Trump verkündet Öl-Deal mit Venezuela
Trump verkündet Öl-Deal mit Venezuela über 65 Milliarden Barrel
US-Präsident Donald Trump hat ein umfangreiches Öl-Abkommen mit Venezuela bekannt gegeben. Nach seiner Darstellung sichert die Vereinbarung den Vereinigten Staaten die Mehrheitskontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener venezolanischer Erdölreserven.
Das entspricht rechnerisch mindestens rund 10,33 Billionen Litern. Die Formulierung, Trump habe diese Ölmenge „gekauft“, wäre dennoch irreführend: Es geht um Kontroll- und Förderrechte an unterirdischen Reserven, nicht um bereits produziertes oder unmittelbar verfügbares Erdöl.
USA sollen Mehrheitskontrolle über 17 Ölfelder erhalten
Trump bezeichnete die Vereinbarung am 28. August auf seinem Onlinedienst Truth Social als den „größten Öl-Deal in der Weltgeschichte“. Ausgehandelt worden sei sie unter Beteiligung von US-Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez.
Nach Angaben der venezolanischen Regierung umfasst das Abkommen 17 Ölfelder mit einem nachgewiesenen Potenzial von 65 Milliarden Barrel. Die US-Regierung und private Unternehmen sollen an der Erschließung und Förderung beteiligt werden.
Eine Regierungsquelle erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, die Vereinigten Staaten erhielten faktisch einen Anteil von 55 Prozent an der Produktion eines neu zu gründenden Gemeinschaftsunternehmens. Die venezolanische Regierung soll dem Unternehmen langfristige Förderrechte eingeräumt haben.
Ein vollständiger Vertragstext war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch nicht öffentlich zugänglich. Damit lässt sich unabhängig noch nicht abschließend prüfen, wem die Reserven rechtlich zugeordnet werden, welche Unternehmen beteiligt sind und wie Erlöse, Kosten und Risiken verteilt werden.
10,33 Billionen Liter sind noch keine verfügbare Ölmenge
Ein Barrel Erdöl entspricht rund 158,99 Litern. Multipliziert mit 65 Milliarden Barrel ergibt sich eine rechnerische Menge von etwa 10,334 Billionen Litern.
Diese Umrechnung veranschaulicht die Größenordnung, sagt aber nichts darüber aus, wann oder in welchem Umfang das Öl tatsächlich gefördert werden kann. Reserven sind nachgewiesene Lagerstätten, deren wirtschaftliche Nutzung von Technik, Investitionen, Infrastruktur, Rechtslage und Marktpreisen abhängt.
Venezuela verfügte nach den zuletzt veröffentlichten Angaben der US-Energiebehörde Energy Information Administration über rund 303 Milliarden Barrel nachgewiesene Rohölreserven – mehr als jedes andere Land. Die nun genannten 65 Milliarden Barrel entsprechen damit etwas mehr als einem Fünftel dieses Bestands.
Ein großer Teil des venezolanischen Öls ist besonders schwer und schwefelhaltig. Förderung, Transport und Verarbeitung sind technisch aufwendig. Die US-Energiebehörde nennt fehlende Wartung, Stromausfälle, Investitionsmangel, den schlechten Zustand des staatlichen Ölkonzerns PDVSA und fehlende Verdünnungsmittel als langjährige Belastungen der Branche.
Caracas erwartet Milliardeninvestitionen und Steuereinnahmen
Außenminister Marco Rubio erklärte, das Abkommen könne Venezuela nahezu 100 Milliarden Dollar an privaten Investitionen bringen. Es solle Tausende gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und zum Wiederaufbau der venezolanischen Wirtschaft beitragen.
Delcy Rodríguez sprach von einem „historischen“ Abkommen. Ihre Regierung erwartet nach eigenen Angaben Investitionen von mehr als 100 Milliarden Dollar sowie Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden Dollar.
Bei beiden Summen handelt es sich um Prognosen der beteiligten Regierungen. Über welchen Zeitraum sie anfallen sollen, welche Annahmen zugrunde liegen und welche Unternehmen verbindliche Investitionszusagen abgegeben haben, wurde zunächst nicht umfassend veröffentlicht.
Gerade dieser Punkt ist für die Umsetzung relevant. Ausländische Energiekonzerne haben in der Vergangenheit wegen früherer Enteignungen, politischer Unsicherheit und des Zustands der Infrastruktur zurückhaltend auf Investitionspläne für Venezuela reagiert.
Trumps Versprechen niedrigerer Benzinpreise bleibt offen
Trump erklärte, das Abkommen werde die US-Ölreserven mehr als verdoppeln und den Amerikanern über Jahre niedrigere Benzinpreise bringen. Rubio stellte ebenfalls eine stabile und kostengünstige Ölversorgung in Aussicht.
Ein kurzfristiger Preisrückgang folgt daraus nicht automatisch. Zwischen der Vergabe von Förderrechten und einer deutlich höheren Produktion können Jahre liegen. Hinzu kommen Investitionskosten, die Qualität des Rohöls, Raffineriekapazitäten, Transportwege und die Entwicklung des Weltmarktpreises.
Das Abkommen fällt in eine Phase angespannter globaler Energiemärkte infolge des Krieges mit Iran und der Beeinträchtigungen rund um die Straße von Hormus. Zugleich stehen in den USA im November 2026 die Kongress-Zwischenwahlen bevor. Niedrigere Kraftstoffpreise wären für Trump innenpolitisch von erheblicher Bedeutung.
Offene Fragen zum Öl-Abkommen
- Wann wird der vollständige Vertrag veröffentlicht?
- Welche privaten Unternehmen beteiligen sich verbindlich?
- Wer finanziert die Sanierung und Erweiterung der Förderanlagen?
- Wie verteilen sich Investitionskosten, Fördermengen und Einnahmen?
- Welche rechtlichen Kontroll- und Eigentumsrechte erhalten die USA?
- Ab wann könnte zusätzliches venezolanisches Öl den Weltmarkt erreichen?
Die nächsten belastbaren Erkenntnisse dürften erst vorliegen, wenn beide Regierungen Vertragsunterlagen, Unternehmensbeteiligungen und einen konkreten Zeitplan für die 17 Ölfelder veröffentlichen.
Quellen und Transparenz
- Donald Trump: Bekanntgabe des Abkommens auf Truth Social, 28. August 2026, Stellungnahme des US-Präsidenten.
- Associated Press: Trump announces agreement covering 65 billion barrels, 28. August 2026, ergänzender Nachrichtenbericht mit Angaben aus beiden Regierungen.
- Reuters: US enters oil agreement with Venezuela, 28. August 2026, ergänzende Berichterstattung und Einordnung.
- U.S. Energy Information Administration: Venezuela’s oil production, Länderanalyse zu Reserven, Produktion und strukturellen Problemen der Ölindustrie.
- Die Literangabe wurde redaktionell berechnet: 65 Milliarden Barrel × 158,987 Liter ergeben rund 10,334 Billionen Liter. Da Trump von „mehr als“ 65 Milliarden Barrel spricht, handelt es sich um eine rechnerische Mindestgröße.
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