Gehalt netto: Deutschland und vier Nachbarländer
Was vom Gehalt bleibt: Deutschland und vier Nachbarländer im Vergleich
In Österreich, Polen, der Schweiz und den Niederlanden behalten Singles mit Durchschnittsverdienst einen größeren Anteil ihres Bruttogehalts als in Deutschland. Doch niedrigere Steuern bedeuten nicht automatisch weniger Pflichtzahlungen. Besonders der niederländische Vergleich überrascht.
Stand: 14. Oktober 2026
Datenjahr: 2025, OECD-Veröffentlichung „Taxing Wages 2026“
Wer arbeitet, will wissen, was vom Gehalt übrig bleibt. Im vergleichbaren OECD-Modell fällt die Antwort für Deutschland ungünstig aus: Ein kinderloser Single mit dem jeweiligen nationalen Durchschnittsverdienst behält nach Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträgen 61,3 Prozent seines Bruttolohns. In allen vier Vergleichsländern liegt dieser Anteil höher.
Der Vergleich verlangt allerdings einen zweiten Blick. Einige Länder finanzieren Pflichtversicherungen über Zahlungen, die in der üblichen Steuerstatistik fehlen. Für Beschäftigte ist dieses Geld trotzdem gebunden.
So viel bleibt vom Bruttogehalt
Die OECD vergleicht standardisierte Haushalte, keine individuellen Gehaltsabrechnungen. Hier steht jeweils ein Single ohne Kinder mit 100 Prozent des nationalen Durchschnittslohns.
| Land | Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträge | Verbleibender Bruttoanteil | Verbleibender Anteil einschließlich zusätzlicher modellierter Pflichtzahlungen |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 38,7 % | 61,3 % | 61,3 % |
| Österreich | 32,5 % | 67,5 % | 67,5 % |
| Niederlande | 27,9 % | 72,1 % | 64,8 % |
| Schweiz | 18,1 % | 81,9 % | 68,9 % |
| Polen | 24,4 % | 75,6 % | 71,9 % |
Quellen: OECD, „Taxing Wages 2026“, Tabelle 3.3; ergänzende Untersuchung zu nichtsteuerlichen Pflichtzahlungen, Tabelle 2. Verbleibende Anteile berechnet als 100 Prozent minus jeweilige Belastungsquote. OECD
Auch nach dieser Erweiterung bleibt deutschen Singles in diesem Modell der kleinste Anteil. Der Abstand zu den Niederlanden schrumpft aber erheblich.
Österreich: Ebenfalls hohe Abgaben auf Arbeit
Österreich gehört keineswegs zu den Ländern mit niedriger Arbeitsbelastung. Einschließlich Arbeitgeberbeiträgen beträgt der sogenannte Steuerkeil dort 47,1 Prozent der Arbeitskosten. Innerhalb der OECD war das 2025 der vierthöchste Wert. Familien werden deutlich entlastet: Ein verheiratetes Paar mit einem Durchschnittsverdiener und zwei Kindern behält einschließlich Familienleistungen 85,1 Prozent des Bruttolohns. oecd.org
Niederlande: Pflichtversicherung verändert das Bild
In den Niederlanden gehört eine nominale Prämie für die private Basiskrankenversicherung zum System. Die OECD ordnet solche Zahlungen außerhalb der klassischen Steuer- und Sozialbeitragsquote ein. Einkommensabhängig kann ein Krankenversicherungszuschuss gezahlt werden. OECD
Rechnet man die modellierten Pflichtzahlungen beider Seiten ein, erreicht der gesamte Abgabenkeil 49,9 Prozent der erweiterten Arbeitskosten. Damit liegt er sogar leicht über Deutschlands 49,3 Prozent. Das ist eine andere Bezugsgröße als der Bruttolohn. oecd.org
Schweiz: Niedrige Steuerquote, zusätzliche Versicherungen
Die Schweizer Krankenversicherung ist obligatorisch; jedes Familienmitglied wird einzeln versichert. Hinzu kommen unter anderem Pflichtzahlungen zur beruflichen Vorsorge. Sie erklären, weshalb die reine Steuerquote die verfügbare Summe überschätzt. oecd.org
Auch der Wohnort zählt. Die OECD-Steuerberechnung verwendet für die dezentralen Einkommensteuern den Kanton und die Gemeinde Zürich. Der ausgewiesene Wert ist deshalb kein einheitlicher Tarif für die gesamte Schweiz. OECD
Polen: Besonders große Entlastung für Familien
Im polnischen Modell wird die Bedeutung von Familienleistungen sichtbar. Für ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern und einem Durchschnittsverdiener beträgt die Belastung nach Steuern, Arbeitnehmerbeiträgen und angerechneten Geldleistungen nur 0,2 Prozent des Bruttolohns. Das bedeutet keine Steuerfreiheit: Leistungen gleichen einen großen Teil der Abzüge aus. OECD
Hohe Belastung ist belegt. „Abzocke“ ist eine Bewertung.
Der Vergleich zeigt, wie viel Arbeitseinkommen durch Abgaben und Pflichtzahlungen gebunden wird. Ob diese Belastung angemessen ist, hängt auch von den finanzierten Leistungen ab. Die Tabellen bewerten weder die Qualität der Gesundheitsversorgung noch Schulen oder spätere Rentenansprüche.
Ebenso wenig sagen die Prozentsätze, in welchem Land ein Haushalt nach Miete und Einkäufen besser lebt. Dafür müssten Lohnhöhe, Preise und konkrete Lebensumstände zusammen betrachtet werden. Die OECD vergleicht hier nationale Durchschnittsverdienste, nicht dasselbe Eurogehalt in fünf Ländern.
Quellen und Transparenz:
Grundlage sind OECD-Modellrechnungen für 2025. Die erweiterte Pflichtzahlungsrechnung enthält nicht alle denkbaren Kosten; insbesondere bestimmte arbeitsbezogene private Unfallversicherungen bleiben unberücksichtigt. Konsumsteuern und Lebenshaltungskosten sind nicht Gegenstand dieses Gehaltsvergleichs.
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