220 Jobs fallen in Baiersbronn weg
Papierfabrik in Baiersbronn schließt 220 Jobs fallen weg
Die insolvente Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH schließt ihr Werk im Landkreis Freudenstadt. Nach dem 7. September 2026 soll die Produktion endgültig eingestellt werden. Rund 220 Beschäftigte verlieren durch das Aus des traditionsreichen Verpackungsherstellers ihre Arbeitsplätze.
Die Hoffnung auf eine Investorenlösung hat sich nicht erfüllt. Ein potenzieller Käufer zog sich aus dem laufenden Verfahren zurück. Zuvor war dessen Finanzierung noch nicht gesichert gewesen.
Investor zieht sich kurz vor Verfahrenseröffnung zurück
Die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH hatte im Juni 2026 beim Amtsgericht Rottweil einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Der Betrieb wurde zunächst fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der rund 220 Beschäftigten waren für Juni, Juli und August über eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gesichert. Parallel suchte die Insolvenzverwaltung nach einem Investor, der das Werk übernehmen und die Arbeitsplätze erhalten sollte.
Am 25. August teilte Brinkmann & Partner mit, dass die für eine Übernahme erforderliche Finanzierung durch den Interessenten noch nicht sichergestellt sei. Zugleich warnte die Kanzlei, dass der Betrieb ohne einen rechtzeitigen Abschluss des Transaktionsprozesses nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eingestellt werden müsse.
Zwei Tage später folgte das Aus für die angestrebte Lösung: Nach Angaben der Insolvenzverwaltung teilte der potenzielle Investor mit, die geplante Transaktion nicht weiterzuverfolgen. Unter den bestehenden wirtschaftlichen und branchenspezifischen Bedingungen sei keine Einigung zustande gekommen.
Produktion läuft nur noch bis zum 7. September
Die Beschäftigten arbeiten derzeit noch vorhandene Aufträge ab und verbrauchen das restliche Material. Nach dem 7. September soll die Produktion enden, wie ein Sprecher der Gemeinde Baiersbronn dem Südwestrundfunk mitteilte.
Nach Angaben des Gemeindesprechers fehlen dem Unternehmen die finanziellen Mittel, um den Betrieb weiterzuführen und die Beschäftigten zu bezahlen. Die Gemeinde versucht nun, die betroffenen Fachkräfte in der Region zu halten. Dazu steht sie nach eigenen Angaben mit örtlichen Unternehmen und Landtagsabgeordneten in Verbindung.
Ob ein Teil der Belegschaft vorübergehend für die Abwicklung des Standortes beschäftigt bleibt, wurde bislang nicht offiziell mitgeteilt.
Hohe Energiekosten und schwache Nachfrage belasteten das Werk
Als Gründe für die wirtschaftliche Krise nannte die Insolvenzverwaltung hohe Energiekosten und ein schwieriges Marktumfeld in der europäischen Kartonbranche. Hinzu kamen nach vorliegenden Unternehmensangaben strukturelle Überkapazitäten und begrenzte Möglichkeiten, gestiegene Kosten über höhere Preise auszugleichen.
Die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH stellt Frischfaserkarton für Faltschachteln her. Zu den Abnehmern gehören Unternehmen aus der Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Nach Unternehmensangaben lag die Produktionskapazität bei rund 95.000 Tonnen jährlich; der zuletzt genannte Jahresumsatz betrug etwa 80 Millionen Euro.
Das Werk besteht seit gut 70 Jahren und gehört zu den größeren industriellen Arbeitgebern in Baiersbronn. Mit der Stilllegung verliert die Gemeinde nicht nur 220 Arbeitsplätze, sondern auch einen über Jahrzehnte gewachsenen Produktionsstandort.
Für die Beschäftigten beginnt die Suche nach neuen Stellen
Die angekündigte Unterstützung der Gemeinde kann den Arbeitsplatzverlust nicht ersetzen. Sie soll jedoch dazu beitragen, ausgebildete Fachkräfte an andere Unternehmen im Landkreis Freudenstadt und in der Umgebung zu vermitteln.
Offen ist derzeit, wie schnell entsprechende Stellen gefunden werden können und welche arbeitsrechtlichen Schritte für die Beschäftigten nun folgen. Weitere Angaben zum Ablauf der Abwicklung sowie zur künftigen Nutzung oder Verwertung des Werkes liegen bislang nicht offiziell vor.
Chronologie
- 23. Juni 2026: Beginn des vorläufigen Insolvenzverfahrens
- 24. Juni 2026: Insolvenzverwaltung informiert über den Antrag und die Suche nach einem Investor
- 25. August 2026: Finanzierung des potenziellen Investors ist noch nicht gesichert
- 27. August 2026: Der Interessent verfolgt die geplante Übernahme nicht weiter
- Nach dem 7. September 2026: Einstellung des Produktionsbetriebs angekündigt
Quellen und Transparenz
- Brinkmann & Partner: Insolvenzantrag der Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH, 24. Juni 2026, Pressemitteilung der vorläufigen Insolvenzverwaltung.
- Brinkmann & Partner: Aktuelle Mitteilungen, darunter die Pressemitteilung zur bevorstehenden Entscheidung über die Fortführung vom 25./26. August 2026.
- SWR Aktuell: Traditionsfirma stellt Betrieb in Baiersbronn ein, 31. August 2026, ergänzender Medienbericht mit Auskunft der Gemeinde Baiersbronn.
- Angaben zum Rückzug des Investors beruhen auf der von der Insolvenzverwaltung verbreiteten Mitteilung vom 27. August 2026, die in mehreren Fach- und Regionalmedien wiedergegeben wurde.
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