellungsstelle liegt Presse.Online nicht im Original vor. Aussagen zu dessen Inhalt beruhen deshalb auf dem Bericht der tz und den dort wiedergegebenen Äußerungen. Eine verbindliche Anordnung zur Umgestaltung ist bislang nicht öffentlich belegt.
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