Bosch: 900 Stellen in Nürnberg sollen wegfallen

Bosch: 900 Stellen in Nürnberg sollen wegfallen
Systembild: Bosch plant am Nürnberger Standort den Abbau von 900 Stellen bis Ende 2029. © KI-generierte Illustration.

Bosch will in Nürnberg 900 Stellen bis Ende 2029 streichen

Bosch will sein Werk in Nürnberg erheblich verkleinern. Bis Ende 2029 sollen dort 900 der rund 1.700 Stellen wegfallen. Eine Konzernsprecherin bestätigte die Zahl auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Die Beschäftigten wurden am Montagnachmittag in einer Betriebsversammlung informiert.

Aus den genannten Zahlen ergibt sich eine Verringerung der Belegschaft um gut 53 Prozent. Die Formulierung, Bosch „halbiere“ den Standort, beschreibt also die Größenordnung des geplanten Abbaus. Sie bedeutet nicht, dass bereits 900 Menschen ihre Arbeitsplätze verloren haben.

Warum Bosch den Standort verkleinern will

Bosch begründet die Pläne laut BR mit sinkendem Absatz sowie wachsendem Wettbewerbs- und Preisdruck in der Automobilindustrie. Der Konzern wolle den Stellenabbau möglichst sozialverträglich gestalten. Welche Maßnahmen dafür im Einzelnen vorgesehen sind, geht aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht hervor.

Das Nürnberger Werk steht vor einem konkreten Produktproblem: Nach Angaben der IG Metall fertigt es überwiegend Teile für klassische Verbrennungsmotoren; ein Hauptprodukt ist die Hochdruckpumpe für Benzineinspritzsysteme. Bosch nennt für den Standort allerdings auch Komponenten für Brennstoffzellen und Wasserstofftechnik sowie Kompetenzen im 3D-Druck und Sondermaschinenbau. Offen ist, ob daraus künftig genügend Aufträge und Beschäftigung für das Werk entstehen.

Der Konflikt begann vor der neuen Zahl

Die 900 Stellen sind die neue, konkrete Größenordnung. Der Streit um die Zukunft des Werks läuft seit Monaten. Bereits im Juli berichteten Betriebsrat und IG Metall über mögliche massive Abbauszenarien. Am 21. September demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben rund 500 Beschäftigte und Unterstützer vor dem Nürnberger Werk. Ihre Forderung: Bosch solle neue Produkte an den Standort bringen, die weniger vom Verbrennungsmotor abhängen.

Die IG Metall kritisiert den nun bekannt gewordenen Plan scharf. Nach Darstellung der Gewerkschaft verlange Bosch zusätzliche Einsparungen bei den Personalkosten, ohne zugleich verbindliche Zusagen für Zukunftsprodukte zu machen. Sie hält sogar eine spätere Schließung des Werks für möglich. Eine Werksschließung ist damit eine Warnung der Arbeitnehmerseite, keine bekannt gegebene Entscheidung von Bosch.

Was für die Beschäftigten offenbleibt

Bis zum 31. Dezember 2026 gilt nach Angaben der IG Metall noch eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Wie die Beschäftigung danach abgesichert wird und auf welchem Weg Bosch die 900 Stellen bis Ende 2029 abbauen will, ist anhand der bisher öffentlich vorliegenden Angaben nicht geklärt.

Der Nürnberger Plan steht in einem größeren wirtschaftlichen Zusammenhang. Bosch meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatzanstieg auf 46,4 Milliarden Euro, zugleich aber Belastungen im Mobilitätsgeschäft. Zur Jahresmitte beschäftigte der Konzern in Deutschland 4.036 Menschen weniger als Ende 2025. Diese Konzernzahl beschreibt einen bereits eingetretenen Rückgang; die 900 Nürnberger Stellen sind dagegen ein Abbauplan bis Ende 2029. Beide Zahlen dürfen nicht addiert oder als derselbe Vorgang behandelt werden.

Für Nürnberg ist nun die nächste Frage, ob Bosch, Betriebsrat und IG Metall eine neue Standortsicherung vereinbaren können und welche Produktion das Werk über die bisherigen Verbrennerteile hinaus tragen soll.

Quellen und Transparenz:

Die Zahl von 900 geplanten Stellenstreichungen beruht auf der vom Bayerischen Rundfunk eingeholten Bestätigung einer Bosch-Sprecherin. Für Standort, Beschäftigungssicherung und Position der Arbeitnehmerseite wurden Angaben der IG Metall Nürnberg und die Standortbeschreibung von Bosch herangezogen. Die vom Nutzer verlinkte BILD-Seite war bei der Recherche nicht abrufbar; ihr Inhalt wurde deshalb nicht als Beleg verwendet.

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