Tullau Pappen insolvent: 90 Beschäftigte betroffen

Tullau Pappen insolvent: 90 Beschäftigte betroffen
Systembild: Bei Tullau Pappen läuft die Produktion an beiden Standorten während der vorläufigen Insolvenzverfahren weiter. ©

Tullau Pappen insolvent: 90 Beschäftigte bangen um ihre Jobs

Die Unternehmensgruppe Tullau Pappen hat für ihre beiden Produktionsgesellschaften Insolvenzanträge beim Amtsgericht Heilbronn gestellt. Für die 90 Beschäftigten bedeutet das zunächst keine Betriebsschließung: In den Werken im baden-württembergischen Tullau und im bayerischen Trauchgau wird nach Angaben des SWR weiterproduziert. Ob die Standorte dauerhaft erhalten bleiben, ist bislang offen.

Zwei Werke produzieren trotz Insolvenzverfahren weiter

Nach Angaben der Fachpublikation EUWID ordnete das Amtsgericht Heilbronn am 3. September 2026 vorläufige Insolvenzverfahren an. In Tullau, einem Ortsteil von Rosengarten im Landkreis Schwäbisch Hall, arbeiten laut SWR 45 Menschen. Weitere 45 sind am Standort Trauchgau im Oberallgäu beschäftigt. Auf seiner Standortseite nennt das Unternehmen die beiden Produktionsgesellschaften Tullau Pappen Karl Kurz GmbH & Co. KG und Pappenfabrik Trauchgau GmbH & Co. KG.

Ein Insolvenzantrag ist noch keine Entscheidung über die Schließung eines Betriebs. Im vorläufigen Verfahren werden die wirtschaftliche Lage und Möglichkeiten zur Fortführung geprüft. Bei Tullau Pappen ist ein Verkauf der gesamten Gruppe oder einzelner Teile eine Option. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun will nach eigenen Angaben gegenüber dem SWR die Betriebe und Arbeitsplätze erhalten. Wie tragfähig eine Lösung ist, lasse sich in diesem frühen Stadium noch nicht beurteilen.

Geschäftsführung verweist auf Energie- und Kostendruck

Geschäftsführer Matthias Kurz führt die Schieflage gegenüber dem SWR vor allem auf gestiegene Preise für Strom, Gas und Öl sowie Kosten für CO₂-Zertifikate zurück. Braun verweist zusätzlich auf Wettbewerbs- und Preisdruck in der Papier- und Pappenbranche. Höhere Kosten ließen sich demnach nur begrenzt an Kunden weitergeben, ohne Aufträge zu verlieren. Das sind Angaben der Beteiligten; eine unabhängige Aufschlüsselung der wirtschaftlichen Ursachen liegt öffentlich bislang nicht vor.

Das Unternehmen fertigt nach eigenen Angaben Vollpappe und Karton für deutsche und internationale Kunden. Braun sieht in spezialisierten Produkten und bestehenden Kundenbeziehungen eine Chance für die Fortführung. Ob sich daraus ein tragfähiges Sanierungskonzept oder ein Verkauf ergibt, ist noch offen.

Löhne bis Oktober abgesichert, Zukunft danach offen

Die Beschäftigten wurden laut einer vom SWR wiedergegebenen schriftlichen Erklärung über die Verfahren informiert. Ihre Vergütungsansprüche seien bis einschließlich Oktober 2026 über Insolvenzgeld abgesichert. Insolvenzgeld deckt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit unter den gesetzlichen Voraussetzungen ausstehendes Arbeitsentgelt für einen begrenzten Zeitraum ab. Die Absicherung sagt für sich genommen nichts darüber aus, ob Arbeitsplätze anschließend erhalten bleiben.

In Tullau wird seit nahezu 150 Jahren Pappe hergestellt. Die lange Geschichte des Standorts macht die Nachricht für die Region besonders spürbar, entscheidet aber nicht über den Ausgang des Verfahrens. Für die Beschäftigten und die beiden Gemeinden ist nun maßgeblich, ob der laufende Betrieb finanziert werden kann und sich eine dauerhafte Lösung für beide Werke findet.

Quellen und Transparenz: Tullau Pappen: Unternehmens- und Standortangaben (Primärquelle für Gesellschaften und Werke); Bundesagentur für Arbeit: Insolvenzgeld (amtliche Erläuterung); SWR Aktuell, 11. September 2026 (Recherche mit Aussagen der Beteiligten); EUWID Papier, 11. September 2026 (Branchenbericht zum Verfahren). Ein öffentlich zugänglicher, unmittelbar verlinkbarer Gerichtsbeschluss zu beiden Verfahren lag für diesen Beitrag nicht vor.

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