Kommunalwahl Niedersachsen: CDU vorn, AfD bei 16,5 %
Niedersachsen-Wahl: CDU verliert, AfD legt stark zu
Die CDU bleibt bei der Kommunalwahl in Niedersachsen nach einer Hochrechnung stärkste Kraft, muss jedoch deutliche Verluste hinnehmen. Infratest dimap errechnete im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks landesweit 27,7 Prozent für die Union. Die SPD folgt mit 24,5 Prozent, die AfD mit 16,5 Prozent.
Damit verschieben sich die kommunalen Kräfteverhältnisse spürbar. Während CDU, SPD, Grüne und FDP gegenüber 2021 verlieren, können AfD und Linke deutlich zulegen. Ein amtliches landesweites Endergebnis lag in der Nacht zum Montag noch nicht vor.
CDU und SPD verlieren zusammen 9,5 Prozentpunkte
Bei den Kreiswahlen 2021 hatte die CDU 31,7 Prozent erreicht. Die Hochrechnung für 2026 bedeutet einen Rückgang um vier Prozentpunkte. Die SPD fällt von 30,0 auf 24,5 Prozent und verliert damit 5,5 Punkte.
Auch die Grünen geben nach: Ihr Anteil sinkt nach der Hochrechnung von 15,9 auf 13,6 Prozent. Die FDP erreicht nur noch 3,6 statt 6,5 Prozent. Die Linke verbessert sich dagegen von 2,8 auf 5,9 Prozent.
Die stärkste Veränderung verzeichnet die AfD. Sie steigt von 4,6 auf 16,5 Prozent. Das entspricht einem Plus von 11,9 Prozentpunkten. Ihr Stimmenanteil ist damit rund 3,6-mal so hoch wie bei der Kommunalwahl 2021 die Partei hat ihr Ergebnis also nicht nur fast, sondern deutlich mehr als verdreifacht.
Da es sich um eine Hochrechnung und nicht um das amtliche Endergebnis handelt, können sich die landesweiten Werte noch verändern.
AfD wird in Niedersachsen kommunalpolitisch stärker
Das Ergebnis zeigt, dass die AfD inzwischen auch in einem westdeutschen Flächenland deutlich mehr kommunale Stimmen mobilisieren kann als noch vor fünf Jahren. Kommunalwahlen werden allerdings stark von örtlichen Kandidaturen, Wählergemeinschaften und regionalen Themen geprägt. Das Ergebnis lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf eine Landtags- oder Bundestagswahl übertragen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Salzgitter. Dort zieht AfD-Kandidatin Patricia Mair in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt ein. Nach dem ausgezählten ersten Wahlgang kam Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU auf 45,61 Prozent, Mair erreichte 25,67 Prozent. Da niemand die absolute Mehrheit erhielt, fällt die Entscheidung am 27. September.
Der niedersächsische AfD-Landesverband wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt geführt. Die Partei geht dagegen juristisch vor. Vier AfD-Bewerber waren vor der Kommunalwahl wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zugelassen worden.
Stichwahlen in Hannover, Göttingen und Salzgitter
Neben den landesweiten Parteianteilen entschieden die Wählerinnen und Wähler über zahlreiche Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratsämter.
In Wolfsburg bleibt Dennis Weilmann von der CDU Oberbürgermeister. Die Stadt bestätigte, dass der Amtsinhaber bereits im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhielt. Nach den veröffentlichten Ergebnissen kam Weilmann auf 50,1 Prozent und vermied damit knapp eine Stichwahl.
Auch in Hameln gewann CDU-Amtsinhaber Claudio Griese mit 56,51 Prozent im ersten Wahlgang. In Diepholz wurde der parteilose Bürgermeister Florian Marré mit 79,3 Prozent im Amt bestätigt. Wilhelmshaven bekommt mit der parteilosen Eva Maria Haarmann erstmals eine Oberbürgermeisterin.
In Hannover lag der amtierende Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen vor SPD-Herausforderer Axel von der Ohe. Eine endgültige Entscheidung erfordert nach dem bisherigen Auszählungsstand eine Stichwahl.
Auch in Göttingen wird ein zweiter Wahlgang notwendig. Grünen-Kandidatin Onyeka Oshionwu erreichte 41,44 Prozent, Ehsan Kangarani von der CDU 27,86 Prozent. SPD-Bewerber Florian Dinger verpasste mit 21,6 Prozent die Stichwahl. Damit könnte das Göttinger Oberbürgermeisteramt, das zuletzt über mehrere Amtszeiten von der SPD besetzt wurde, an die Grünen oder die CDU fallen.
Falsche Stimmzettel in Wilhelmshavener Wahllokal
Überschattet wurde die Wahl in Wilhelmshaven von einem Fehler bei der Ausgabe der Stimmzettel. Nach Angaben der Stadt erhielten Wählerinnen und Wähler im Wahllokal 216 „Heppens-Villenviertel“ Stimmzettel für den Wahlbereich West, obwohl das Wahllokal zum Wahlbereich Ost gehört.
Als der Fehler auffiel, waren nach Angaben der Stadt bereits 90 falsche Stimmzettel ausgefüllt und abgegeben worden. Die Stimmen für die Oberbürgermeisterwahl konnten regulär ausgezählt werden. Wie die betroffenen Stimmen zur Stadtratswahl behandelt werden, sollte in Abstimmung mit der Landeswahlleitung geklärt werden.
In Hannover mussten am Morgen mehrere Wahllokale durch Schlüsseldienste geöffnet werden. Nach Angaben der örtlichen Wahlleitung waren dennoch alle Wahllokale zum vorgesehenen Beginn um 8 Uhr geöffnet.
Ergebnis erhöht den Druck auf die großen Parteien
Die Kommunalwahl war die erste landesweite Wahl in Niedersachsen seit der Amtsübernahme von Ministerpräsident Olaf Lies, der 2025 die Nachfolge von Stephan Weil antrat. Für die rot-grüne Landesregierung ist das Ergebnis ein Warnsignal: SPD und Grüne verlieren nach der NDR-Hochrechnung zusammen 7,8 Prozentpunkte gegenüber 2021.
Auch die CDU kann ihr Abschneiden nur eingeschränkt als Erfolg verbuchen. Sie bleibt zwar stärkste Kraft, verliert aber deutlich. CDU-Landeschef Sebastian Lechner hatte bereits vor der Hochrechnung eingeräumt, dass sich der Unmut über die Bundespolitik auch im niedersächsischen Wahlkampf bemerkbar gemacht habe.
Die nächste reguläre Landtagswahl in Niedersachsen ist 2027 vorgesehen. Zuvor stehen am 20. September 2026 Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und die Abgeordnetenhauswahl in Berlin an. Ob der starke AfD-Zuwachs in Niedersachsen auch dort sichtbar wird, lässt sich aus einer Kommunalwahl nicht zuverlässig ableiten.
Zunächst kommt es am 27. September in zahlreichen niedersächsischen Kommunen zu Stichwahlen. Das amtliche landesweite Ergebnis bleibt abzuwarten.
Zahlen und Daten
- CDU: 27,7 Prozent; 2021: 31,7 Prozent
- SPD: 24,5 Prozent; 2021: 30,0 Prozent
- AfD: 16,5 Prozent; 2021: 4,6 Prozent
- Grüne: 13,6 Prozent; 2021: 15,9 Prozent
- Linke: 5,9 Prozent; 2021: 2,8 Prozent
- FDP: 3,6 Prozent; 2021: 6,5 Prozent
- Grundlage: Hochrechnung von Infratest dimap für den NDR; kein amtliches Endergebnis
- Wahlberechtigte: rund 6,3 Millionen Menschen
- Nächster Termin: Stichwahlen am 27. September 2026
Quellen und Transparenz
- Niedersächsische Landeswahlleitung: Presseinformationen zur Kommunalwahl 2026 amtliche Informationen zum Wahlablauf und zum Stand der Auszählung, 13. September 2026.
- NDR: Kommunalwahl Niedersachsen 2026, Hochrechnung von Infratest dimap, Zwischenergebnisse und kommunale Einzelresultate.
- Stadt Wolfsburg: Kommunalwahl 2026 amtliche Mitteilung zur Wiederwahl von Oberbürgermeister Dennis Weilmann.
- Stadt Wilhelmshaven: Kommunalwahl und vorläufige Ergebnisse amtliche Informationen zum Wahlfehler und zu den örtlichen Ergebnissen.
- Die landesweiten Parteianteile für 2026 beruhen auf einer Hochrechnung. Sie sind bis zur Veröffentlichung des amtlichen Ergebnisses als vorläufig zu behandeln.
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