Simplon kämpft erneut um seine Fahrradproduktion

Simplon kämpft erneut um seine Fahrradproduktion
Systembild: Die 2Rad Produktions GmbH fertigt Fahrräder für die Marke Simplon. Über die Gesellschaft wurde erneut ein Sanierungsverfahren eröffnet. © KI-generierte Illustration

Simplon-Produktion erneut insolvent: 33,4 Millionen Euro Schulden

Die Produktionsgesellschaft der österreichischen Fahrradmarke Simplon ist zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren insolvent. Das Landesgericht Feldkirch eröffnete am 2. September 2026 über das Vermögen der 2Rad Produktions GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung.

Das Unternehmen mit Sitz in Hard in Vorarlberg firmierte früher als Simplon Fahrrad GmbH und konzentriert sich nach einer Umstrukturierung auf die Fahrradproduktion innerhalb der Simplon-Gruppe. Die heutige Simplon Bike GmbH ist Alleingesellschafterin der insolventen Produktionsgesellschaft. Damit betrifft das Verfahren formal nicht die Simplon Bike GmbH selbst.

28,3 Millionen Euro aus dem ersten Verfahren

Nach Angaben des Kreditschutzverbandes KSV1870 belaufen sich die Verbindlichkeiten der 2Rad Produktions GmbH auf rund 33,4 Millionen Euro. Betroffen sind etwa 150 Gläubiger sowie 54 Beschäftigte.

Der überwiegende Teil der Schulden hängt mit dem ersten Insolvenzverfahren zusammen. Rund 28,3 Millionen Euro entfallen laut KSV1870 auf Forderungen, die durch das Scheitern des Ende 2024 angenommenen Sanierungsplans wieder aufleben. Davon sollen rund 26 Millionen Euro auf eine einzelne Hauptgläubigerin entfallen. Weitere rund 2,3 Millionen Euro verteilen sich auf sonstige Gläubiger.

Die hohe Gesamtsumme bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Verbindlichkeiten seit dem Neustart neu entstanden sind. Sie zeigt jedoch, welche finanziellen Folgen das Scheitern des ersten Sanierungsplans für das aktuelle Verfahren hat.

Lieferprobleme belasteten Produktion und Liquidität

Als Insolvenzursachen nennt die 2Rad Produktions GmbH nach Mitteilungen der Gläubigerschutzverbände mehrere Faktoren. Demnach führten fehlende Bauteile sowie Verzögerungen und Leistungsprobleme bei einem wichtigen Outsourcing-Partner zu Ausfällen in der Produktion und bei der Auslieferung.

Bestellte Fahrräder hätten deshalb nicht rechtzeitig fertiggestellt und ausgeliefert werden können. Nach Darstellung des Unternehmens blieben Umsätze und Folgeaufträge aus, während sich die Liquiditätslage weiter verschärfte. Hinzu komme das weiterhin schwierige Marktumfeld in der europäischen Fahrradbranche.

Der KSV1870 gibt zudem die Darstellung der Geschäftsführung wieder, wonach die Kommunikation vor der damaligen Anteilsübernahme teilweise nicht vollständig nachvollziehbar oder korrekt gewesen sei. Insbesondere die übernommenen Warenbestände hätten sich nach Angaben der Schuldnerin als unzureichend und unvollständig erwiesen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Vorwürfe liegt bislang nicht vor.

Geschäftsführer der 2Rad Produktions GmbH ist Christoph Mannel. Er vertritt die Gesellschaft nach Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbandes seit Februar 2025.

Neuer Sanierungsplan sieht 20 Prozent Quote vor

Der Geschäftsbetrieb soll nach dem Willen der Unternehmensführung fortgeführt werden. Die 2Rad Produktions GmbH plant, den Gläubigern erneut einen Sanierungsplan vorzulegen. Vorgesehen ist eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Plans.

Bei einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung verliert die Geschäftsführung die alleinige Verfügungsgewalt über das Unternehmensvermögen. Die Kontrolle liegt beim gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter. Das Landesgericht Feldkirch hat Rechtsanwalt Andreas Joel Droop mit dieser Aufgabe betraut.

Ob der Betrieb dauerhaft fortgeführt und wie viele Arbeitsplätze erhalten werden können, ist noch offen. Das Unternehmen hat weitere Restrukturierungsmaßnahmen und die Suche nach einem Investor angekündigt.

Gläubiger müssen Frist bis 27. Oktober beachten

Gläubiger können ihre Forderungen nach den veröffentlichten Verfahrensdaten bis zum 27. Oktober 2026 anmelden. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für den 9. November 2026 angesetzt. Über den neuen Sanierungsplan soll nach derzeitigem Stand am 23. November 2026 vor dem Landesgericht Feldkirch verhandelt werden.

Erst im weiteren Verfahren wird sich zeigen, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine erneute Sanierung bestehen und die Gläubiger dem vorgeschlagenen Plan zustimmen.

FAQ

Welche Gesellschaft ist insolvent?

Betroffen ist die 2Rad Produktions GmbH, die früher als Simplon Fahrrad GmbH firmierte und innerhalb der Simplon-Gruppe für die Fahrradproduktion zuständig ist. Die heutige Simplon Bike GmbH ist nicht selbst Gegenstand des Insolvenzverfahrens.

Wird die Fahrradproduktion eingestellt?

Nach Angaben der Gläubigerschutzverbände wird eine Fortführung angestrebt. Ob und in welchem Umfang dies dauerhaft gelingt, hängt vom Verlauf des Verfahrens, dem Sanierungsplan und der Finanzierung ab.

Bis wann können Gläubiger Forderungen anmelden?

Die gerichtliche Anmeldefrist endet nach Angaben des KSV1870 am 27. Oktober 2026.

Was bietet die Produktionsgesellschaft den Gläubigern an?

Geplant ist eine Sanierungsquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans. Über die Annahme ist noch nicht entschieden.

Quellen und Transparenz

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