800 Jobs weg: So tief greift United Internet ein

800 Jobs weg: So tief greift United Internet ein
Systembild: United Internet will bei 1&1 Versatel und Ionos insgesamt rund 800 Vollzeitstellen abbauen. © KI-generierte Illustration

United Internet streicht 800 Stellen bei 1&1 und Ionos

United Internet will bei seinen Tochtergesellschaften 1&1 und Ionos insgesamt rund 800 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind die 1&1-Geschäftskundentochter Versatel sowie der Hosting- und Cloud-Anbieter Ionos.

Die Unternehmen haben die Transformationsprogramme am 10. September 2026 beschlossen. Nach ihren Angaben sollen die Personalmaßnahmen vor allem über freiwillige Programme, bestehende Altersteilzeitvereinbarungen und im Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen umgesetzt werden. Welche Standorte und Tätigkeitsbereiche im Einzelnen betroffen sind, wurde bislang nicht veröffentlicht.

1&1 Versatel soll rund jede vierte Stelle verlieren

Bei 1&1 Versatel soll die Zahl der Vollzeitstellen von derzeit rund 1.350 auf etwa 1.000 sinken. Damit würden ungefähr 350 Arbeitsplätze und rechnerisch knapp 26 Prozent der Stellen entfallen.

1&1 begründet das Programm mit einer geplanten Neuausrichtung von Organisation, Prozessen und IT-Strukturen. Führungsstrukturen sollen vereinfacht und Hierarchieebenen abgebaut werden. Das Unternehmen kündigte an, zusätzlich zu bereits bestehenden Altersteilzeitvereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretungen über ein Freiwilligenprogramm zu sprechen.

Für den Umbau rechnet 1&1 im Geschäftsjahr 2026 mit einmaligen Aufwendungen von rund 60 Millionen Euro. Deshalb reduzierte das Unternehmen seine EBITDA-Prognose für 2026 von zuvor etwa 800 Millionen Euro auf rund 740 Millionen Euro. Das EBITDA bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Nach vollständiger Umsetzung erwartet 1&1 ab 2028 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von rund 25 Millionen Euro. Nach Darstellung des Unternehmens soll dieses Geld die finanzielle Basis für weitere Investitionen stärken.

Ionos baut 450 Stellen ab und setzt stärker auf KI

Bei Ionos soll die Belegschaft von derzeit rund 3.800 auf etwa 3.350 Vollzeitkräfte verkleinert werden. Das entspricht einem Abbau von ungefähr zwölf Prozent.

Nach Unternehmensangaben entfallen die rund 450 Stellen etwa zur Hälfte auf das Inland und das Ausland. Rechnerisch wären damit jeweils rund 225 Arbeitsplätze betroffen. Eine genaue Verteilung auf einzelne Länder, Standorte oder Geschäftsbereiche nannte Ionos bislang nicht.

Der Umbau beschränkt sich nicht auf die Personalstruktur. Ionos will technische Plattformen und Prozesse vereinheitlichen und zusammenführen. Zugleich kündigte das Unternehmen eine konsequentere Nutzung künstlicher Intelligenz an.

Die Anpassung der Belegschaft soll vornehmlich über Freiwilligenprogramme erfolgen. Deren Ausgestaltung richtet sich nach Angaben von Ionos nach den arbeitsrechtlichen Anforderungen der jeweiligen Länder. Die genaue Höhe und zeitliche Verteilung der erwarteten Einsparungen hängt deshalb auch davon ab, wie viele Beschäftigte die Angebote annehmen.

Für 2026 veranschlagt Ionos Restrukturierungsaufwendungen von etwa 35 Millionen Euro. Ab 2027 erwartet das Unternehmen jährliche Einsparungen von bis zu 30 Millionen Euro. Diese Mittel sollen unter anderem in die Entwicklung von KI-Produkten und den Ausbau des Cloud-Geschäfts fließen.

Rund jede sechste Stelle in den betroffenen Unternehmen entfällt

Zusammen beschäftigen 1&1 Versatel und Ionos nach den veröffentlichten Ausgangszahlen rund 5.150 Vollzeitkräfte. Der geplante Abbau von etwa 800 Stellen entspricht damit rechnerisch rund 15,5 Prozent – also ungefähr jeder sechsten Stelle in den beiden betroffenen Unternehmen.

Die Einschnitte fallen unterschiedlich stark aus: Bei 1&1 Versatel soll knapp jede vierte Stelle wegfallen, bei Ionos etwa jede achte. United Internet spricht dennoch nicht nur von Kostensenkungen, sondern von einer Verlagerung finanzieller Mittel in neue Wachstumsfelder.

Diese Darstellung beschreibt die Unternehmensstrategie, ändert aber nichts an der unmittelbaren Folge für die Beschäftigten: Rund 800 Stellen sollen entfallen. Noch offen ist, ob die angestrebte Zielgröße vollständig durch freiwillige Vereinbarungen und Altersteilzeit erreicht werden kann.

Auch ein genauer Zeitplan liegt bislang nur teilweise vor. Bei Ionos sollen die Einsparungen ab 2027 wirksam werden. 1&1 erwartet den vollständigen Ergebnisbeitrag des Versatel-Programms erst ab 2028.

95 Millionen Euro Umbaukosten für 55 Millionen Euro im Jahr

Auf Ebene von United Internet verursachen beide Programme 2026 zusammen einmalige Aufwendungen von rund 95 Millionen Euro: 60 Millionen Euro bei 1&1 und 35 Millionen Euro bei Ionos.

Nach vollständiger Umsetzung erwartet der Konzern jährliche Einsparungen beziehungsweise Ergebnisbeiträge von insgesamt rund 55 Millionen Euro. Rein rechnerisch entsprechen die einmaligen Umbaukosten damit knapp dem 1,7-Fachen der vorgesehenen jährlichen Entlastung. Diese Rechnung berücksichtigt allerdings weder Steuern noch den schrittweisen Beginn der Einsparungen oder weitere mögliche Folgekosten.

United Internet will die frei werdenden Mittel nach eigenen Angaben in die weitere Unternehmensentwicklung investieren. Es handelt sich daher nicht zwingend um 55 Millionen Euro, die dauerhaft als zusätzlicher Gewinn im Konzern verbleiben.

Die Restrukturierungskosten sollen als einmaliger Sondereffekt ausgewiesen werden. Sie belasten deshalb nach Darstellung des Konzerns nicht die bereinigte operative EBITDA-Prognose von rund 1,45 Milliarden Euro für 2026.

United Internet hält zudem an einem erwarteten Jahresumsatz von rund 6,25 Milliarden Euro und Investitionsausgaben von 600 bis 650 Millionen Euro fest. Die Umsatzangabe ist eine Berichtigung: In der ursprünglichen Ad-hoc-Mitteilung hatte der Konzern aufgrund eines redaktionellen Fehlers zunächst 6,45 Milliarden Euro genannt.

Welche Angaben noch fehlen

Bislang haben United Internet, 1&1 und Ionos keine vollständige Aufschlüsselung der betroffenen Standorte und Tätigkeitsbereiche veröffentlicht. Unklar ist ebenfalls, in welchem Zeitraum die einzelnen Arbeitsplätze entfallen sollen und welche Konditionen die geplanten Freiwilligenprogramme enthalten werden.

Die weiteren Schritte hängen von den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen und von der Annahme der freiwilligen Angebote ab. Bei Ionos hat dies nach Unternehmensangaben auch Einfluss darauf, wann die erwarteten Einsparungen vollständig erreicht werden.

Offene Fragen

  • Welche Standorte und Abteilungen sind konkret betroffen?
  • Über welchen Zeitraum soll der Stellenabbau umgesetzt werden?
  • Welche Leistungen enthalten die angekündigten Freiwilligenprogramme?
  • Reichen freiwillige Vereinbarungen und Altersteilzeit aus, um alle 800 Stellen abzubauen?
  • Welche bisherigen Aufgaben sollen künftig durch vereinheitlichte Plattformen oder künstliche Intelligenz übernommen werden?

Quellen und Transparenz

  • United Internet AG: „Konzerntöchter 1&1 AG und IONOS Group SE beschließen Transformationsprogramme“, Ad-hoc-Mitteilung vom 10. September 2026 sowie Berichtigung vom 11. September 2026, Unternehmensangaben/Insiderinformation.
  • 1&1 AG: „1&1 AG beschließt Transformations- und Restrukturierungsprogramm bei 1&1 Versatel und passt EBITDA-Prognose 2026 an“, Ad-hoc-Mitteilung vom 10. September 2026, Unternehmensangaben/Insiderinformation.
  • Ionos Group SE: „Ionos Group SE startet strategisches Transformationsprogramm und stärkt Wachstumsbasis“, Ad-hoc-Mitteilung vom 10. September 2026, Unternehmensangaben/Insiderinformation.
  • Die Prozentwerte und das Verhältnis zwischen Umbaukosten und jährlichen Einsparungen wurden von Presse.Online anhand der veröffentlichten Unternehmenszahlen berechnet.

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