Bahn bremst Sanierungsprogramm deutlich aus

Bahn bremst Sanierungsprogramm deutlich aus
Systembild: Die Deutsche Bahn plant meist nur noch zwei Korridorsanierungen pro Jahr. Das Ziel 2036 ist offen – mit Folgen für Fahrgäste und das marode Netz. © Presse.Online

Bahn plant weniger Korridorsanierungen: Ziel 2036 offen

Die Deutsche Bahn drosselt das Tempo bei der grundlegenden Sanierung ihres stark belasteten Schienennetzes. Statt bis zu vier Korridorsanierungen pro Jahr sollen künftig meist zwei stattfinden. Bei besonderen technischen Erfordernissen können drei Strecken gleichzeitig in das Programm aufgenommen werden.

„Wir werden die Anzahl der Korridorsanierungen pro Jahr an das Finanzierungsvolumen anpassen“, sagte die Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla am Donnerstag in Berlin. Das überarbeitete Konzept werde derzeit noch mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt. Einen neuen Termin für den Abschluss des Gesamtprogramms nannte Palla nicht.

Weniger Baustellen, längerer Sanierungszeitraum

Das Sanierungsprogramm umfasst mehr als 40 besonders stark belastete Streckenkorridore. Dort sollen unter anderem Gleise, Weichen, Oberleitungen, Bahnhöfe sowie Leit- und Sicherungstechnik gebündelt erneuert werden. Während der Arbeiten werden die jeweiligen Abschnitte in der Regel über mehrere Monate vollständig gesperrt.

Ursprünglich sollten die Arbeiten Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein. Später wurde das Ziel auf 2036 verschoben. Da die Bahn nun weniger Korridore pro Jahr bearbeiten will und Palla von einem längeren Sanierungszeitraum spricht, ist auch dieser Termin nicht mehr gesichert.

Wie weit sich das Programm tatsächlich verlängert, steht noch nicht fest. Die Bahn und das Bundesverkehrsministerium müssen zunächst klären, welche Strecken wann modernisiert werden und welches Finanzierungsvolumen dafür zur Verfügung steht.

Netz kann vier Großsanierungen kaum verkraften

Nicht allein die Finanzierung begrenzt das Bautempo. Nach den Erfahrungen mit den ersten Projekten kommt die Bahn zu dem Schluss, dass bis zu vier parallele Korridorsanierungen die Kapazität des ohnehin stark ausgelasteten Netzes zu stark einschränken können.

Während einer Vollsperrung müssen Fern-, Regional- und Güterzüge auf andere Strecken ausweichen. Diese Umleiterstrecken nehmen dann erheblich mehr Verkehr auf. Sind sie selbst störanfällig, mit Baustellen belegt oder nicht ausreichend ausgebaut, drohen zusätzliche Verspätungen und Zugausfälle.

Die langsamere Abfolge der Sanierungen ist deshalb eine Abwägung: Weniger gleichzeitige Vollsperrungen können den laufenden Bahnbetrieb entlasten. Gleichzeitig bleiben störanfällige Strecken länger unsaniert und die grundlegende Modernisierung des Gesamtnetzes zieht sich weiter hin.

Berlin–Hannover: Rund 80 Minuten längere Fahrzeit

Welche Belastungen eine Korridorsanierung auslösen kann, zeigt die Verbindung zwischen Berlin und Hannover. Die rund 227 Kilometer lange Strecke Berlin–Lehrte soll nach Angaben der Bahn vom 2. Oktober 2026 bis Dezember 2027 vollständig gesperrt und modernisiert werden.

Fernzüge zwischen Berlin und Hannover werden in dieser Zeit über Magdeburg und Braunschweig umgeleitet. Besonders betroffen sind Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Fahrzeit verlängert sich nach den bisher veröffentlichten Planungen um etwa 80 Minuten.

Die ursprünglich als teilweise Ausweichroute vorgesehene Stammbahn steht nicht rechtzeitig vollständig zur Verfügung. Ihre Elektrifizierung verzögert sich nach Bahn-Angaben bis Dezember 2027. Einige ICE-Verbindungen sollen während der Sperrung zusätzlich in Potsdam halten. Ein detaillierter Fahrplan befindet sich noch in Vorbereitung.

Auch für den Nah- und Güterverkehr sind umfangreiche Umleitungen vorgesehen. Wo keine Züge verkehren können, will die Bahn Ersatzverkehre mit Bussen einrichten.

Umleitungsstrecken sollen vor der Sperrung stabiler werden

Die Deutsche Bahn will Umleiterstrecken künftig besser auf den zusätzlichen Verkehr vorbereiten. Dazu können vorgezogene Instandhaltungsarbeiten, technische Verbesserungen oder eine veränderte Abstimmung anderer Baustellen gehören.

Zugleich sollen die Ziele jeder Korridorsanierung genauer definiert werden. Nach Pallas Ankündigung will die Bahn künftig klarer ausweisen, wie stark die Zahl der Störungen nach Abschluss der Arbeiten sinken soll und wie lange ein sanierter Streckenabschnitt anschließend von größeren Baustellen verschont bleibt.

Damit rückt neben dem Bauumfang stärker die messbare Wirkung in den Mittelpunkt. Offen ist bislang, nach welchen einheitlichen Kriterien die Bahn diese Verbesserungen bewerten und öffentlich dokumentieren wird.

Offene Fragen

  • Welches neue Abschlussjahr ersetzt den bisherigen Zieltermin 2036?
  • Welche Korridore werden aufgrund des langsameren Tempos verschoben?
  • Wie hoch ist das jährlich verfügbare Finanzierungsvolumen?
  • Nach welchen Kennzahlen misst die Bahn den Erfolg einer Sanierung?
  • Wann veröffentlichen Bahn und Bundesverkehrsministerium den überarbeiteten Gesamtplan?

Quellen und Transparenz

Die konkrete neue Jahresplanung der Korridorsanierungen war zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht öffentlich verfügbar. Einzelheiten des überarbeiteten Konzepts können sich durch die laufende Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium ändern.

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