Wegner empört über Linksjugend-Post
Linksjugend vergleicht Polizei mit Clan: Wegner empört
Ein Social-Media-Beitrag der Berliner Linksjugend sorgt unmittelbar nach der Abgeordnetenhauswahl für neuen politischen Streit. Nach dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht verglich der Jugendverband Polizeibeamte mit einem „kriminellen Clan“. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spricht von einer „völligen Entgleisung“.
Was passiert ist
Die Auseinandersetzung begann nach dem Berliner Schulstreik gegen die Wehrpflicht am Freitag, dem 25. September 2026.
Unter dem Motto „Krieg und Krise frisst dein Leben. Zusammen kämpfen wir dagegen! Schulstreik gegen Wehrpflicht“ demonstrierten junge Menschen in Berlin gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie gegen verpflichtende Musterungen. Die Linke hatte den Protest gemeinsam mit der Linksjugend unterstützt und zur Teilnahme mobilisiert.
Nach der Demonstration veröffentlichte die Berliner Linksjugend einen Beitrag in sozialen Medien, in dem sie die Polizei als einen „kriminellen Clan“ bezeichnete, der unter anderem mit Pistolen, Quarzhandschuhen, Knüppeln und Pfefferspray ausgestattet sei.
Darauf reagierte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner ausgesprochen scharf.
Er bezeichnete den Beitrag auf X als „weitere völlige Entgleisung“ und erklärte, es sei durch nichts zu rechtfertigen, Polizistinnen und Polizisten mit kriminellen Clans gleichzusetzen und zu diffamieren. Nach seiner Darstellung verlasse eine solche Äußerung den Boden des demokratischen Diskurses. Wegner versicherte der Berliner Polizei zugleich seine Unterstützung.
Was beim Schulstreik tatsächlich geschah
Die Demonstration selbst verlief nach Angaben der Berliner Polizei nicht vollständig störungsfrei.
In ihrer am 26. September veröffentlichten Bilanz spricht die Polizei von in der Spitze rund 3.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Rund 200 Polizeikräfte waren demnach im Einsatz.
Während der Versammlung seien unter anderem polizeifeindliche Sprechchöre zu hören gewesen. Die Polizei berichtet außerdem von Pyrotechnik, einem Plakat auf dem Dach der Schillerbibliothek sowie später von Sprechchören mit nach ihrer Einschätzung strafrechtlich relevantem Inhalt.
Insgesamt wurden laut Polizei elf Strafanzeigen aufgenommen unter anderem wegen Beleidigung, Sachbeschädigung sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. 16 Personen wurden vorübergehend festgenommen und anschließend wieder entlassen.
Diese Angaben stammen aus der Darstellung der Polizei. Sie belegen nicht automatisch sämtliche Bewertungen des Einsatzes durch Polizei, Demonstrierende oder politische Akteure.
Warum der Streit politisch mehr ist als ein Social-Media-Eklat
Der Zeitpunkt macht die Auseinandersetzung besonders relevant.
Die Berliner Linke ist nach der Abgeordnetenhauswahl zur stärksten politischen Kraft geworden und strebt eine Regierungsbildung mit Grünen und SPD an. Gleichzeitig wird seit der Wahl intensiv über den Umgang von Teilen der Partei mit Antisemitismusvorwürfen sowie über Kontakte einzelner Akteure ins sogenannte Clan-Milieu diskutiert.
Bei einer öffentlichen Wahlparty der Linken in Neukölln war beispielsweise Issa Remmo aufgetaucht. Der Bezirksverband erklärte anschließend, Remmo sei weder eingeladen gewesen noch habe es politische oder persönliche Beziehungen zu ihm gegeben. Nach Angaben des Landesgeschäftsführers sei er nach seiner Identifizierung zum Verlassen der Veranstaltung aufgefordert worden.
Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak geriet zudem wegen eines Chatkontakts mit einem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Familie in die Kritik.
Vor diesem Hintergrund besitzt ausgerechnet die Verwendung des Begriffes „krimineller Clan“ durch den Jugendverband eine zusätzliche politische Dimension.
Die Linksjugend ist nicht die Berliner Linke
Dabei muss journalistisch zwischen Jugendverband und Partei unterschieden werden.
Die Linksjugend [’solid] ist der parteinahe Jugendverband der Linken. Eine Äußerung des Jugendverbandes ist deshalb nicht automatisch eine Erklärung des Berliner Landesverbandes oder seiner Spitzenkandidatin.
Gleichzeitig besteht eine politische Verbindung: Der Bundesvorstand der Linken hatte am 12. September ausdrücklich beschlossen, den Schulstreik gemeinsam mit der Linksjugend zu unterstützen und dafür zu mobilisieren.
Damit stellt sich für die Berliner Linke nun die Frage, ob und wie sie sich zu der Wortwahl ihres Jugendverbandes positioniert.
Warum das relevant ist
Der Konflikt berührt zwei voneinander zu trennende Ebenen.
Die Kritik an Polizeieinsätzen gehört grundsätzlich zur politischen und gesellschaftlichen Debatte. Polizeiliches Handeln kann und muss überprüft, kritisiert und gegebenenfalls juristisch bewertet werden.
Davon getrennt steht die Frage, welche Sprache politische Organisationen dabei verwenden.
Der Vergleich einer gesamten Polizeibehörde mit einem „kriminellen Clan“ ist keine konkrete Kritik an einzelnen Maßnahmen. Er ist eine pauschale politische Charakterisierung und genau daran entzündet sich Wegners Reaktion.
Politisch erhält die Wortwahl zusätzliche Sprengkraft, weil mögliche Koalitionspartner der Linken derzeit gerade beim Umgang mit Antisemitismus, organisierter Kriminalität und rechtsstaatlichen Institutionen Klarheit verlangen. SPD und Grüne haben entsprechende Fragen in den vergangenen Tagen öffentlich thematisiert.
Was noch offen ist
Entscheidend wird nun sein, ob der Berliner Landesverband der Linken oder seine Spitzenkandidatin Elif Eralp auf den Beitrag der Linksjugend reagieren.
Ebenso gehört zur vollständigen Einordnung die Frage, auf welche konkreten Vorgänge während des Polizeieinsatzes sich die Linksjugend mit ihrer Kritik bezieht. Die bislang öffentlich dokumentierte Äußerung enthält vor allem die pauschale Bezeichnung der Polizei als „kriminellen Clan“.
Damit dürfte der Post über die eigentliche Demonstration hinaus politische Folgen haben: Er fällt mitten in eine Phase, in der mögliche Koalitionspartner prüfen, auf welcher gemeinsamen politischen Grundlage eine neue Berliner Regierung entstehen könnte.
FAQ
Was hat die Linksjugend über die Berliner Polizei geschrieben?
Die Berliner Linksjugend bezeichnete die Polizei nach dem Schulstreik als „kriminellen Clan“ und verwies dabei auf deren Einsatzmittel wie Pistolen, Knüppel und Pfefferspray.
Was sagte Kai Wegner?
Der Regierende Bürgermeister bezeichnete den Beitrag als „völlige Entgleisung“ und erklärte, die Gleichsetzung von Polizisten mit kriminellen Clans sei nicht zu rechtfertigen.
Was war der Anlass des Polizeieinsatzes?
Am 25. September demonstrierten Schülerinnen, Schüler und weitere Teilnehmer in Berlin gegen Wehrpflicht und verpflichtende Musterungen.
Gehört die Linksjugend zur Partei Die Linke?
Die Linksjugend [’solid] ist der parteinahe Jugendverband. Ihre Aussagen sind jedoch nicht automatisch offizielle Positionen des Berliner Landesverbandes der Linken.
Quellen & Fact-Checking
Geprüfte Quellen:
- t-online, 27. September 2026: Bericht über Wegners Reaktion und den Beitrag der Linksjugend.
- Polizei Berlin / veröffentlichte Polizeibilanz vom 26. September 2026 zum Demonstrationsgeschehen.
- rbb24, 25. September 2026: Berichterstattung über den Schulstreik gegen die Wehrpflicht.
- Die Linke, Parteivorstand: Beschluss vom 12. September zur Unterstützung und Mobilisierung für den Schulstreik.
- t-online/dpa zur aktuellen Debatte um Regierungsbildung, Clan-Kontakte und Antisemitismusvorwürfe.
Redaktioneller Prüfhinweis:
Die Aussage der Linksjugend wird als politische Äußerung gekennzeichnet und nicht als Tatsachenbeschreibung übernommen. Ebenso werden Wegners Bewertung und die Angaben der Polizei jeweils klar ihren Urhebern zugeordnet. Der Jugendverband wird nicht mit dem Berliner Landesverband der Linken gleichgesetzt.
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