Kiew plant 1.000 Drohnen täglich gegen Russland

Kiew plant 1.000 Drohnen täglich gegen Russland
Systembild: Die Ukraine will Produktion und Einsatz von Langstreckendrohnen deutlich ausweiten. Wann die von Präsident Selenskyj genannte Zielmarke erreicht werden kann, ist offen. © KI-generierte Illustration

Selenskyj plant täglich 1.000 Drohnen gegen Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Zahl der täglichen Langstreckendrohnen gegen Ziele in Russland auf 1.000 erhöhen. Das kündigte er am Freitagabend nach einer Sitzung der ukrainischen Militärführung in Kiew an.

„Die Aufgabe lautet: 1.000 Drohnen für Langstreckenangriffe gegen Russland pro Tag“, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft vom 28. August 2026. Gegenwärtig liege die Zahl im Durchschnitt bei mehr als 300 pro Tag. Die Ukraine müsse ihre weitreichenden Angriffe häufiger ausführen.

Ukraine soll Zahl der Langstreckendrohnen mehr als verdreifachen

Die von Selenskyj genannte Zielmarke würde rechnerisch eine Steigerung um mehr als 200 Prozent gegenüber dem derzeit angegebenen Niveau bedeuten. Eine solche Größenordnung entspräche bis zu 7.000 Drohnen pro Woche, sofern das Ziel dauerhaft erreicht wird.

Dabei handelt es sich zunächst um eine politische und militärische Vorgabe. Selenskyj nannte in seiner Ansprache weder ein Datum für die Umsetzung noch Einzelheiten zur benötigten Finanzierung. Unabhängig überprüfen lassen sich auch die von ihm genannten gegenwärtigen Einsatzmengen nicht.

Wenige Tage zuvor hatte der Präsident erklärt, die Ukraine könne derzeit ungefähr 200 bis 300 Langstreckendrohnen täglich produzieren. Die Systeme verfügen seinen Angaben zufolge je nach Typ über Reichweiten zwischen etwa 350 und 3.000 Kilometern. Als größtes Hindernis für eine Ausweitung bezeichnete Selenskyj die Finanzierung.

Die Aussage über 1.000 Drohnen pro Tag ist daher nicht mit 1.000 bestätigten Angriffen oder Treffern gleichzusetzen. Sie beschreibt ein von der ukrainischen Führung gesetztes Einsatzziel, dessen operative Umsetzung noch offen ist.

Kiew setzt auf Angriffe gegen russische Kriegsinfrastruktur

Die Ukraine greift im russischen Hinterland unter anderem Raffinerien, Treibstofflager, Logistikzentren und militärische Einrichtungen an. Kiew bezeichnet solche Einsätze als Mittel, um die Versorgung der russischen Streitkräfte zu beeinträchtigen und die wirtschaftlichen Kosten des Krieges für Moskau zu erhöhen.

Selenskyj spricht in diesem Zusammenhang regelmäßig von „Langstreckensanktionen“. Die Bezeichnung ist eine politische Formulierung der ukrainischen Führung und kein völkerrechtlicher Begriff.

Die ukrainischen Behörden veröffentlichen aus militärischen Gründen nur begrenzte Angaben zu eingesetzten Drohnentypen, Startorten und Einsatzplanungen. Auch Angaben über Schäden auf russischem Gebiet lassen sich während des laufenden Krieges häufig nicht zeitnah unabhängig bestätigen.

Russische Luftangriffe treffen Städte und Infrastruktur

Selenskyj stellte die geplante Ausweitung in einen direkten Zusammenhang mit den russischen Luftangriffen auf die Ukraine. Russland hatte die Ukraine am 27. August nach ukrainischen Militärangaben unter anderem mit 258 Drohnen sowie einer nicht näher bezifferten Zahl ballistischer Raketen angegriffen.

Getroffen wurden nach Angaben ukrainischer Behörden und Unternehmen unter anderem Häfen, Energieanlagen, Industriestandorte und Logistikzentren. In Charkiw wurde nach Behördenangaben ein Mensch getötet, weitere Menschen wurden verletzt. Russland erklärte seinerseits, ausschließlich Ziele angegriffen zu haben, die der ukrainischen Kriegsführung dienten.

Moskau hat wiederholt mit einer weiteren Verschärfung seiner Angriffe reagiert, wenn die Ukraine Ziele auf russischem Gebiet attackierte. Der russische Präsident Wladimir Putin räumte wirtschaftliche Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe ein, stellte deren Ausmaß jedoch als beherrschbar dar.

Finanzierung und Zeitpunkt bleiben offen

Die ukrainische Rüstungsindustrie hat ihre Drohnenproduktion seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 deutlich ausgebaut. Selenskyj zufolge reichen die vorhandenen finanziellen Mittel jedoch nicht aus, um die verfügbaren Produktionskapazitäten vollständig zu nutzen.

Offen bleibt, ob die genannte Zahl ausschließlich bewaffnete Angriffsdrohnen umfasst oder auch Täuschkörper und andere Langstreckensysteme einschließt. Ebenfalls nicht veröffentlicht wurde, ob 1.000 Drohnen täglich dauerhaft oder nur bei größeren, gebündelten Angriffen eingesetzt werden sollen.

Damit ist die Ankündigung zunächst vor allem ein Signal an Moskau und an die westlichen Unterstützer der Ukraine: Kiew will seine weitreichenden Angriffe ausbauen, benötigt dafür aber zusätzliche Mittel. Wann die Zielmarke von 1.000 Drohnen pro Tag erreicht werden kann, teilte Selenskyj nicht mit.

Offene Fragen

  • Bis wann soll die Ukraine täglich 1.000 Langstreckendrohnen einsetzen können?
  • Welche Drohnentypen werden in die genannte Zahl eingerechnet?
  • Wie hoch ist der zusätzliche Finanzierungsbedarf?
  • Welchen Anteil sollen ukrainische Mittel und ausländische Unterstützung übernehmen?
  • Soll die Zielmarke dauerhaft gelten oder nur für einzelne Großangriffe?

Quellen und Transparenz

Die Angaben zu Produktions- und Einsatzmengen beruhen auf Aussagen der ukrainischen Führung und können im laufenden Krieg nicht unabhängig vollständig überprüft werden.

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