Störung im Umspannwerk Bergheim
Störung im Umspannwerk Bergheim: Polizei vermutet Straftat
Nach einer Störung in einem Umspannwerk in Bergheim-Rheidt ermittelt die Polizei wegen des Verdachts einer vorsätzlichen Straftat. Ein technischer Defekt werde nach aktuellem Ermittlungsstand ausgeschlossen, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Essen.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend gegen 20 Uhr. Durch einen Kurzschluss fielen mehrere Leitungen aus. Zu einem Ausfall der allgemeinen Stromversorgung kam es nach Angaben der Polizei jedoch nicht. Das betroffene Umspannwerk gehört dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion.
Kurzschluss legt mehrere Leitungen lahm
Was den Kurzschluss ausgelöst hat, war am Mittwochmorgen noch nicht geklärt. Auch zum möglichen Tatmittel und zum genauen Ablauf machten die Ermittler zunächst keine näheren Angaben.
Amprion bestätigte den Vorfall. Das Polizeipräsidium Essen hat die Ermittlungen übernommen und steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit Amprion und RWE. Einsatzkräfte untersuchten das Gelände und sicherten Spuren.
Berichte über eine mögliche Beteiligung einer oder mehrerer Drohnen sind bislang nicht amtlich bestätigt. Ebenso ist nicht belegt, dass die von Anwohnern wahrgenommenen Licht- und Knallerscheinungen auf Explosionen zurückzuführen waren. Solange die kriminaltechnischen Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, bleibt die Bezeichnung „Anschlag“ für den Vorfall in Bergheim verfrüht.
Allgemeine Stromversorgung blieb stabil
Die unmittelbaren Auswirkungen blieben nach bisherigem Kenntnisstand begrenzt. Zwar waren mehrere Leitungen infolge des Kurzschlusses ausgefallen, die Versorgung der Bevölkerung mit Strom wurde dadurch aber nicht unterbrochen.
Das ist für die Bewertung des Vorfalls relevant: Ein Ausfall einzelner Leitungen bedeutet nicht zwangsläufig, dass Haushalte oder Unternehmen ohne Strom bleiben. Übertragungsnetze werden so betrieben, dass Störungen einzelner Betriebsmittel möglichst durch andere Leitungen und Schaltmaßnahmen aufgefangen werden können.
Amprion ist einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben ein rund 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz, das sich von Niedersachsen bis zu den Alpen erstreckt. Umspannwerke verbinden unterschiedliche Spannungsebenen und gehören damit zu den zentralen Knotenpunkten des Stromsystems.
Die Anlage in Rheidt befindet sich in der vom Braunkohlekraftwerk Niederaußem geprägten Energieregion im Rhein-Erft-Kreis. Eine Beeinträchtigung des Kraftwerksbetriebs wurde im Zusammenhang mit dem Vorfall bislang nicht gemeldet.
Sabotage in Brandenburg am selben Tag
Die Ermittlungen in Bergheim fallen zeitlich mit einem bestätigten Angriff auf die Strominfrastruktur in Brandenburg zusammen. Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen.
Nach Angaben der brandenburgischen Behörden wurden selbst gebaute Flugkörper mit Treibsätzen verwendet, die leitfähiges Material in die Leitungen befördern sollten. In zwei Fällen gelang dies. Ermittler fanden zudem eine zweistellige Zahl weiterer Vorrichtungen auf dem Gelände.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann bezeichnete den Vorgang als Sabotageakt. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Die allgemeine Stromversorgung war laut Netzbetreiber 50Hertz auch dort nicht beeinträchtigt. Ein Block des Kraftwerks Jänschwalde war allerdings zeitweise ausgefallen; ob der Ausfall unmittelbar durch den Angriff verursacht wurde, war zunächst Gegenstand der Untersuchungen.
Kein bestätigter Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen
Die zeitliche Nähe der Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg begründet allein noch keinen Zusammenhang. Bislang gibt es weder Angaben zu übereinstimmenden Tatmitteln noch Hinweise auf dieselben Täter oder ein gemeinsames Motiv.
Für Bergheim ist derzeit lediglich bestätigt, dass die Polizei von einer vorsätzlichen Straftat und nicht von einem technischen Defekt ausgeht. Ob das Umspannwerk gezielt angegriffen wurde, auf welche Weise dies geschah und welches Ziel mögliche Täter verfolgten, müssen die weiteren Ermittlungen klären.
Offene Fragen
- Welches Tatmittel löste den Kurzschluss in Bergheim-Rheidt aus?
- Wurden auf oder neben dem Gelände verdächtige Gegenstände gefunden?
- War die Anlage selbst das gezielte Angriffsziel?
- Gibt es Bild-, Flug- oder Sensordaten, die den Ablauf dokumentieren?
- Besteht irgendeine Verbindung zum Angriff in Brandenburg?
Quellen und Transparenz
- Polizeipräsidium Essen: Angaben eines Polizeisprechers zum Ermittlungsstand vom 2. September 2026, wiedergegeben durch die Deutsche Presse-Agentur; ein technischer Defekt werde ausgeschlossen, Ursache und Hintergründe seien ungeklärt.
- Amprion: Bestätigung der Störung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur; Angaben zum Unternehmen und zum Höchstspannungsnetz.
- Tagesschau: „Sprengvorrichtung an Umspannwerk in Brandenburg gefunden“, 1. September 2026, ergänzender Medienbericht.
- Reuters: Sabotageangriff auf das Stromnetz in Brandenburg, 1. September 2026, ergänzender Agenturbericht.
- RBB24: Sabotage am Umspannwerk Turnow-Preilack, 1. September 2026, ergänzender Medienbericht mit Angaben von Behörden und 50Hertz.
- Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag keine öffentlich abrufbare Pressemitteilung der Polizei zum Vorfall in Bergheim vor. Einzelheiten zu einer angeblichen Drohnenbeteiligung sind deshalb nicht als bestätigt dargestellt.
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