Mercedes kämpft um die Wende
Mercedes unter Druck: Wie Källenius den Konzern aus der Krise führen will
Weniger verkaufte Autos, schwache Erträge und ein schwieriges China-Geschäft: Mercedes will mit niedrigeren Kosten und neuen Modellen gegensteuern. Bei Elektroautos zieht der Absatz bereits an.
Stand: 23. Oktober 2026
Mercedes-Benz muss sein Autogeschäft wieder profitabler machen. Konzernchef Ola Källenius setzt dafür auf günstigere Produktion und eine umfassende Erneuerung der Modellpalette. Der Handlungsdruck ist hoch: In den ersten neun Monaten 2026 verkaufte die Pkw-Sparte weltweit rund 1,24 Millionen Fahrzeuge, sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Wie angespannt die Lage ist, zeigt das zweite Quartal. Die unbereinigte Umsatzrendite der Autosparte lag nach einem Bericht des Handelsblatts bei lediglich 0,2 Prozent. Allerdings erklären Sonderbelastungen einen erheblichen Teil der Schwäche. Ein Blick allein auf diese Zahl greift deshalb zu kurz.
Warum die niedrige Rendite erklärt werden muss
Mercedes-Benz Cars erzielte von April bis Juni ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 49 Millionen Euro. Darin enthalten waren Wertminderungen von 704 Millionen Euro auf chinesische Beteiligungen. Nach Unternehmensangaben führten diese im Quartal nicht zu einem entsprechenden Geldabfluss.
Bereinigt lag das operative Ergebnis bei 909 Millionen Euro, die Umsatzrendite bei vier Prozent. Auch dieser Wert blieb unter dem Vorjahresniveau von 5,1 Prozent. Mercedes nennt unter anderem stärkeren Marktdruck in China, einen ungünstigeren Modellmix und Kosten der laufenden Produkteinführungen als Gründe.
Die Unterscheidung ist für die Bewertung der Krise wesentlich: Das laufende Geschäft steht unter Druck; die besonders niedrige unbereinigte Rendite wurde zugleich durch Abschreibungen belastet.
China zieht die Verkaufsbilanz nach unten
Im dritten Quartal lieferte Mercedes-Benz Cars weltweit 407.200 Fahrzeuge aus, acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Regional verlief das Geschäft sehr unterschiedlich: In Europa stiegen die Verkäufe um fünf Prozent, in den USA um sechs Prozent. In China brachen sie dagegen um 31 Prozent ein.
Mercedes verweist dort auf schwierige Marktbedingungen und intensiven Wettbewerb. Das Wachstum in anderen Regionen reichte nicht aus, um diesen Rückgang aufzufangen.
Die Produktion soll günstiger werden
Mit dem Programm „Next Level Performance“ will Mercedes seine Kostenbasis senken. Die Produktionskosten je Fahrzeug sollen ab 2027 zehn Prozent unter dem Niveau von 2024 liegen. Dafür plant der Konzern unter anderem mehr Automatisierung, eine bessere Auslastung der Anlagen und günstigere Logistik.
Im Produktionsnetz gewinnt Ungarn an Gewicht. Für Kecskemét nennt Mercedes eine mögliche Kapazität von bis zu 400.000 Fahrzeugen. In Deutschland ist eine Produktionskapazität von 900.000 Fahrzeugen vorgesehen. Weltweit soll sie bis 2028 auf rund 2,2 Millionen Fahrzeuge angepasst werden.
Zum Sparkurs gehören auch weniger Führungspositionen und die Auslagerung von Tätigkeiten außerhalb des Kerngeschäfts. Das sind Unternehmenspläne; ob die angestrebten Einsparungen vollständig erreicht werden, ist damit noch nicht belegt.
Neue Modelle bringen erste Entlastung
Mercedes hat für 2025 bis 2027 mehr als 40 neue Modelle angekündigt. Die nach eigenen Angaben größte Modelloffensive der Unternehmensgeschichte soll die Nachfrage beleben. group.mercedes-benz.com
Bei den Elektroautos gibt es Fortschritte: Im dritten Quartal verkaufte die Pkw-Sparte 68.400 batterieelektrische Fahrzeuge, 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach Unternehmensangaben sind die elektrischen Varianten von GLC, CLA, GLB und GLA in Europa für den Rest des Jahres ausverkauft. Die Auftragsbücher reichen bis 2027. Mercedes-Benz Media
Neue Fahrtechnologien gehören ebenfalls zur Strategie. Das Handelsblatt nennt autonome Fahrzeuge als einen Ansatz des Managements. Mercedes selbst kündigte im Halbjahresbericht an, bis Ende 2026 punktgenaues assistiertes Fahren zwischen Start und Ziel in ersten deutschen Städten einführen zu wollen. Assistiertes Fahren ist dabei nicht mit fahrerlosem Betrieb gleichzusetzen. handelsblatt.com
Der nächste wirtschaftliche Nachweis steht aus: Steigende Elektroverkäufe zeigen Nachfrage nach neuen Produkten. Ob daraus eine nachhaltige Erholung der Autosparte wird, muss sich an deren Ergebnis und Rendite ablesen lassen.
Quellen und Transparenz
Grundlage sind der Handelsblatt-Bericht vom 23. Oktober 2026 sowie Mercedes-Benz-Veröffentlichungen zu den Quartalszahlen, den Absatzzahlen Januar bis September und der Unternehmensstrategie. Vom Handelsblatt war der öffentlich zugängliche Artikelanfang auswertbar. Ziele und Nachfragebewertungen des Konzerns sind als Unternehmensangaben gekennzeichnet.
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